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Papst entlässt Tebartz-van Elst "Drehmoment der franziskanischen Wende"

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Aufatmen in der katholischen Kirche: Der umstrittene Limburger Bischof muss gehen. Im Prüfbericht zur Finanzierung seines Prunkbaus kommt er schlecht weg. Die deutsche Presse zeigt sich erleichtert über die Entscheidung von Papst Franziskus, stimmt aber auch nachdenkliche Töne an.

Franz-Peter Tebartz-van Elst hat eine rasante Karriere hinter sich, schon mit 48 Jahren wurde er Diözesan-Bischof. "Das hätte er nie werden dürfen", finden die Lübecker Nachrichten. "Schon kurz nach seiner Amtsübernahme hat Tebartz-van Elst offenbar den Bezug zur Realität verloren. Sein Führungsstil wurde immer autoritärer, seine Vorliebe für Luxus immer sichtbarer. Ein Bischof muss seiner Gemeinde dienen, hat Papst Franziskus im Zusammenhang mit dem Rauswurf des Limburger Bischofs gesagt. Tebartz-van Elst hat seiner Gemeinde nicht gedient. Er hat ihr geschadet, seiner Kirche und auch sich selbst. Was für eine Schande."

Bischof bedeute übersetzt Hüter und Schützer des christlichen Glaubens, erklären die Kieler Nachrichten. "Tebartz hat den Glauben nicht beschützt und nicht gehütet. Er hat stattdessen seine Kritiker zu Hohn und Spott eingeladen. Für sie passt Tebartz in das Bild einer rückständigen Kirche, die in Deutschland spätestens nach den Missbrauchsskandalen in einer existenziellen Krise steckt. Es ist deshalb konsequent und für die katholische Kirche in Deutschland eine Befreiung, dass Tebartz als Bischof abgelöst wird. Als Hüter des Glaubens war Tebartz nicht mehr tragbar."

"Das Vertrauensverhältnis zwischen Franz-Peter Tebartz-van Elst und den meisten Limburger Katholiken war längst unwiederbringlich zerstört, so es denn ein solches Verhältnis überhaupt je gegeben hat", glaubt der Trierische Volksfreund. "Er hat Fehler gemacht und dafür schon zu Recht reichlich Kritik einstecken müssen. Jetzt hat er auch noch den schmucken Job verloren. Und das Protzbischof-Image wird er zeitlebens nicht mehr los. Damit ist er bestraft genug."

Der Abgang des Bischofs stimmt aber nicht nur wegen dessen Fehlverhalten die Badische Neusten Nachrichten nachdenklich. "In Teilen fand in den vergangenen Monaten auch eine Hetzjagd statt mit dem Ziel, einen Menschen persönlich niederzumachen. Offen wurden antikirchliche Reflexe bedient, Halbwahrheiten und Gerüchte verbreitet. Tebartz-van Elst hat viele Fehler gemacht, aber ihn wie ein waidwundes Tier zu jagen, überschreitet Grenzen. Mancher Politiker dreht beispielsweise weiter unangefochten Pirouetten in der Öffentlichkeit, obwohl er für Steuerverschwendung in Milliardenhöhe steht. Für die Kirche ist Limburg eine weitere Baustelle im mühsamen Selbsterneuerungsprozess. Und die katholische Basis schaut mit Entsetzen, wie einer ihrer eigenen Oberhirten den Kurs verloren hat."

Das Badische Tagblatt sieht einen Fehler auch im System der katholischen Kirche. "Gremien versuchten, möglichst alle seine Wünsche zu erfüllen, heißt es in dem Prüfbericht - also: Sein Wille geschehe. Eingeweihte ließen sich vom Bischof zur Verschwiegenheit verpflichten. Es war ein geschlossenes System, ein Staat im Staat. Daher ist es mit dem Bischofswechsel nicht getan. Vielmehr muss die katholische Kirche ihre Strukturen ändern, die solche Fehler erst ermöglicht haben. Das monarchistische Amtsverständnis hat im 21. Jahrhundert ausgedient, gefragt sind synodale Strukturen. Eine Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz soll nun mehr Transparenz in Finanzfragen bringen. Gerne. Aber mit diesem Papst ist mehr drin: Eine barmherzige Kirche, die auf Menschen zugeht und ihnen vertraut."

Damit nun in Limburg und anderswo das Seufzen der Erleichterung keine heiße Luft bleibt, muss die Kirche aus dem Fall Tebartz lernen, fordert der Kölner Stadt-Anzeiger. "Sie braucht ein professionelleres, transparenteres Berufungssystem ihres Spitzenpersonals mit festen Formen von Beratung und Mitwirkung der Gläubigen. Sie benötigt ferner ein besseres System der Eigenkontrolle gegen selbstherrliche Auswüchse Einzelner. Der Papst hat bereits mit einem Umbau kirchlicher Strukturen hin zu mehr Kollegialität begonnen. Vor allem aber muss ein Paradigmenwechsel Wirklichkeit werden, der vorläufig nur auf dem - bekanntlich geduldigen - Papier steht: Die Autorität des geistlichen Amtes besteht nicht im Durchmarsch, sondern in der steten Suche nach gemeinsamen Wegen und im Geleit. Das ist das eigentliche Drehmoment der franziskanischen Wende."

Zusammengestellt von Anna Veit

Quelle: n-tv.de

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