Österreich-Newsletter

Home Office extrem beim ORF "Bitte halten Sie jetzt durch!"

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Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei ntv.de!

"Bitte halten Sie jetzt durch!". Es ist Tag 12 der Ausgangsbeschränkungen in Österreich, und der Innenminister Karl Nehammer sieht sich schon zu Durchhalteparolen gezwungen. Das Wetter hat sich gegen ihn verschworen, bei frühlingshaften Temperaturen am Wochenende werden die Menschen endlich mal wieder ihren vier Wänden entfliehen wollen. Und dabei sicher wieder auf den Geschmack kommen.

Noch vertrauen die Menschen den Maßnahmen der Regierung, die sich zur Länge des Ausnahmezustands (noch) nichts Konkretes entlocken lässt. Mit der Corona-Lage beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", außerdem: die Wonnen und die Schrecken des Home Office.

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zuwarten: abwarten 

Jeden Werktag mindestens eine Pressekonferenz, darauf kann man sich in der Corona-Krise bislang verlassen in Österreich. An diesem Freitag traten Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) im Duett vor die Kameras, ihre Botschaft: Die Maßnahmen wirken, aber für ein positives Signal sei es noch "viel, viel, viel zu früh", wie Anschober es ausdrückte.

Bis Ostern will die Regierung den täglichen Anstieg der Erkrankungen auf einen mittleren einstelligen Wert drücken, momentan bewegt er sich bei 18 Prozent. Den "Peak" bei den Erkrankungen erwartet Anschober zwischen Mitte April und Mitte Mai.

Was aber bedeutet das für die Maßnahmen der Bundesregierung, die vorerst bis Ostermontag angesetzt sind? Für die Zeit nach Ostern hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz vor zwei Wochen ja eine "Wiederauferstehung" in Aussicht gestellt. Am Donnerstag korrigierte er sich: Auf die Phase der "massiven Einschränkungen" folge eine Phase der "neuen Normalität", erst mit einer Impfung werde die "Normalität wieder so sein, wie wir das aus der Zeit vor der Krise kennen."

Wie nun die "neue Normalität" aussehen wird, ist noch völlig unklar - öffnen die Schulen, werden Gesichtsmasken obligatorisch, bleiben Risikogruppen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen? Am Montag will die Regierung auf Grundlage der Daten vom Wochenende eine erste Zwischenbilanz zu den Maßnahmen ziehen, spätestens dann dürften auch die Fragen nach einer Exit-Strategie lauter werden. Denn der Unmut wird lauter, die Probleme drängender.

Die Regierung hat gerade erst 38 Milliarden Euro für die Wirtschaft locker gemacht. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass dieses Geld gerade für Kleinunternehmer und Selbstständige nicht ausreichen wird. In der Ernte fehlen 5000 Arbeitskräfte, die Pflegebranche fürchtet einen Kollaps, sollte es vermehrt zu Corona-Fällen in Altenheimen kommen. Und zu unguter Letzt positioniert sich die Wiener Stadtregierung gar nicht mal so klammheimlich als Gegenspieler der Regierung. Die Maßnahmen könnten nur einige Wochen dauern, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) dem Falter. "Man kann Wien nicht wie im Film abdrehen." Die Spielplätze will Hacker bald wieder öffnen, "eher kürzer als in weiter Ferne".

Noch, das zeigen Umfragen, genießt Türkis-Blau den vollen Rückhalt der Bevölkerung. In einer Gallup-Umfrage in 28 Ländern zeigten sich 88 Prozent der Befragten voll oder teilweise zufrieden mit den Maßnahmen, Spitzenwert aller Regierungen. Das Politiker-Ranking der Tageszeitung "Heute" führt Kanzler Kurz an: 77 Prozent der Befragten fiel er zuletzt positiv auf, nur 10 Prozent negativ. Ein angenehmes Polster - gerade, falls es ab Montag so richtig ungemütlich werden sollte.

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Seinen festen Platz in den Einkaufswägen der Österreicher hat in diesen Tagen natürlich, wenn es denn welches gibt, das Toilettenpapier. Noch öfter ausverkauft ist momentan nur Hefe (bzw. "Germ"), warum auch immer - vielleicht möchten sich viele Menschen am ersten selbst gebackenen Osterzopf ihres Lebens probieren. Gut, dass eh nicht viel Besuch kommen wird.

Die höchsten Absatzsteigerungen erzielen aber in Österreich derzeit angeblich: Webcams. Das Preisvergleichsportal "Geizhals.at" hat innerhalb von einer Woche ein Nachfrageplus von 1000 Prozent registriert, Lieferzeiten von bis zu zwei Monaten sind keine Seltenheit.

Der Grund ist natürlich das Home Office, das sich in der "neuen Normalität" (S. Kurz) flächendeckend durchgesetzt hat - und interessante An- und Einsichten bietet. Weil SPÖ-Klubobmann (=Fraktionschef) Jörg Leichtfried einen Screenshot aus einer Videobesprechung des Parlaments twitterte, wissen wir jetzt zum Beispiel, was beim FPÖ-Hardliner und Ex-Innenminister Herbert Kickl das Arbeitszimmer schmückt: eine Österreich-Fahne, oder sogar zwei, so genau ist das nicht zu erkennen. Vielleicht eine kleine Anregung für alle, die in der nächsten Arbeitsbesprechung staatsmännisch rüberkommen wollen.

Beim ORF katapultieren sie das Prinzip Home Office auf ein ganz anderes Level: Das Büro wird zum Zuhause. Weil die Nachrichten als "systemrelevant" gelten und unter keinen Umständen ausfallen sollen, haben sich 30 Mitarbeiter in einem abgetrennten Bereich des Funkhauses auf dem Küniglberg in Wien selbst isoliert. In den Landesstudios wurden auch schon Quarantäne-Bereiche aufgebaut.

Der bekannteste Nachrichtenmoderator des Landes, Armin Wolf, gibt in einem "Corona-WG"-Tagebuch Einblicke in das harte Corona-Leben beim ORF: Sein Bett für die nächsten 14 Tage sei ein "Brett", die Bettwäsche "dürfte eine Firma dem ORF aus ihren unverkäuflichen Lagerbeständen überlassen haben". Interessant auch das Freizeitangebot: Vier Playstations, ein Wutzler (zu deutsch: ein Tischkicker) und drei Tischtennisplatten - davon immerhin eine mit Netz.

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++ Stand Freitag, 11 Uhr, verzeichnet Österreich 7040 bestätigte Coronavirus-Fälle. Bislang sind 58 Menschen an Covid-19 gestorben. ++ Die Zahl der Arbeitslosen ist seit Beginn der Ausgangsbeschränkung am 16. März um 163.200 gestiegen, teilt das Arbeitsmarktservice (AMS) mit. Rund ein Drittel des Anstiegs geht auf die Gastro- und Hotelbranche zurück, auf dem Bau haben 20.000 Menschen ihren Job verloren. Vor der Krise waren rund 400.000 Menschen arbeitslos. ++ Kurz bleibt beim Nein: Österreich will weiter keine Menschen aus den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufnehmen. Seine Position habe sich nicht verändert, "eher verschärft", sagte Kurz am Donnerstag. ++ Zu guter Letzt endlich mal eine gute Nachricht: In Neumarkt in der Steiermark hat die Polizei eine Katze gerettet - das Tier war mit dem Kopf in einer Dose Katzenfutter steckengeblieben. Die Beamten griffen zur Blechschere und befreiten die Katze, die "in unbekannte Richtung flüchtete", wie die Polizei mitteilte. ++

Falls Sie auf der Suche nach Zerstreuung schon sämtliche Mediatheken leer geschaut haben, hier der Tipp eines überzeugten Josef-Hader-Jüngers: Der österreichische Kabarettist und Schauspieler ("Wilde Maus") hat auf seiner Website player.hader.at zwei Programme gratis auf Abruf gestellt. Fast fünf Stunden Hader - diese Dosis kann unter Umständen ein ganzes Wochenende retten.

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de