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50 Jahre Mauerbau "Danach entstanden neue Mauern"

Am 13. August 1961 schottete die DDR ihre Bürger hermetisch vom Westen ab – die Regierung ließ die Berliner Mauer hochziehen. Der 50. Jahrestag erinnert an die 136 Menschen, die dort ihren Wunsch nach Freiheit mit dem Leben gezahlten. Und er erinnert an die unzähligen Mauern auf der Welt, die noch eingerissen werden müssen.

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Die East Side Gallery in Berlin.

(Foto: dpa)

Die Leipziger Volkszeitung blickt zurück: "Kurz vor ihrer Errichtung und kurz vor ihrem Fall standen Lügen der jeweiligen SED-Chefs. Zwischen Ulbrichts Vertuschung, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu bauen und Honeckers Pfeifen im Walde, dass sie auch in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen würde, liegen 28 Jahre rigoroser Spaltung. Die Mauer war Stein gewordener Kulminationspunkt für das Aufeinanderprallen zweier bis an die Zähne bewaffneter Weltblöcke. Dass sie am 9. November 1989 fiel, war auf Grund des desolaten Zustandes des sozialistischen Weltsystems und des Drucks aus der Bevölkerung folgerichtig. Dass sie friedlich fiel, gleicht einem Wunder, für das man nur dankbar sein kann."

"Dass der Wille zu Freiheit und Demokratie stärker war als der 'antifaschistische Schutzwall', wie die Kommunisten ihre Mauer nannten, zählt zu den ergreifendsten Lektionen der Geschichte", schreibt auch der Mannheimer Morgen. "Die Mauer hat der Anziehungskraft des westlichen Gesellschaftsmodells nicht länger standhalten können, der Ruf 'Wir sind ein Volk!' ließ sie letztendlich einstürzen. Und so ist der 9. November 1989, an dem das Monstrum zerfiel, untrennbar mit dem 13. August 1961 verbunden. Es ist ein Tag des Gedenkens an die Opfer des Mauerbaus." Gleichzeitig erinnere der Tag daran, "dass sich kein Volk der Welt auf alle Ewigkeit in ein kollektives Gefängnis einsperren lässt."

Deswegen kann es die Westdeutsche Zeitung aus Düsseldorf auch nicht fassen, dass "Phantasten um Gesine Lötzsch von der Linkspartei" den Bau der Mauer "zur historisch 'zwingenden Notwendigkeit' nach dem Zweiten Weltkrieg" erklären. "Als wäre es nicht eine Vorgängerorganisation ihrer Partei gewesen, die vor 50 Jahren daranging, Menschen einzumauern, damit sie nicht vor ihrer SED-Diktatur davonlaufen. Wer heute durch Berlin spaziert, kann sich das kaum noch vorstellen. Und das ist gut so."

"Aus dem Berliner Stadtbild ist die Mauer inzwischen weitestgehend verschwunden, die Stadt ist seit 1990 dabei, die tiefen Wunden der Teilung zu überwinden und zusammenzuwachsen", kommentieren auch die Badischen Neuesten Nachrichten aus Karlsruhe. "Und wenn auch die wenigen verbliebenen Mauerteile heute eine Touristenattraktion sind und der Checkpoint Charlie zu einer Art Disneyland des Kalten Krieges verkommen ist, bleibt die Mauer als dauernde Mahnung und Symbol der Unfreiheit erhalten."

Und Mauern gäbe es in der Gegenwart leider mehr als genug, führen die Nürnberger Nachrichten fort: "Eine bittere Pointe des Mauerfalls lautet: Danach entstanden, entstehen ungleich mehr neue Mauern als zuvor. Wir erleben wieder, wie sich Regime, Blöcke und Schichten abschotten. Die EU hat um sich herum eine unsichtbare, aber spürbare Mauer hochgezogen: Die 'Festung Europa' versucht, Flüchtlinge aus ärmeren Regionen erst gar nicht hineinzulassen. Die USA riegeln sich fast hermetisch ab vor Mexiko. Israel glaubt, durch den Schutzwall Sicherheit vor Palästinensern zu haben. Mauern aber, das hat 1989 gezeigt, können fallen. Es braucht eine mutige, auf Ausgleich und Gerechtigkeit zielende (Welt-)Politik, damit auch die neuen Mauern stürzen. Und es hilft durchaus dabei, wenn möglichst viele Menschen, die über Mauern empört sind, fest an diesen Mauern rütteln."

Quelle: n-tv.de, zusammengestellt von Katja Sembritzki

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