Österreich-Newsletter

"Häckseln! Streichen! Bohren!" Kurz gibt Österreich "Sport - frei!"

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Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei ntv.de!

Was darf ich und wenn ja, mit welchem Abstand? Das bleibt in Woche fünf der Ausgangsbeschränkungen in Österreich die große Frage. Seit Dienstag gehört der Besuch im Baumarkt zu den erlaubten Tätigkeiten - wenn auch nicht zu den empfehlenswerten.

Mehr zu den längsten Warteschlangen, seit es wieder Klopapier gibt, in dieser Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert". Außerdem: "Sport frei!" für einige ausgesuchte Sportarten - und eine herrlich patscherte PR-Aktion.

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Sporteln: Sport treiben

"Es lebe der Sport / Der ist gesund und macht uns hart / Er gibt uns Kraft, er gibt uns Schwung / Er ist beliebt bei Alt und Jung"

Nicht nur die Rainhard-Fendrich-Ultras unter Ihnen wissen: Die Ironie liegt nicht allzu tief begraben in dieser unsterblichen Sport-Hymne aus dem Jahr 1982. Für die meisten Menschen ist der Sport aber eine ernste Sache, geradezu systemrelevant für das eigene Wohlbefinden, und so wurde neugierig erwartet, was Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler am Dienstag verkünden würde.

Um es kurz zu machen: Wer allein sportelt, ist klar im Vorteil. Ab 1. Mai sind Individualsportarten wie Leichtathletik, Golf, Reiten und Schießen wieder zugelassen, die Trainingsstätten geöffnet, auch für Hobbysportler, ausgewählte Profisportler dürfen ab sofort wieder einsteigen.

Im kleinen Kreis geht es sich auch aus: Tennis funktioniert - wie genau, sollen die Verbände klären, es läuft auf personalisierte Bälle hinaus, Doppel sind unerwünscht, Händeschütteln ebenso. Vielleicht sollte man auch auf das gute alte Serve and Volley inklusive Becker-Hecht am Netz verzichten, aber wer spielt das heutzutage schon noch?

Für Jogger und Radfahrer empfiehlt der Sportminister mehr Distanz: Beim Laufen 5 Meter zur Vorderfrau, beim Radfahren sogar 20 Meter. Gleichzeitig appellierte Kogler an die Vernunft. Ob das fruchtet, sollte er selbst mal am Wochenende im Wiener Prater überprüfen. These: Die Praxistauglichkeit dieser Vorgabe ist begrenzt.

Kogler selbst war als Fußballer ein Mann der Praxis, er schaffte es bis in den Nachwuchs von Bundesligist Sturm Graz, eine schwere Verletzung beendete seine Karriere früh. Für die Hobbykicker im Land hatte er allerdings schlechte Nachrichten: Kontaktsportarten bleiben verboten, also auch der Fußball. Die Amateurligen beendeten umgehend ihre Saison, die Profis halten sich wie die deutsche Bundesliga die Option auf Geisterspiele offen.

Ein Geisterrennen in Österreich könnte den Beginn der Formel-1-Saison markieren: Red-Bull-Teamchef Christian Horner hat sich für einen Start auf der Strecke in Spielberg ausgesprochen, die für den 5. Juli terminiert ist. Die Regierung werde nicht im Weg stehen, sagte Kogler, aber ein Problem bleibe die Ein- und Ausreise der Teams. Auch hier gilt also: Theoretisch machbar, praktisch unmöglich.

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Ein kleines Nachwort zur vergangenen Woche: Einige Leser fanden, ich würde zu hart mit Sebastian Kurz ins Gericht gehen. Zwei Dinge dazu: Der überwältigende Teil der Bevölkerung scheint mit der Arbeit des Bundeskanzlers zufrieden zu sein, die Umfragewerte sprechen eine deutliche Sprache, genau wie die im internationalen Vergleich "guten" epidemiologischen Zahlen. Das wollte ich nicht in Abrede stellen.

Dass Österreichs Regierungschef in Deutschland so gefeiert wird, irritiert mich allerdings sehr - genauso wie Kurz' ausgeprägter Hang zum Eigenlob, den auch andere Medien im In- und Ausland kritisch kommentieren. Fakt ist, dass Deutschland und Österreich bislang ähnlich glimpflich durch die gesundheitliche Krise kommen, mit ähnlichen Fallzahlen je Million Einwohner (1600 Österreich, 1608 Deutschland) und ähnlichen Maßnahmen, wenn auch leicht zeitversetzt. Und trotzdem spart sich Angela Merkel jede Selbstbeweihräucherung und jeden Hinweis darauf, wie gut Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern dasteht. Das ist wohl eine Frage des Stils.

Nun zum Erfreulichen: Es gibt wieder Rindenmulch! Am Dienstag nach Ostern öffneten die Baumärkte wieder ihre Pforten - zumindest für die Glücklichen, die weit vorn standen in der Warteschlange. Weil laut Gesetz nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter Fläche erlaubt ist, stauten sich die Wartenden mitunter in mehreren Reihen bis auf den Parkplatz. Polizei und Security überwachten die Regeln genauestens, Verstöße wurden nicht gemeldet, die Warnung von Sebastian Kurz zeigt Wirkung: Wenn die Infektionszahlen wegen der Lockerung wieder nach oben schnellen, sagte der Kanzler, "ziehen wir die Notbremse".

Das wäre schade, auch für die Wiener Bäckerei Felber, die in einigen Baumärkten Filialen unterhält, und Unterhaltung ist auch das Stichwort: In einem Werbespot pries Chefin Doris Felber höchstselbst den Heimwerkern ihre Backwaren an. Großes Kino und jetzt schon eine Legende des Internets, aber sehen Sie selbst - und schrauben Sie sich dabei gern einen Kürbiskernspitz hinein!

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++ Stand Freitag 8 Uhr verzeichnet Österreich 14.499 bestätigte Coronavirus-Fälle. Bislang sind 410 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Die Zahl der aktiven Infektionen sinkt seit Tagen, derzeit sind es 5063 Erkrankte. ++ Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines verhandelt seit Donnerstag mit dem staatlichen Corona-Fonds über Hilfsgelder. Kanzler Kurz hatte am Wochenende im ORF gesagt, eine Finanzspritze für die deutsche Lufthansa "ohne Vorteil für die Republik Österreich" werde es nicht geben, damit liegt auch die Option (Teil-)Verstaatlichung auf dem Tisch. ++ Heißer Herbst in der Hauptstadt: Die mit Spannung erwartete Landtagswahl in Wien wird am 11. Oktober über die Bühne gehen. ++ Verzichten müssen die Wiener vorerst auf das "Wiener Meer" - der Neusiedler See im Burgenland, keine Autobahnstunde entfernt, ist bis 30. April nur für Einheimische geöffnet. So soll der starke Andrang auf das beliebte Ausflugsziel abgeschwächt werden, sagt Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil. ++ The show must go on: Der ORF strahlt in dieser Woche in drei Teilen eine abgespeckte Version des Eurovision Song Contest aus. Eine 10-köpfige Jury wählt ihre Favoriten, beim Finale am Samstag entscheidet eine Publikumswertung über den Gewinner oder die Gewinnerin. Stefan Raabs Ersatz-Contest am 16. Mai trägt übrigens eine österreichische Note: Neben Steven Gätjen moderiert Conchita Wurst, Österreichs Sensationssieger aus dem Jahr 2014. ++

Sensationell damals übrigens auch die erste Reaktion von ORF-Kommentator Andi Knoll: "Jetzt hat uns die den Schas gewonnen". Österreichische TV-Geschichte, die man sich ruhig noch einmal auf der Videoplattform seines Vertrauens anschauen kann, falls es daheim fad werden sollte.

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Quelle: ntv.de