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Merkel in Griechenland Sechs Stunden können nichts verändern

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Während Merkel im Athener Präsidentenpalast mit Präsident Papoulias und Premier Samaras zusammentrifft ...

(Foto: AP)

Bei ihrem überraschenden und überfälligen Besuch in Athen spricht die Kanzlerin der Regierung Lob für ihren Sparwillen aus. Die Mehrzahl der Bevölkerung aber lässt das kalt. Sie haben ganz andere Sorgen. Und auf Wunder hatte sowieso niemand gehofft.

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... fliegen draußen Steine.

(Foto: dpa)

Niemand in Athen hatte Wunderdinge vom Besuch der Kanzlerin erwartet. Schon gar kein neues Geld. Für die Mehrheit der Griechen ist sowieso sie verantwortliche für die rigide Sparpolitik, die dem Land seit zweieinhalb Jahren in immer neuen Schüben auferlegt wird.

Dass Angela Merkel bei ihrem überraschenden und zugleich überfälligen Besuch der Athener Regierung Fortschritte im Kampf gegen die drohende Staatspleite attestierte und auf die freundlichen Worte auch noch 30 Millionen Euro für EU-Projekte drauflegte, dürfte bei der Mehrheit der Griechen verpuffen.

Viele Griechen resignieren

Jeder Vierte ist inzwischen arbeitslos, das Lebensniveau der meisten ist seit Ausbruch der Krise gesunken. Den Gürtel noch enger schnallen, das können viele auch gar nicht mehr. Sie sorgen sich um das tägliche Überleben. Seit Monaten schwankt die Stimmung zwischen Verzweiflung und Wut. Und immer öfter ist Resignation zu spüren. Dabei geht es gar nicht mehr so sehr um die Frage, ob sie den Euro behalten dürfen, wie es laut Umfragen 80 Prozent wünschen, sondern darum, wie es überhaupt weiter geht. Wann wird das Licht am Ende des Tunnels endlich sichtbar, das Politiker aller Couleur immer wieder versprechen, wenn nur weiter gespart werde? In diesem Jahr wohl noch nicht, denn entgegen aller Prognosen wird die Wirtschaft noch einmal schrumpfen.

Und auch 2013 wird es wahrscheinlich nicht viel besser aussehen. Griechenland ist ein Parade-Beispiel dafür, wie sich eine Volkswirtschaft kaputt spart. Das Vertrauen vieler Unternehmen ist auf den Null-Punkt gesunken. Nachdem in den vergangenen Jahren viele Rechnungen nie bezahlt wurden, liefern die meisten Betriebe nur noch gegen Vorauskasse. Doch wo kein Geld ist, kann gar nicht erst gekauft und damit auch nicht verkauft werden. So verdirbt bei manchem Landwirt gar die Ernte.

Das Konzept der Troika ist gescheitert

Immer neue Sparmaßnahmen im Tausch gegen die nächste Milliarden-Tranche, wie es die Strategen von IWF, EZB und EU vorgeben, um die Staatspleite zu vermeiden, das funktioniert nicht. Es gibt keinen Grund zu glauben oder zu hoffen, dass sich das jetzt ändern sollte.

Wenn Griechenland in der Euro-Zone bleiben will und wenn das - wie immer wieder beteuert - auch alle anderen Länder der Euro-Zone wollen, dann muss das Krisenbewältigungskonzept geändert werden. Im Augenblick deutet allerdings wenig darauf hin, dass das auch tatsächlich geschieht.

Die vorsichtigen Signale, wonach Griechenland spätestens Ende November die nächste Tranche in Höhe von 31 Milliarde Euro bekommt, hat die Kanzlerin in Athen zumindest nicht entkräftet. Aber es müsse eben noch einmal gespart werden. Jetzt wahrscheinlich bei den Rentnern.

Nein, Wunderdinge hatte hier niemand erwartet. Und sie sind ja auch nicht passiert.

Zehntausende demonstrierten gegen den Besuch aus Berlin. Wieder flogen auch ein paar Molotowcocktails und Tränengasgranaten. Als die Kanzlerin nach ihrer sechsstündigen Visite abgereist war, wurde es am Syntagma-Platz vor dem Parlament wieder ruhig.

Aber für die kommenden Wochen haben linke Opposition und Gewerkschaften neue Streiks und damit neuen Widerstand gegen die weitere Umsetzung des EU-Spardiktats angekündigt.

Quelle: n-tv.de

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