Pressestimmen

Bürgerschaftswahl in Bremen "Der Trend ist ein Öko"

Bremen hat gewählt. Alles bleibt, wie es ist. Fast alles. Die SPD kann ihre Spitzenposition verteidigen, dennoch ist es ihr nicht gelungen, von der Schwäche der Konkurrenz zu profitieren. Gewinner sind wieder die Grünen. Nichts scheint unmöglich - auch nicht im Bund.

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Die Grünen werden in Bremen zweitstärkste Kraft.

(Foto: dapd)

"Nichts Neues in Sicht im Norden! Jens Böhrnsen ist unangefochten Erster Bürgermeister. Er regiert gern mit den Grünen. Die wiederum haben jede Spekulation dementiert, sie könnten ihre neue Stärke nutzen, um womöglich dem zweiten grünen Ministerpräsidenten ins Amt zu helfen. Die Bremer sind halt Realisten und wissen, dass sie politisch stabile Verhältnisse brauchen, wenn schon die Finanz- und Wirtschaftslage des kleinsten Bundeslands so düster ist", analysiert die Frankfurter Rundschau das Wahlergebnis.

"Die Wahl sendet Botschaften ins Land, die für die Bundestagsparteien - mit Ausnahme der Grünen - alarmierend sind", kommentiert der Kölner Stadt-Anzeiger. "Der SPD ist es nur sehr begrenzt gelungen, von der Schwäche der konservativ-liberalen Konkurrenz zu profitieren. Der CDU geht es nicht besser. Wofür steht die Union noch? FDP und Linke, Antipoden der deutschen Parteienlandschaft, haben mit gar nicht so unterschiedlichen Glaubwürdigkeitsproblemen zu kämpfen."

Für die Heilbronner Stimme sind die Grünen sind bisher die Gewinner dieses Superwahljahres: "Das ist in Bremen nicht anders, wo die Ökopartei sogar die CDU auf Rang drei verdrängt hat. Die Luft für die Kanzlerin wird zunehmend dünner, da der Dauer-Koalitionspartner FDP in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. So gesehen bestätigt sich in Bremen ein Trend: Ohne die Grünen lassen sich in Bund und Ländern keine Regierungen mehr bilden. Sie können sich ihren Partner aussuchen. Was so manchen Kursschwenk im Lager der CDU wohl weiter beschleunigen wird."

Die Stuttgarter Nachrichten fassen sich kurz: "Die SPD verteidigt ihre traditionelle Spitzenposition wenig spektakulär. Und die Grünen reiten auch an der Weser weiter auf einer hohen Popularitätswelle. Nichts ist unmöglich. Der Trend ist kein Genosse mehr, er ist ein Öko."

"Wen auch sollte der hanseatische Wutbürger seine Wut spüren lassen? Den Bürgermeister Böhrnsen, der zu den wenigen zählt, mit dem sich noch (Stadt-)Staat machen lässt? Die Grünen, die sich selbst auf Sparen und Bildung anscheinend so viel besser verstehen als die CDU, dass diese zum ersten Mal in der Parteiengeschichte von den grünen Emporkömmlingen auf den dritten Platz verdrängt wird?", fragt sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für sie ist es eher andersherum: "Mit sogenannter Opposition haben die Bremer längst abgeschlossen. Zwölf Jahre großer Koalition brachten das Land ebenso wenig nach vorne wie das Kommen und Gehen der Protestgruppen (...). Wenn nicht einmal die Linkspartei noch Hoffnung auf Veränderung nährt und der Glaube abhanden gekommen ist, etwas Besseres als den Tod überall zu finden, dann bleibt in Bremen einstweilen alles, wie es ist."

Quelle: ntv.de, zusammengestellt von Nadin Härtwig