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USA auf dem Weg in die Isolation Die Welt handelt wieder

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Aktivisten am Strand von Cancún.

(Foto: dpa)

Zwei Dinge hat die Klimakonferenz in Cancún gezeigt. Die Welt ist handlungsfähig, der "Multilateralismus" funktioniert, der Schock, den das Desaster der Konferenz von Kopenhagen vor einem Jahr auslöste, ist überwunden. Und: Erstmals haben sich die Vereinten Nationen förmlich darauf festgelegt, die Erwärmung der Welt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf weniger als 2 Grad zu beschränken. Daran wird Politik sich künftig messen lassen müssen.

Beides allein wird den Klimawandel nicht stoppen, aber beides ist eine gute Basis für die weiteren Verhandlungen. Natürlich sind die freiwilligen Selbstverpflichtungen, die im Nachgang von Kopenhagen eingereicht wurden, zu wenig, um das Zwei-Grad-Limit zu schaffen. Doch die Staaten haben sich bewusst auf diesen Widerspruch eingelassen - bis 2015 wollen sie die Lücke schließen.

Beides ist auch eine gute Basis, damit Europa den Klimaschutz endlich wieder als Aufgabe und Verpflichtung begreift. Denn internationale Klimapolitik braucht Vorreiter. Diese Rolle können derzeit nur Europa und China ausfüllen, zu angeschlagen, zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind die USA.

Sicher, auch die EU hat derzeit andere Probleme auf der Agenda als den Klimawandel. Sie sollte dennoch nicht den Fehler der USA kopieren, blind und verängstigt an einer fossilen Welt festzuhalten, die es bald so nicht mehr geben kann. In Cancún wurde beschlossen, dass ohne die USA darüber verhandelt wird, wie es mit dem Kyoto-Protokoll weitergeht. Diese Entscheidung ist richtig. Nicht die Welt muss überlegen, wie sie die USA mit ins Boot holen kann, sondern die USA müssen sich entscheiden, ob sie dabei sein oder zurückbleiben wollen.

Cancún kann damit nicht nur ein Wendepunkt in der internationalen Klimadiplomatie sein. Cancún kann auch Ausgangspunkt werden für eine Welt, in der China und die EU als selbstbewusste Partner auftreten. Während China die Welt von Peking aus wegen der Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo anknurrte, zeigten sich die chinesischen Unterhändler in Mexiko beweglich wie nie zuvor. Kopenhagen brachte ein verlorenes Jahr. Jetzt hat die Hoffnung wieder eine Basis.

Quelle: n-tv.de