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"Ich bin Chelsea Manning" Wikileaks-Informant will als Frau leben

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Manning posierte für ein Foto mit Perücke und geschminkten Lippen.

Reuters

In einem Online-Chat gibt sich Bradley Manning als Wikileaks-Informant zu erkennen. Er wird verhaftet. Doch bald danach werden nicht nur die Enthüllungen öffentlich diskutiert - auch Mannings Sexualität gerät in den Fokus. Einige fragen gar: Fühlt er sich nicht als Mann? Das beantwortet er nun und erklärt: "Ich bin eine Frau."

Der Wikileaks-Informant Bradley Manning will sich einer Hormontherapie unterziehen und künftig als Frau leben. Eine neue Phase in seinem Leben beginne und er wolle, dass jeder sein wahres Ich kennenlerne, schrieb Manning in einem Statement an die Sendung "Today" des US-Senders NBC. "Ich bin Chelsea Manning. Ich bin eine Frau", hieß es darin.

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Manning wurde wegen seiner Rolle bei den Wikileaks-Enthüllungen zu 35 Jahren Haft verurteilt.

(Foto: AP)

Demnach fühlte sich Manning schon als Kind unwohl in seinem männlichen Körper. Nun wolle er so schnell wie möglich eine Hormonbehandlung. "Ich bitte auch darum, dass ich von heute an mit meinem neuen Namen angesprochen werde und das weibliche Personalpronomen für mich verwendet wird", schrieb der 25-Jährige weiter.

Als im Irak stationierter Soldat der US-Armee hatte Manning der Enthüllungsplattform Wikileaks hunderttausende geheime Dokumente übermittelt. Daraufhin wurde er im Mai 2010 festgenommen. Am Mittwoch verurteilte ihn ein Militärgericht schließlich zu 35 Jahren Haft. Zudem wird der Obergefreite degradiert, unehrenhaft aus der Armee entlassen und verliert seine Sold- und Pensionsansprüche. Allerdings hat Manning die Möglichkeit, bei guter Führung in etwa neun Jahren auf Bewährung freizukommen.

Manning musste seine Homosexualität verheimlichen

In der Diskussion um die Enthüllungen hatten auch Mannings psychische Verfassung und seine Sexualität immer wieder eine Rolle gespielt. So war während der Gerichtsverhandlung etwa zur Sprache gebracht worden, dass Manning unter großem Stress stand, als er sich entschied, die Dokumente an Wikileaks weiterzugeben. Dies dürfe aber nicht als Entschuldigung für Mannings Handeln verstanden werden, betonte Mannings Anwalt David Coombs im Gespräch mit "Today". "Was ihn bei seinem Handeln antrieb, war ein starker moralischer Kompass", betonte Coombs.

Auch Mannings Homosexualität rückte in den Fokus der öffentlichen Debatte. Er hatte sie während seiner Militärzeit verheimlichen müssen. Bis September 2011 durften schwule, lesbische und bisexuelle Menschen zwar in der US-Armee dienen - allerdings nur, wenn sie sich nicht offen zu ihrer sexuellen Orientierung bekannten. Diese Form der Diskriminierung existiert mittlerweile nicht mehr.

Sogar ob Manning eine Geschlechtsumwandlung erwäge, wurde nach seiner Festnahme diskutiert. Grund für die Spekulationen waren Aussagen Mannings in Online-Konversationen. Der Soldat hatte sich vor seiner Verhaftung dem US-Hacker Adrian Lamo anvertraut und sich als Wikileaks-Informant zu erkennen gegeben. Lamo informierte daraufhin die Behörden.

Das Magazin "Wired" veröffentlichte später eine Abschrift dieser Konversationen. Demnach sprach Manning darin auch an, dass er sich unsicher über seine Geschlechtsidentität sei. Er erklärte, er habe kein Problem damit, den Rest seines Lebens hinter Gittern zu verbringen oder gar die Todesstrafe zu erhalten. Aber er wolle nicht, dass dann in der Weltpresse Bilder von ihm als Junge verbreitet würden.

Der Informant will nicht ins Frauengefängnis

Weil all dies so bekannt wurde, habe er sich entschlossen, nun auch den nächsten Schritt öffentlich zu machen, sagte Coombs. Manning habe damit bis zum Ende der Gerichtsverhandlung gewartet. Jetzt, nach der Verurteilung, wolle er aber eine neue Phase in seinem Leben beginnen. Die Verteidigung hatte schon während des Prozesses auf auf Mannings Zweifel an seiner sexuellen Identität verwiesen und auch ein Foto gezeigt, auf dem der junge Mann mit blonder Perücke und geschminkten Lippen zu sehen war.

Wann Manning die gewünschte Hormontherapie beginnen kann, ist unklar. Er sitzt im Militärgefängnis Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas. Häftlinge dort haben aber kein Anrecht auf eine solche Behandlung. "Wir wissen, dass der Anwalt des Soldaten, der unter dem Namen Bradley Manning verurteilt wurde, mitgeteilt hat, dass sein Mandant sich nun offen als Frau identifiziert", sagte ein Sprecher des Pentagon. "Es gibt aber kein Vorgehen im US-Militär, ihr eine Hormonbehandlung oder eine Umwandlungsoperation bereitzustellen."

Anwalt Coombs sagte "Today", er werde aber alles dafür tun, damit Manning die Hormontherapie bekomme. Auch eine Klage schloss er nicht aus. Ob der 25-Jährige auch eine Operation wolle, wisse er aber nicht.

Manning wolle damit nicht erreichen, in ein Frauengefängnis zu kommen, erläuterte Coombs, der im späteren Teil des Interviews bereits das weibliche Personalpronomen verwendete, wenn er über seinen Mandanten sprach. "Ich denke, das Ziel ist es, dass sie sich in ihrer Haut wohlfühlt."

Quelle: n-tv.de, hah/AFP/dpa

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