Pressestimmen

Guttenberg und die Plagiatsvorwürfe "Wir pfeifen auf die Moral ..."

Auch in der aktuellen Stunde des Bundestages zu den Plagiatsvorwürfen beharrt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg darauf, dass von bewussten Täuschungsabsichten keine Rede sein könne. Er gestand nur ein, dass ihm "gravierende Fehler" beim Verfassen seiner Doktorarbeit unterlaufen seien. Aber sind es nicht ein paar Fehler zu viel? Sollte der Minister zurücktreten? Und was bedeutet Merkels Festhalten an dem "Lügenbaron"?

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"Im Krisenmanagement hat der Verteidigungsminister die Nerven verloren".

(Foto: dpa)

Das Signal, das die Kanzlerin und ihre "mediale Schutztruppe mit dem Festhalten an dem 'Lügenbaron'" aussenden, wiegt für das Badische Tagblatt besonders schwer. Denn mit Kalkül, die ungebrochene Beliebtheit Guttenbergs fest im Blick, heiße es da: "Wir pfeifen auf die Moral, wenn's der Sache dient." Die immer noch hohen Umfragewerte des Ministers lassen die Zeitung über das Verhalten der Bürger gegenüber Politik und Politikern staunen: "In etwa die gleiche Zahl von Menschen, die sich mit Grausen von der Politik abwendet, weil es so unehrlich zugeht, hält jetzt in Treue fest zu einem Mann, der sich nachweislich mit fremden Federn geschmückt hat und die Wahrheit nur auf wachsenden Druck preisgibt - und auch dann nur in homöopathischen Dosen. Die Lehre daraus lässt einen schaudern."

"Man kann Verständnis dafür aufbringen, dass viele die derzeitige Zitate-Hatz im Netz eher abstoßend finden." Für die Märkische Allgemeine ändert sich aber nichts daran, "dass das Regelwerk für das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten einfach und klar ist und dass man sich nicht dümmer stellen sollte, als man ist." Das Blatt aus Potsdam fordert Konsequenzen, denn: "Wie leichtsinnig, sorglos oder dumm darf ein Minister sein, fragten sich diejenigen, die ihm keine platte Bereicherungsabsicht unterstellen wollten. Wie 'hochmütig' darf ein Minister sein, fragen wir im aktuellen Fall, oder, wenn wir Guttenbergs Worte weiter aufnehmen, wie viel 'Blödsinn' darf ein Minister schreiben, wie viele 'Fehler' darf er machen? Es sind ein paar Fehler zu viel. Er sollte zurücktreten."

Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine aus Kassel sieht das anders: "Als Doktorand mag zu Guttenberg einen inakzeptabel schlechten Job gemacht haben - als Minister ist ihm das nicht vorzuwerfen. Die Truppe steht deshalb weiter hinter ihm und ist besorgt. Besorgt, dass die Debatten das Augenmerk von ihren aktuellen Problemen ablenken könnte." Die Zeitung erinnert daran, dass der Minister viel für die Soldaten im Einsatz getan habe und ist der Meinung, dass er derzeit unersetzlich sei: "Die Ausrüstung der Truppe in Afghanistan wurde deutlich verbessert, benötigte gepanzerte Fahrzeuge beschafft. Hinzu kommt, dass die Bundeswehr in einem tiefgreifenden Strukturwandel steckt. Die anstehenden Reformen erfordern eine durchsetzungsfähige Führung. Eine Alternative zu Guttenberg ist nicht in Sicht."

Für die Nordwest-Zeitung hingegen wirft der Umgang mit der aktuellen Situation kein gutes Licht auf die Arbeit Guttenbergs als Verteidigungsminister: "Im politischen Geschäft hat sich Guttenberg gewiss etwas Zeit gekauft. Doch die Langzeitschäden für Vertrauen, Ansehen und Ehre des CSU-Politikers werden sich noch einstellen. Im Krisenmanagement hat der Verteidigungsminister jedenfalls die Nerven verloren. Wer Vorwürfe erst abstrus nennt, dann doch von Fehlern spricht und sich dann wegen gravierender Verfehlungen öffentlich entschuldigen muss, der gibt mit einer solchen Salami-Taktik keine gute Figur ab." Weitaus wichtiger erscheint der Zeitung aber die Frage: "Wie nervenstark bleibt Guttenberg, wenn es mal um die Bundeswehr in einer Krisensituation geht? Man könnte Befürchtungen hegen."

Die Nürnberger Zeitung beurteilt den Fall Guttenberg mit Blick auf die närrische Zeit: "Die schlimmste Strafe für Guttenberg ist nicht einmal die Aberkennung seines Doktortitels durch die Universität Bayreuth. Es ist die Schmach, bei jeder Prunksitzung dieses Faschings als Abschreiber durch den Kakao gezogen zu werden."

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Katja Sembritzki

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