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Kommentar Die falsche Entscheidung

Es ist zu erwarten, dass Bundespräsident Wulff Polit-Provokateur Sarrazin aus dem Vorstand der Bundesbank abzieht. Das könnte ihn zum Märtyrer machen. Der größte Fehler war jedoch, Sarrazin überhaupt auf den Posten zu lassen.

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Die Rolle des Provokateurs passt nicht zur Rolle des Bundesbankers: Thilo Sarrazin.

(Foto: dpa)

Es gibt falsche Entscheidungen, die sich nicht korrigieren lassen. Die Aufnahme des früheren Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin in den Vorstand der Bundesbank gehört dazu. Als die SPD-geführten Landesregierungen von Berlin und Brandenburg Sarrazin Anfang 2009 für das Amt vorschlugen, war bereits bekannt, dass er nicht in ein Gremium passen würde, das bislang für Diplomatie und Seriosität stand.

Sarrazin ist ein Mann der Brechstange. Ein Bundesbanker ist er ebenso wenig wie Genetik-Experte. Bei den verunsicherten Schichten stößt seine Vererbungslehre dennoch auf begeisterte Zustimmung, und so wird Sarrazins Abberufung ihn schnell zum Märtyrer machen. Damit ist zweifelhaft, ob die Entscheidung des Bundesbank-Vorstandes politisch klug war.

Auf der anderen Seite: Die Debatte um Sarrazin dürfte ähnlich nachhaltig wirken wie die zahllosen anderen "Aufreger" von gestern, über die heute kein Mensch mehr spricht. Mit der Integration von Migranten oder der Debatte um die Frage, ob ein Aufstieg durch Bildung - im 20. Jahrhundert eine der zentralen Verheißungen des sozialdemokratischen Projekts! - heute überhaupt noch möglich ist, hat das alles nichts zu tun. Leider. Doch Integration und Bildung sind einfach nicht so aufregend wie Debatten über jüdische Gene und türkische Intelligenz. Zu hoffen bleibt indes, dass wenigstens die Politik eines aus dem Fall Sarrazin lernt: So erfreulich Provokateure im grauen Alltag sind - in Gremien wie dem Vorstand der Bundesbank haben sie keinen Platz.

Quelle: n-tv.de

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