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Geldinstitute sperren Finanzmittel Wikileaks ist (fast) am Ende

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Assange will jetzt eine Spenden-Kampagne starten.

(Foto: Reuters)

Vorerst will die Enthüllungsplattform Wikileaks kein neues Material veröffentlichen. Stattdessen wolle man sich auf das Sammeln von Spenden konzentrieren, sagt der Gründer der Seite, Assange. Denn nach der "finanziellen Blockade" durch Banken fehlten 95 Prozent der Einnahmen. Sollte sich das nicht ändern, droht Wikileaks das Ende.

Wikileaks steckt in Geldnöten: Die Enthüllungsplattform will bis auf weiteres kein neues Material mehr veröffentlichen und sich stattdessen auf das Aufbessern ihrer Finanzen konzentrieren. Das kündigte Gründer Julian Assange in London an. Wikileaks starte nun eine neue Spenden-Kampagne und wolle die "finanzielle Blockade" durch US-amerikanische Zahlungsdienstleister brechen. Diese habe Wikileaks in den vergangenen elf Monaten mehrere zehn Millionen US-Dollar gekostet. Wenn sich bis zum Jahreswechsel nichts ändere, werde Wikileaks nicht weitermachen können.

Die Aktivisten argumentieren, durch die Entscheidung von Zahlungsabwicklern wie Visa und Mastercard, keine Geschäfte mehr mit Wikileaks zu machen, seien Finanzmittel in Millionenhöhe nicht mehr erreichbar oder hätten von Unterstützern gar nicht erst gespendet werden können. Assange sprach von 95 Prozent der Einnahmen. Wikileaks wolle gegen diese "Blockade" vor Gericht in Großbritannien, den USA, Island und Australien vorgehen. Außerdem habe Wikileaks bei der Europäischen Kommission Klage wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht eingereicht und erwarte eine Entscheidung bis Mitte November, teilte Assange mit.

Wirbel um ungeschwärzte Depeschen

Im Jahr 2010 hätten Sympathisanten im Schnitt um die 100.000 Euro pro Monat gespendet, inzwischen seien es nur noch um die 6000 bis 7000 Euro, sagte Assange. Der Boykott durch die Finanzdienstleister sei unrechtmäßig und politisch motiviert. Assange hängt seit Monaten unter Aufsicht in Großbritannien fest, während über seine Auslieferung nach Schweden entschieden wird. Dort wird ihm sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Zuletzt hatte es Anfang September Wirbel um die ungeschwärzte Veröffentlichung brisanter US-Botschaftsdepeschen gegeben. Die US-Regierung, aber auch Menschenrechtsorganisationen hatten gewarnt, dass dadurch das Leben von Informanten gefährdet sei. Assange machte für die Panne einen Journalisten der britischen Zeitung "The Guardian" verantwortlich. Dieser hatte in einem Buch ein Passwort für die ungeschwärzte Version der Depeschen veröffentlicht. Seitdem läuft die Arbeit von Wikileaks auf Sparflamme.

Zerwürfnis mit Domscheit-Berg

Um ihre Finanzen auszubessern, startete Wikileaks in den vergangenen Monaten bereits eine Reihe von Aktionen. Im September versteigerten die Aktivisten im Internet Erinnerungsstücke wie ein geschmuggeltes Kaffeepäckchen, eine handsignierte Diplomatendepesche oder ein Notebook, mit dem die Veröffentlichung der US-Botschaftsdepeschen vorbereitet worden war. Im Juli veranstaltete Wikileaks ein Mittagessen mit Assange in London. Die acht verfügbaren Plätze versteigerte die Plattform ebenfalls über das Internetauktionshaus Ebay.

Auch das Zerwürfnis zwischen Assange und dem einstigen Weggefährten Daniel Domscheit-Berg hatte die Arbeit der Enthüllungs-Website weitgehend paralysiert. Domscheit-Berg nahm bei seinem Ausstieg noch unveröffentlichtes Material mit, weil es bei Wikileaks und Assange nicht mehr sicher sei.

Wikileaks hatte im April 2010 ein schockierendes Video veröffentlicht, das die tödlichen Schüsse einer US-Kampfhubschrauber-Besatzung auf Zivilisten in Bagdad zeigt. Später machte Wikileaks 77.000 Dokumente zum Afghanistan-Krieg sowie rund 400.000 geheime Unterlagen des Pentagons zum Irak-Krieg und zum Afghanistan-Einsatz zugänglich. Damit zog es den Ärger von USA und NATO auf sich.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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