Pressestimmen

Robert Enke ist tot "Öffentliche Trauerarbeit ist geboten"

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Robert Enke hat sich am 10. November im Alter von 32 Jahren das Leben genommen. Er litt unter Depressionen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Deutschland trauert um seinen Nationaltorwart Robert Enke. Überraschend nahm er sich das Leben. Was niemand wusste: Er litt an Depressionen. Er ist sicherlich kein Einzelfall. Es gilt dieses Tabu zu brechen. Die Presse spricht sich daher für eine öffentliche Trauerarbeit aus und lobt die Absage des Fußballländerspiels gegen Chile. Der DFB sendet damit ein bemerkenswertes Signal in die Welt.

"Der Fußball war alles, es war sein Leben", sagte Robert Enkes Ehefrau, Teresa Enke, in bewegenden Worten auf einer Pressekonferenz. Sie habe darüber hinaus einen tiefen Einblick in die Volkskrankheit Depression gegeben, so die Rhein-Neckar-Zeitung. In nur wenigen Branchen würden Versagensängste so sehr geschürt werden wie in der "aufgeblasenen Bundesliga". Man sei "ständig unter Beobachtung, mal gefeiert, mal verflucht von Fans, mal hoch gelobt, mal fallen gelassen von Trainern". Jürgen Klinsmann sei belächelt worden, als er im Vorfeld der WM 2006 einen Sportpsychologen in seinen Betreuerstab aufnahm. "Diese Spötter sind verstummt."

Depressionen seien immer schlimm, sowohl für den Betroffenen als auch für die ihm nahestehenden Menschen. "Für einen Sport-Star aber", so die Nürnberger Nachrichten, "der nach außen hin der umjubelte Held ist und all die Erfolgssehnsüchte seiner Anhänger geradezu verkörpert, muss es eine immense Qual sein, diese Doppelrolle überzeugend zu spielen." Robert Enke habe das fast perfekt gekonnt. Anderenfalls wäre "die Überraschung, die Bestürzung über seine depressive Seite und das schlimme Ende nicht so allumfassend gewesen".

"Über Selbstmord werden sonst wenig Worte verloren", schreibt die Nürnberger Zeitung. Sie und andere Medien seien aufgefordert, "Diskretion zu wahren, um Verzweifelte und Kranke nicht zu Nachfolgetaten zu animieren und Rücksicht auf Opfer und Familien zu nehmen". Doch der Freitod eines bekannten Spitzensportlers wie Robert Enke sei derart "aufwühlend, so tragisch, dass öffentliche Trauerarbeit geboten ist".

Auch die Emder Zeitung beschreibt die Nachricht vom Tod Robert Enkes als besonders bewegend. Ob man Bezug zum Fußball hat, sei dabei nicht entscheidend. Robert Enke habe auch so "etwas in den Köpfen hinterlassen, was ihn abhebt von der Mehrheit der Spitzenfußballer". Er habe in Interviews immer "still und nachdenklich, nie großmäulig" gewirkt. Doch dahinter habe sich ein depressiver Mensch mit tief verwurzelten Ängsten verborgen. Der Nationaltorwart versteckte seine Depressionen vor der Öffentlichkeit – wie einst Sebastian Deisler, der erst in seinem gerade erschienenen Buch "Zurück im Leben" darüber spricht. "In einer Welt, die Leistungsträgern - erst recht im Fußball - keine Schwächen erlaubt, sah Enke diesen Weg zurück offenbar nicht mehr."

"Indem der DFB es nicht bei den Elementen Schweigeminute/Trauerflor belässt, schafft er Raum für Gedenken und Gedanken", urteilt die Frankfurter Rundschau. (…) Das Blatt erinnert ebenfalls an Deisler: "Der Fall des ehemaligen Bundesliga-Fußballers Sebastian Deisler, der sich mitten in der Karriere zur Behandlung seiner Depression zurückzog (und vor zwei Jahren den Leistungssport aufgab), ist womöglich nicht vergleichbar." Doch es helfe in jeden Fall, "wenn Depression den Ruf der Laune verliert, wenn sie als Krankheit akzeptiert wird, über die zu sprechen nicht als Zeichen der Schwäche ausgelegt wird, sondern für Freunde, Bekannte, Kollegen die Aufforderung ist, sich um den Patienten zu kümmern".

"Man möchte weinen. Dann in den Raum brüllen", schreibt der Express und fragt: "Warum schmeißt Robert Enke sein Leben weg? Lässt seine Familie im Stich? Seine mutige, tapfere Ehefrau Teresa. Sein Adoptivkind Leila." Wenn man aber in das Seelenleben des Nationalwarts hinabtauche, erkenne man, dass er innerlich schon tot gewesen sei. Er habe keine Hoffnung, keinen Lebensmut und keine Freude mehr gehabt. "Ein Drama", urteilt das Blatt. "Aber auch ein Schicksal, das jeden treffen kann." Alle würden mit "Schockstarre" reagieren. Aber es habe eine Nachricht gegeben, die Mut mache: "Es war die Absage des Länderspiels in Köln! Das Signal, das der DFB und die Nationalspieler in die Welt sandten, ist bemerkenswert. Die Show muss eben nicht weiter gehen. Vorhang zu. Geht nach Hause. Trauert. Denkt nach. Nehmt eure Kinder, eure Freunde und Partner in die Arme und gebt Ihnen einen Kuss auf die Wange. Und dann freut euch auf das Leben."

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Julia Kreutziger

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