Dossier

1.600 bis 6.000 Euro netto Arme Ärzte, reiche Ärzte

Sinkende Einnahmen, viel Bürokratie und hohe Arbeitszeiten - mit ihren Protesten zielen die niedergelassenen Ärzte auf ihrer Ansicht nach unhaltbare Zustände. Krankenkassen und Politiker dagegen weisen viele dieser Klagen als Stimmungsmache zurück.

Tatsächlich ist die Situation von Haus- und Fachärzten sowie in Ost- und Westdeutschland nach den Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Bundesregierung und der OECD sehr unterschiedlich. Insgesamt steigen die Arztzahlen seit Jahren an, weshalb sich die Honorarzuwächse auf mehr Köpfe verteilen.

Nach Abzug der Praxiskosten, aber vor Steuern und Altersvorsorge verdient ein Arzt in Westdeutschland verschiedenen Berechnungen zufolge durchschnittlich zwischen 82.000 und 85.000 Euro, im Osten sinkt das Ergebnis um einen vierstelligen Betrag. Zum Bruttoeinkommen kommen vor allem im Westen Einnahmen von Privatpatienten. Beispielsweise Internisten im Westen verdienen weit mehr als Hausärzte in den neuen Ländern. Insgesamt stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für ärztliche Behandlung 2005 um ein Prozent auf rund 21,6 Milliarden Euro.

Im Schnitt 3.100 Euro netto

Unterm Strich bleiben dem einzelnen Arzt im Durchschnitt netto 3.100 Euro pro Monat. Im unteren Drittel haben 30.000 Mediziner aber nur durchschnittlich zwischen 1.600 und 2.000 Euro zur Verfügung. Im mittleren Drittel sind es zwischen 2.100 und 3.500, im oberen Drittel 3.600 bis 6.000 Euro pro Monat.

Ein Ziel der aktuell geplanten Gesundheitsreform ist eine grundlegend andere Ärztevergütung. Derzeit werden Praxisärzte nach einem komplizierten System bezahlt, bei dem für die Leistungen Punkte vergeben werden. Der Geld-Wert dieser Punkte sinkt jedoch, wenn durch eine Zunahme von Behandlungen die Zahl der gesammelten Punkte steigt. Insgesamt ist das Budget gedeckelt. Künftig sollen feste Preise gezahlt werden, die Behandlungs- und Diagnosemengen aber begrenzt bleiben.

Von durchschnittlich 56 Arbeitsstunden pro Woche inklusive Bereitschafts- und Notdiensten entfallen 32 Stunden auf Sprechzeiten und 8 auf Verwaltung. Auf Einladung des Gesundheitsministeriums durchforstet eine Expertengruppe derzeit die Bürokratie im Gesundheitswesen mit dem Ziel eines drastischen Abbaus von Formularen und Archivierungen.

750 Praxen im Osten unbesetzt

Mit 269 Einwohnern pro Arzt hatte Deutschland 2004 eine im internationalen Vergleich hohe Arztdichte. Die Zahl der niedergelassenen Ärzte ist von 1993 bis 2004 von 105.000 auf 118.000 gestiegen, die der Hausärzte ohne Zusatzqualifikation dabei aber leicht auf 59.000 gesunken. Insgesamt gibt es in Deutschland 96.000 Praxen. Von 1.000 unbesetzten Praxen sind 750 in Ostdeutschland, meist auf dem Land, und 250 auf dem Land in Westdeutschland. Wegen unattraktiver Arbeitsbedingungen werden die Lücken in der Versorgung in ländlichen Gebieten nach Befürchtungen der KBV größer, während in Ballungsräumen kaum Probleme drohen.

Quelle: ntv.de

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