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Kommentar Krise wirft Irlands Regierung um

Irland schlüpft unter den Euro-Rettungsschirm; die Regierung von Premier Cowen steht dagegen im Regen. Die Iren sind sauer auf Cowen und sein Kabinett. Die Dubliner Koalition ist am Ende.

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Brian Cowen muss der Realität ins Auge schauen. Seine Tage als Premierminister scheinen gezählt.

(Foto: REUTERS)

Lange hat Brian Cowen gezögert, Hilfe von den europäischen Partnerländern und dem Internationalen Währungsfonds für sein Land anzunehmen. Irland habe keine fremde Unterstützung nötig, tönte der Premierminister noch vor einer Woche. Enge Mitarbeiter berichteten gar von einem regelrechten Wutausbruch Cowens, nachdem Medien Gegenteiliges berichtet hatten.

Klar ist, dass es Cowen dabei politisch um seinen Kopf ging. Und der Taoiseach sollte mit seinen Befürchtungen Recht behalten. Jetzt, nachdem Irland durch EU, EZB und IWF regelrecht unter den Rettungsschirm geprügelt wurde, steht der 50-Jährige politisch im Regen. Die ohnehin äußerst fragile Koalition aus Cowens konservativer Fianna Fail, den Grünen und unabhängigen Abgeordneten ist am Ende. Die Grünen wollen am 7. Dezember noch den Sparhaushalt mit verabschieden und dann das absaufende Regierungsschiff verlassen. Cowen, der dann ohne Mehrheit dastünde, tritt die Flucht nach vorn an und kündigt für Januar die Auflösung des Parlaments an. Irland erlebt nun das, was Griechenland erspart blieb: Die Krise zieht die Regierung mit in den Abgrund.

Eine kleine Revolution für Irland. Denn Fianna Fail ist schlichtweg DIE Regierungspartei in Irland. Seit 1932 war sie lediglich 19 Jahre nicht an den der Macht. Nun droht der Partei, deren Umfragewerte in den vergangenen Wochen regelrecht in den Keller gerauscht sind, die Abwahl, sollte es zu einem Urnengang kommen. Fianna Fail beschwor in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Wirtschaftsliberalismus - und wird für die Finanzmisere des nunmehr als Bettvorleger gelandeten "keltischen Tigers" verantwortlich gemacht.

"Rettung der Nation"

Dass die fetten Jahre vorbei sind, haben die Iren relativ schnell begriffen. Vor ihnen liegt ein äußerst steiniger Weg mit vielen Entbehrungen: Bis 2014 sollen 15 Milliarden Euro eingespart werden – für ein so kleines Land wie Irland ist das eine gewaltige Kraftanstrengung. Neben dem Drehen an der Steuerschraube soll bei Renten, Arbeitslosengeld und Zuwendungen für Kinder gespart werden. Die wichtige Gewerkschaft der Techniker warnt bereits vor drohenden sozialen Unruhen.

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Der Koalitionspartner will nicht mehr. John Gormley und seine Grünen verlassen nach Verabschiedung des Haushalts die Regierung.

(Foto: REUTERS)

Noch schwerwiegender ist für die Iren allerdings der in ihren Augen drohende Verlust der ökonomischen Unabhängigkeit. Voller Hoffnung wurde Irland 1973 Mitglied der Europäischen Gemeinschaft und 2002 Mitglied der Euro-Zone. Nun sehen die Iren das Schicksal ihres Landes wieder fremden Händen ausgeliefert. Und es kommt für das stolze Volk noch schlimmer: Denn auch Großbritannien, das Irland bis 1921 beherrscht hat, will dem westlichen Nachbarland aus eigennützigen Gründen helfend unter die Arme greifen.

Nur die Iren allein "können unsere Nation retten", greift die "Irish Sun" die vorherrschende Stimmung der Bevölkerung auf. Die politischen Zeichen stehen also auf Sturm. Nutznießer könnten dabei die christdemokratische Fine Gael und die Labour Party sein. Beide Gruppierungen sowie die Grünen, die Wahlen bereits im Januar fordern, stehen in den Startlöchern. Es ist kaum anzunehmen, dass Cowen und die Seinen sich in einer solch kurzen Zeit wieder erholen könnten.

Quelle: n-tv.de

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