Dossier

Grausamkeiten in Uganda LRA verschleppt Kinder

Wenn die Männer von Joseph Kony in ein Dorf kommen, bringen sie Zerstörung und Leid. Die Überfälle der ugandischen Rebellen von der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) enden in der Regel nicht mit niedergebrannten Hütten, gestohlenen Lebensmitteln und Vieh, sondern auch mit der Verschleppung Dutzender Kinder. Im Norden Ugandas, wo 20 Jahre lang ein blutiger Bürgerkrieg tobte, wurden so rund 10.000 Kinder geraubt, als Sexsklaven und Kindersoldaten missbraucht.

Inzwischen haben sich Kony und seien Getreuen im kongolesischen Dschungel verschanzt. Lange schien es, als sei die LRA geschwächt, die politische Führung verhandelte mit der Regierung über einen Friedensvertrag. In Uganda keimte Hoffnung auf, Bürgerkriegsflüchtlinge kehrten in ihre Dörfer zurück.

Doch Kony, vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mit internationalem Haftbefehl als Kriegsverbrecher gesucht, gibt so schnell nicht auf. Auch aus seinem Dschungelversteck hält er die Fäden fest in der Hand. Ohne seine Unterschrift gibt es keinen Frieden - und diese Unterschrift hat er in diesem Jahr bereits mehrfach verweigert, trotz des Zugeständnisses der ugandischen Regierung, er sei sicher vor einer Auslieferung nach Den Haag.

Aufrüstung statt Friedensvertrag

Stattdessen deutet alles darauf hin, dass Kony aufrüstet - nicht nur mit Waffen, sondern mit neuen Kindersoldaten, die aus ihren Dörfern entführt werden. Doch nun stammen die Opfer nicht mehr allein aus Uganda. Mehr als 300 kongolesische Kinder sind Schätzungen zufolge in den vergangenen Wochen in die Gewalt der LRA-Rebellen geraten. Mehr als 1300 Menschen flohen allein in dieser Woche in den Sudan, tausende in kongolesische Städte.

Auch im nahe gelegenen Sudan sind Kinder und Jugendliche nicht sicher. Nach Überfällen auf zwei Schulen in der Nähe der Grenze zum Kongo werden seit zwei Wochen mehr als 90 Kinder vermisst. Viele der Kinder sind noch im Grundschulalter. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF appellierte an Kony, die Kinder wieder freizugeben - vergeblich.

Vergewaltigungen für mehr Nachwuchs

Kony behauptet, für einen christlich-fundamentalistischen Staat kämpfen zu wollen. Doch mit christlichen Werten haben seine Methoden nichts zu tun. In Uganda leben tausende verstümmelte Menschen, denen die LRA-Kämpfer Ohren, Nasen oder Lippen abgeschnitten hatten. In einer ugandischen Zeitung berichteten vor kurzem ehemalige "Rebellen-Bräute", wie die LRA-Kämpfer entführte Mädchen untereinander verteilen: Nachdem die Offiziere sich ihre Opfer ausgesucht haben, können die gewöhnlichen Soldaten Kleidungsstücke aus einem Haufen fischen und erhalten dann das Mädchen, dem die Kleidung gehört. Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung - je mehr Kinder für den LRA-Nachwuchs gezeugt werden, desto besser in der Philosophie der Rebellen.

Der Anstieg der LRA-Überfälle in jüngster Zeit weist darauf hin, dass die Rebellen keineswegs geschwächt sind, auch wenn sie aus dem ugandischen Bürgerkriegsgebiet vertrieben wurden. Vielmehr scheint sich Kony mit der gewaltsamen Rekrutierung neuer Kämpfer im Jugendalter auf die nächste Offensive vorzubereiten.

Dabei sorgt er nicht nur für Leid und Terror, sondern auch zur weiteren Destabilisierung einer Region mit äußerst brüchiger Sicherheit: Sowohl der Kongo als auch der Sudan gelten nicht gerade als Zentren politischer Stabilität. In beiden Ländern dauern die Versuche zur Rückkehr zu Normalität nach jahrelangem Bürgerkrieg an, während in einigen Landesteilen - wie in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur und der kongolesischen Provinz Nord-Kivu - die bewaffneten Kämpfe andauern.

Eva Krafczyk, dpa

Quelle: ntv.de