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Die Drei von der Troika Fremdschämen in Paris

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Staatsmänner Steinmeier, Gabriel, Steinbrück: Sie verzichteten sogar auf das Deutschland-Spiel.

(Foto: dpa)

Hauptsache, die Kameras klicken? Das scheint ein bisschen so beim Besuch der drei Alphamänner von der SPD beim neuen französischen Präsidenten Hollande. Steinmeier, Gabriel und Steinbrück sonnen sich sichtlich staatsmännisch im Licht des zurzeit erfolgreichsten europäischen Sozialisten. Was das bringt? Nicht viel.

Alle finden ihn gerade toll, vor allem natürlich die linken Politiker: Francois Hollande. Er kärcherte Nicolas Sarkozy aus dem Palast – und seitdem scheinen Sozialisten und Sozialdemokraten in ganz Europa in ihm ihren Hoffnungsträger zu sehen, dessen Glanz sich überträgt, wenn man ihn berührt. Die deutsche Linkspartei berief sich etwa kürzlich auf ihn. "Was der schafft, schaffen wir auch", hieß es da. Und die SPD ist auch ganz aufgeregt: ein Richtungswechsel in Frankreich als Vorzeichen der geistig-politischen Wende auch in Deutschland? Davon träumt die Troika, eingekuschelt in rote Bettwäsche. Wobei: Hollande hat eigentlich noch nichts gemacht.

Die Herren des Dreigestirns - Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück - machten sich jetzt auf. Sie pilgerten nach Paris, um sich zu zeigen und zu sonnen. Und da sie sich im irdischen Deutschland noch nicht geeinigt haben, wer gegen die gnadenlos beliebte Kanzlerin Merkel zu Felde zieht, traten sie eben geschlossen auf. Als Mannschaft. Als Team. Als Grüppchen. Als drei Kumpels. Die drei ausm Willy-Brandt-Haus.

Das alles ist an sich nicht schlimm und es tut keinem weh – verursacht aber einen Hauch von Fremdschämen. Der geneigte Steuerzahler könnte sich etwa fragen, ob der Fiskalpakt nicht Vorrang haben müsste. Eine Einigung kam aber wieder nicht zustande. Und der geneigte Wähler könnte sich fragen, ob die Reise nicht nur eine billige Retourkutsche für die ebenfalls zum Fremdschämen geeignete Weigerung Merkels ist, Hollande vor dessen Wahl zu empfangen.

Lauwarme Luft

Wie sie so dastehen, die Drei von der Troika: Da erwartet der Politikinteressierte glatt eine wichtige Botschaft. Doch was die potenziellen Kanzlerkandidaten inhaltlich zu sagen haben nach dem Besuch, passt auf eine kubanische Briefmarke, die bekanntlich sehr klein ist. Die Unterredung sei "offen und herzlich gewesen". Der Austausch in Paris sei ein "Besuch bei Freunden" gewesen. Und: "Wir sind uns über ganz wesentliche Fragen einig, wie wir Europa wieder auf einen besseren Kurs in seiner wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung bekommen." Ah ja. Die Kameras klicken.

Sowas schleift das Interesse ab. Sowas strapaziert die Nerven. Sowas trennt "die da oben" von "denen da unten". Und das ist schlecht. Weit mehr als 50 Prozent der Bundesbürger trauen zurzeit keiner Partei zu, die Probleme des Landes oder gar Europas zu lösen. Die Wahlbeteiligungen sind bedenklich gering. Symbolpolitik statt Entscheidungsfreude, Show statt Gestaltung. Und auch inhaltlich kann das Treffen den Sozialdemokraten noch schwer auf die Füße fallen. Hollande will etwa die Rente mit 60 wieder einführen - dem deutschen Steuerzahler, der in der Finanzkrise ein hohes Risiko trägt und selbst bis 67 ackert, könnte das bitter aufstoßen. Die Drei von der Troika haben sich gerade einen Bärendienst erwiesen.

Quelle: ntv.de

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