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Hunderttausende brauchen Zuverdienst "Mit Wohlstand im Ruhestand"

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Immer mehr Menschen im Rentenalter müssen oder wollen arbeiten. Dabei öffnet sich die Schere immer weiter: Auf der einen Seite stehen die Hochqualifizierten, die vor allem dank großzügiger Abfindungen schon weit vor der Zeit in den Vorruhestand geschickt wurden. Auf der anderen diejenigen, die als Minijobber ihre karge Rente aufbessern müssen. Insgesamt sind es 760.000 Deutsche, die im Rentenalter einen Minijob nachgehen - deutlich mehr als vor einigen Jahren.

Die tageszeitung aus Berlin kommentiert die misslungenen Rentenreformen folgendermaßen: "Bei sinkenden Rentenbezügen geht ein stark wachsender Anteil der SeniorInnen minijobben. Das sind nicht die Manager oder Apotheker. Das sind auch eher keine älteren Damen, die den Nachwuchs der Nachbarschaft hüten. Das sind vor allem Leute, die einfachen Dienstleistungen nachgehen: Reinigen, Saubermachen, Bewachen, Aufpassen, Regale-Einräumen - auch mit über 75 Jahren. (...) Jede Rentenreform der vergangenen Jahre verstärkt die bestehenden, über eine Lebensarbeitszeit angehäuften gesellschaftlichen Gräben nur noch: Der Abstand zwischen Rentnern und Pensionären, zwischen Vermögenden und Nichtvermögenden wächst. Viele erkennen darin eine neue Vielfalt der Lebensentwürfe im Alter: bitte schön. Viele von ihnen werden sich wundern, wenn sie mit 70 nicht am Computer sitzen, sondern sich am Supermarktregal bücken dürfen."

"Warum sollte man nicht auch noch jenseits der 65 oder später 67 Jahre arbeiten, wenn man Spaß daran hat oder froh ist, gebraucht zu werden?", fragt die Stuttgarter Zeitung spricht allenfalls von "Fakten, die allein der Statistik und der Demografie geschuldet sind und deshalb keinen Grund für Alarmismus bieten. Auf der anderen Seite ist freilich auch offenkundig, dass die Sozial- und Rentenreformen der vergangenen Jahre schneller zu Altersarmut führen können."

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Der 66-jährige Rudolf Siebke arbeitet auf Honorarbasis im Reifenwerk der Goodyear Dunlop Tires Germany in Fürstenwalde.

(Foto: dpa)

"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an ...", singt die Bild-Zeitung vor und erinnert damit an den Hit von Udo Jürgens, der für Hunderttausende zu einem neuen Lebensmotto werden könnte. "Fast 800.000 Senioren gehen arbeiten. So viele wie nie zuvor! Das Gute daran: Viele von ihnen tun es freiwillig! Nicht, weil die Rente knapp ist, sondern aus Freude. Weil sie fit und leistungsfähig sind, weil sie mitten im Leben stehen und sich überhaupt nicht alt fühlen. Mir gefällt diese Entwicklung. Und ich finde es ärgerlich, wenn Linke und Sozialverbände das mit negativem Blick betrachten und nur von Altersarmut faseln. Klar: Wer jahrzehntelang geschuftet hat, hat sich seinen Ruhestand und eine anständige Rente verdient! Aber wer gern arbeitet, sollte auch die Möglichkeit haben. Und zwar, solange er dazu Lust hat."

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Rentnerin Maria Watt steht mit einem Putzeimer in ihrer Sozialwohnung im Stadtteil Griesheim von Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

Die Märkische Oderzeitung kann der Argumentation der Bild nicht ganz folgen und spricht neben persönlichen Bedürfnissen auch von ganz realen Ängsten: "Es gibt unbestreitbar Rentner, die sich aus purer Not etwas hinzuverdienen müssen. Aber wenn man die Statistiken richtig liest, dann geht die Mehrheit aus anderen Gründen arbeiten. Da gibt es die, die ihren Lebensstandard halten wollen. Und es gibt die, die sich noch gebraucht fühlen wollen, die eine nützliche Tätigkeit verrichten wollen. Warum auch nicht? (...) Der Alarmismus der Sozialverbände wirkt im Moment also stark übertrieben. Für die Zukunft ist ihre Kritik aber nicht unberechtigt. Denn in den kommenden Jahren gehen zunehmend mehr Menschen in Rente, die in der Hoch-Zeit der Arbeitslosigkeit Ende der 90-er, Anfang der 2000-er Jahre ihren Job verloren und sich seitdem von einer Gelegenheitsarbeit zur nächsten hangeln. Ihre Renten werden klein sein, und ihre Ängste vor einem weiteren Abstieg sind sehr real."

Auch die Dresdner Neuesten Nachrichten wollen nicht unbedingt von einer Altersarmut sprechen. "Es ist bedrückend, wenn ältere Menschen immer noch Kisten stapeln oder auf ihre alten Tage noch einmal den Büro-Stress bewältigen müssen. Doch so alarmierend sich die Zahlen über eine Zunahme der Minijobs bei Älteren ausnehmen, so wenig geben sie her, um bereits von Altersarmut zu sprechen. Schließlich ist der Anteil der Minijobber bei den Älteren seit 2004 nur geringfügig gewachsen. Und unter den Pensionären befinden sich auch viele, die freiwillig weiterarbeiten. Es mag tröstlich sein, dass Ältere im Berufsleben wieder mehr gebraucht werden. Es täuscht aber nicht darüber hinweg, dass in Zukunft Armut im Alter massiv zunehmen wird."

"Die guten Zeiten - mit Wohlstand im Ruhestand - gehen vorbei", meint der Nordbayerische Kurier. "Das ist kein Unkenruf, sondern mit harten Fakten belegbare, bittere Realität, wenn es immer weniger Beitragszahler und immer mehr Rentner gibt. Zudem haben Menschen leider immer häufiger keine durchgehende Erwerbsbiografie, also erhebliche Ausfallzeiten, die später das Alterseinkommen schmälern. Dieser Herausforderung stellt sich die Politik nicht wirklich, das verheißt nichts Gutes."

Und zum Schluss der Mannheimer Morgen, der sich ebenfalls mit gebrochen Arbeitsbiografien beschäftigt: "Die Zuschussrente mag vielleicht mittelfristig die gravierendsten Auswirkungen mildern. Wenn allerdings in zehn bis 15 Jahren deutlich mehr Menschen als heute mit gebrochener Arbeitsbiografie das Rentenalter erreichen, wird es mit einem kleinen Zuschuss zur Rente nicht mehr getan sein. Sicher gibt es auch 65-Jährige, die freiwillig, nicht aus materieller Not, weiter arbeiten wollen. Diese Menschen werden sich für ein verlängertes Berufsleben aber kaum 400-Euro-Jobs suchen."

Quelle: n-tv.de, zusammengestellt von Peter Richter

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