Dossier

Vom Kumpeltyp zum Buhmann Adolf Sauerland im Portrait

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Ein Mann des Volkes, der die Volksstimme nicht mehr hört: Adolf Sauerland.

(Foto: dpa)

Er ist ein echter Mann des Volkes, der schnell Nähe und Vertrauen herstellen kann. Doch haut Adolf Sauerland auch gerne auf den Tisch, um Ideen durchzusetzen.

Nach der Loveparade-Katastrophe saß Adolf Sauerland mit hängenden Schultern in der Pressekonferenz und las seine abwiegelnde Erklärung vom Blatt ab. Für Duisburgs Oberbürgermeister war das aber ein völlig untypischer Auftritt: Eigentlich ist der 55-Jährige ein lebensfroher Kumpeltyp. Er spricht gewöhnlich frei und unüberhörbar in der Sprache des Reviers. Den blau-weißen Schal des MSV Duisburg hängt er sich gerne um - auch auf offiziellen Wahlkampffotos für die vergangene Kommunalwahl.

Klein gewachsen, rundlich, mit Kinnbart und Brille ist der gebürtige Duisburger und einstige Berufsschullehrer ein echter Mann des Volkes. Einer, der große Teile seines Lebens in Duisburg verbracht hat, im Zweiergespräch nach kurzer Zeit Distanz überbrückt und Vertrauen erwirbt. Für seine Heimatstadt sucht Sauerland gern große Lösungen. Verwaltungskleinklein und lange Ausschusssitzungen seien nicht unbedingt seine Sache, heißt es intern.

Beliebt im eigentlich "roten" Duisburg

Nach dem Maschinenbau- und Geschichtsstudium in Duisburg war Sauerland zunächst Berufsschullehrer. In der Jungen Union und der Duisburger CDU machte er schnell Karriere und gewann 2004 in einer Stichwahl gegen eine SPD-Amtsinhaberin die OB-Würde.

Auch als in den vergangenen Jahren immer mehr Ruhrgebietsstädte zurück an die SPD gingen, hielt der beim Volk beliebte Sauerland sich weiter an der Spitze der traditionell eigentlich "roten" Industriestadt. 2009 nominierte seine Partei ihn mit dem Traumergebnis von 100 Prozent als Kandidat für eine neue Amtszeit.

Sauerland kann keine Kritik vertragen

Zu Terminen in der Stadt fährt der Familienvater Sauerland im Sommer gern mit dem Motorroller - Krawatte über dem Bauch, Jackett, Helm auf dem Kopf - und sein persönlicher Referent mit einem eigenen Roller hinterher. Das fröhliche Bild ist aber natürlich nur ein Teil der Wahrheit: Sauerland kann intern kräftig auf den Tisch hauen, um Dinge durchzusetzen, heißt es. Und auf Kritik, wie sie jetzt auf ihn einprasselt, reagiert er dünnhäutig. Bei einem WDR-Interview nach dem Unglück war Sauerland fast das ganze Gespräch über den Tränen nahe.

Dass sich die Kritik seit der Katastrophe immer mehr auf ihn konzentriert, trifft Sauerland auch persönlich tief. Seit Tagen ist er abgetaucht und äußert sich nur noch in Medieninterviews.

Quelle: n-tv.de, Rolf Schraa, dpa

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