Politik

Rechts-Bündnis will Europa aufmischen Wilders trifft "gute Freundin" Le Pen

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Wilders und Le Pen präsentierten sich in Den Haag betont harmonisch.

(Foto: Reuters)

Marine Le Pen und Geert Wilders sind die bekanntesten Rechtspopulisten Europas. Bei einem Treffen scherzen die beiden und präsentieren Pläne für eine Anti-Europa-Koalition. Ihre Chancen stehen gar nicht schlecht.

Geert Wilders kann ein Gentleman sein. Mit strahlendem Lächeln und einem herzlichen "Willkommen in den Niederlanden" begrüßt er Marine Le Pen vor dem Repräsentantenhaus in Den Haag. Einige Minuten später rückt er der Französin den Stuhl zurecht. Die beiden, die ganz hinten und damit gleichzeitig ganz oben sitzen, schauen jetzt auf den Parlamentssaal herab. Wilders und seine Besucherin kichern und scherzen wie zwei Freunde, die sich lange nicht gesehen haben.

Die Begegnung ist lange geplant und von Wilders inszeniert. Im Frühjahr reiste er nach Paris, nun stattet ihm Le Pen einen Gegenbesuch ab. Die Chefin des französischen Front National und der niederländische Rechtspopulist gelten als Schlüsselfiguren der europäischen Rechtsaußenparteien. Sie eint vor allem die Abneigung gegen Europa und Migranten sowie der Kampf für die Rückkehr zu starken souveränen Nationalstaaten. Zur Europawahl im Mai wollen sie ein strategisches Bündnis bilden.

Isoliert und trostlos

So offensichtlich wie in Den Haag suchten die beiden allerdings noch nie die Nähe des anderen. Wilders Partei für die Freiheit, kurz PVV, hetzt zwar gern offen gegen den Islam, ist aber israelfreundlich ausgerichtet. Der Antisemitismus und die Anti-Homosexuellen-Haltung des Front National liegt Wilders eigentlich fern. In der Vergangenheit vermied der Niederländer es, gemeinsam mit Le Pen vor der Kamera zu posieren. Doch inzwischen hat der 50-Jährige, der mit einer Ungarin verheiratet ist, seine Sichtweise geändert. In der eigenen Fraktion verweist er darauf, dass Le Pen in ihrer Partei ordentlich aufgeräumt habe. In Den Haag begrüßte er die Französin als "gute Freundin" und sprach von einem "historischen Treffen".

Wilders hat erkannt: Ohne den Front National geht es nicht. Denn eine rechte Anti-Europa-Allianz hat nur mit den beiden Prominenten als Lokomotive eine Chance. Zu häufig scheiterten rechte Koalitionen auf EU-Ebene in den vergangenen Jahren. Zuletzt führten die vier PVV- und die drei FN-Vertreter, darunter auch Le Pen selbst, ohne eigene Fraktion ein isoliertes und trostloses Dasein. Eine gemeinsame Fraktion verspricht in der 766 Abgeordneten starken EU-Volksvertretung einen bedeutenden Machtzuwachs und mehr Einfluss, vor allem in Form von Redezeit sowie Geld für Mitarbeiter, Dolmetscher und Öffentlichkeitsarbeit.

"Ein Erdrutsch in der europäischen Politik"

Ein halbes Jahr vor der Europawahl suchen Wilders und Le Pen daher nach Verbündeten. Als potenzielle Partner gelten die österreichische FPÖ, die Schwedendemokraten und das belgische Vlaams Belang. Noch unklar ist, ob die italienische Lega Nord, die dänische Volkspartei und die Wahren Finnen, die allesamt bisher noch in einer anderen Fraktion sind, mitmachen. Die deutsche AfD hat eine Beteiligung bereits abgelehnt. "Mit Rechtsextremisten wollen wir nichts zu tun haben", sagte Parteichef Bernd Lucke auf Anfrage von n-tv.de.

Für eine gemeinsame Fraktion benötigen Wilders und Le Pen 27 Mitglieder aus sieben EU-Ländern. Den Großteil davon stellen aber möglicherweise künftig allein schon die Abgeordneten des Front National und der PVV. In den Umfragen zur Europawahl liegen sie in ihren Ländern jeweils deutlich über 20 Prozent.

Umso selbstbewusster versicherten Wilders und Le Pen auf der Pressekonferenz in Den Haag den Nutzen einer rechten Allianz. "Damit beginnt die Befreiung von der Elite und Europa, dem Monster in Brüssel", sagte der Niederländer. Dies könne zu einem Erdrutsch in der europäischen Politik führen. Le Pen betonte: "Wir wollen mit anderen patriotischen Gruppen in Europa eine Dynamik schaffen." Ziel sei es, ein System zu beenden, das die "Völker Europas in die Sklaverei getrieben hat".

Quelle: ntv.de, mit dpa

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