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Die CSU zittert Angst vor Schwarz-Grün

"Null Komma Null" Gemeinsamkeiten mit den Grünen? Die Christsozialen kämpfen ein Rückzugsgefecht, das längst entschieden ist. Schwarz-Grün ist kein Modell mehr, sondern längst Realität.

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Die kulturelle Kluft zwischen CSU und Grünen ist tief. Na und?

(Foto: picture alliance / dpa)

Die CSU hat viele traumatische Erfahrungen machen müssen in den vergangenen Jahren, die schlimmste davon war der Verlust der absoluten Mehrheit in Bayern im September 2008. Im Bundestag ist die CSU schon seit 2005 die kleinste der kleineren Parteien.

Wer labil ist, hat Angst vor Veränderung. Und blendet dann auch gern mal die Realität aus. "Politische Gemeinsamkeiten mit den Grünen sehe ich Null Komma Null, die kann man nicht mal mit der Lupe suchen", sagt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Und schiebt nach: "Die Grünen sind eine verkrustete und verzopfte Partei, mit der Zukunftspolitik nicht möglich ist."

Mit Zukunftspolitik meint Dobrindt offenbar das klassisch konservative Thema Kernenergie. Die Grünen stünden "für eine Politik der Angst, die Union für eine Politik der Chancen". An die Gentechnik kann Dobrindt dabei kaum denken; es war schließlich die CSU-Agrarministerin Ilse Aigner, die den Anbau der Genmaissorte MON 810 untersagte.

Dobrindts Parteifreund Hans-Peter Friedrich - Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag - geht es um den konservativen Markenkern der Union: "Ich warne die CDU davor, unverzichtbare Wertvorstellungen preiszugeben und umzudefinieren, nur mit dem Blick auf eine Machtoption. (...) Konkret heißt das auch, dass für eine menschenwürdige Gesellschaft Kinder in der Geborgenheit einer festen zwischenmenschlichen Beziehung aufwachsen müssen. Das wird sich auch nicht ändern." Friedrich geht es vermutlich nicht darum, Kindergärten zu schließen und Kinderkrippen zu verbieten.

Worum dann?

Friedrich und Dobrindt sprechen sich Mut zu. Sie haben Angst vor Schwarz-Grün. Sie haben Angst vor dem Neuen, Angst vor dem Unbekannten, Angst vor der Zukunft. Sie kämpfen ein Rückzugsgefecht, das längst entschieden ist. Schwarz-Grün ist längst kein Modell mehr, sondern Realität. Natürlich sagt Angela Merkel, dass sie auf eine weitere "christlich-liberale Koalition" in Nordrhein-Westfalen hofft. Natürlich sagt sie, dass sie kein Bündnis mit den Grünen anstrebt, und natürlich hat sie kein Interesse daran, dass das Thema immer wieder auf die Tagesordnung gebracht wird.

Aber man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass diese Bundeskanzlerin großen Gefallen daran finden würde, in drei Amtsperioden drei unterschiedliche Koalitionen auszuprobieren. Noch ist unklar, welche der drei Varianten aus der Perspektive des Jahres 2017 die schlechteste gewesen sein wird. So viel jedoch ist gewiss: Bislang hat Schwarz-Gelb nicht viel getan, um in diesem Ranking den ersten Platz zu erreichen.

Quelle: ntv.de