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Der Minister und die Plagiate "Guttenberg kann überleben"

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Verteidigungsminister Guttenberg: Wie lange wird ihn seine Beliebtheit noch tragen?

(Foto: picture alliance / dpa)

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gerät in der Plagiatsaffäre immer mehr unter Druck. 130.000 Fans auf Facebook , die ihn weiterhin als Verteidigungsminister oder gar als künftigen Kanzler sehen. Warum Guttenberg so beliebt ist und warum ihm seine Beliebtheit helfen kann, die Affäre zu überstehen, erklärt der Politikwissenschaftler und Merkel-Biograf Professor Dr. Gerd Langguth von der Universität Bonn im Gespräch mit n-tv.de. Sollte Guttenberg allerdings der Doktortitel wegen Betrugs aberkannt werden, dann könnte es richtig eng werden für den Minister, sagt Langguth.

n-tv.de: Guttenberg ist nach wie vor Deutschlands beliebtester Minister. Wie hat es der CSU-Politiker überhaupt erst geschafft, so beliebt zu werden?

Gerd Langguth: Guttenberg ist ein Phänomen. Er entspricht  in vielen seiner Äußerungen und Taten dem, wie sich viele Menschen einen Politiker vorstellen. Sie halten ihn für unabhängig, und sie halten ihn für jemanden, der auch die Wahrheit ausspricht. Und das vermissen sie in der Regel in der Politik. Er ist jemand, der wie in einem Märchenfilm zum Politik-Star geworden ist. Und jetzt hat er ein paar Schrammen abbekommen. Und erst durch Schrammen wird man zu einem richtigen Politiker.

Viele Menschen halten ihn weiter für sehr integer.  Auf Facebook hat eine Pro-Guttenberg-Kampagne inzwischen mehr als  100.000 Anhänger.  Einige kommentieren gar: "Guttenberg kann gestärkt aus dieser Situation hervorgehen." Kann er das angesichts der Vorwürfe wirklich?

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Schummeln bei der Dissertation: Ein Kavaliersdelikt? Viele Guttenberg-Unterstützer sind dieser Meinung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er kann sie zumindest – wegen seiner Popularität - eher als andere überleben. Aber er ist nun zweifelsohne in seiner Glaubwürdigkeit sehr angekratzt. Und die persönliche Glaubwürdigkeit stellt bei ihm einen sehr hohen Wert dar, denn sein Charisma beruht darauf. Dass er hier geschummelt hat, bestreitet er ja nicht. Er hat sich ja in der Erklärung entschuldigt, er habe das nicht mit Absicht gemacht. Insofern liegt sein weiteres Schicksal in den Händen eines entsprechenden Ausschusses der Universität Bayreuth, der sich mit dieser Frage zu befassen hat. Wenn dieser Ausschuss erklärt, dass hier ein richtiger Betrug vorliegt und ihm der Doktortitel aberkannt wird, dann stellt sich die Frage, ob er noch Minister bleiben kann.

Der Druck auf den Minister wird von Tag zu Tag größer. Bis zu der Entscheidung des Ausschusses der Universität Bayreuth wird er stetig wachsen, nicht zuletzt durch die "Plagiatsjäger" im Internet, die eine Entscheidung ja quasi vorwegnehmen.

Ja, durchaus  kann der Druck sehr groß werden. Guttenberg wird von der CSU und auch von anderen klargemacht, dass er nur kanzlerfähig ist, wenn er diese Affäre durchsteht. Und daran wird er alles setzen. Er wird versuchen, die Sache durchzustehen – damit  er noch eine Karriere als Politiker  vor sich hat. Nur wenn er diese - für ihn bislang schwierigste - Situation durchsteht, wird er eines Tages vielleicht die Chance haben, Kanzler zu werden.

Was muss er nun tun, um politisch zu überleben?

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Gerd Langguth ist Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das ist schwer zu sagen. Er muss jetzt vor allem warten, was der Bayreuther Ausschuss sagt. Er kann nach wie vor auf eine sehr erstaunliche Popularität bauen. Viele wollen gar nicht anerkennen, dass ein "Schummeln" bei einer Doktorarbeit ein wirkliches Glaubwürdigkeitsproblem darstellt.

Wie schlau war es von Guttenberg, vorübergehend auf den Doktortitel zu verzichten und auf die Entscheidung der Uni Bayreuth zu verweisen?

Man kann sagen, dass er sich damit erst einmal – militärisch gesprochen - in Deckung gebracht hat. Aber ich halte es für sehr fragwürdig, dass er zum Beispiel sagt, er werde den Doktortitel vorerst nicht mehr verwenden. Denn nach dem deutschen Namensrecht ist dieser Titel ein Teil des bürgerlichen Namens, auf den man nicht verzichten kann.

Was macht die  Plagiatsaffäre – etwa im Gegensatz zu dem Kundusvorfall – gefährlich für Guttenberg?

Der Unterschied ist, dass Guttenberg für die aktuelle Plagiatsaffäre selbst verantwortlich ist. Im Falle Kundus etwa konnte man sagen, dass die Ursprungsentscheidung von jemand anderem getroffen wurde. Insofern steht hier die direkte persönliche Verantwortung auf der einen Seite, die indirekte Verantwortung  auf der anderen.

Viele Guttenberg-Unterstützer halten die aktuelle Debatte um den Minister für irrelevant: Seine Doktorarbeit habe nichts mit seiner Tätigkeit als Politiker zu tun.

Das mag zwar formal stimmen. Aber hier geht es um die Frage der persönlichen Glaubwürdigkeit – und das kann man nicht trennen.

Quelle: n-tv.de, mit Gerd Langguth sprach Fabian Maysenhölder

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