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Wie kommt Bewertung zustande? Aktivisten wollen Schufa-Code knacken

Wer einen Kredit aufnehmen oder ein Konto eröffnen will, wird vorher überprüft. Dabei greifen Banken oder Versicherungen auch auf die Schufa zurück, die Verbraucher bewertet. Doch wie arbeitet die Auskunftei? Aktivisten wollen das ergründen.

Die zwei Nichtregierungsorganisationen AlgorithmWatch und Open Knowledge Foundation wollen das Geschäftsgeheimnis der Auskunftei Schufa knacken. Das Unternehmen entscheide mit seinen Informationen darüber mit, "wer einen Kredit, eine Mietwohnung, einen Handyvertrag und vieles andere bekommt", teilten die beiden Organisationen mit. Doch wie diese Bewertung zustande kommt, sei nicht bekannt. Mit dem Projekt "OpenSchufa" wollen beide Organisationen daher Daten sammeln, um dies herauszufinden.

Es gebe viele Indizien dafür, dass die Schufa - die größte und bekannteste Auskunftei in Deutschland - schlechte Daten verwende, erklärten die beiden Nichtregierungsorganisationen. Ein Beispiel seien unvollständige Informationen darüber, wer seinen Kredit mittlerweile abbezahlt oder eine Pfändung abgewendet habe. Mehrere Hunderttausend Menschen hätten falsche Negativmerkmale, die dazu führten, dass ihre Kreditwürdigkeit im Keller sei. Die Schufa gebe keine "angemessene Auskunft" über die Informationen, die ihr vorliegen. Betroffene könnten ihre Daten kaum korrigieren.

AlgorithmWatch und die Open Knowledge Foundation riefen die Bürger daher auf, Selbstauskünfte bei der Schufa anzufordern und diese Daten an die Organisationen weiterzugeben. Datenjournalisten des "Spiegel" und des Bayerischen Rundfunks sollen sie dann anonymisiert auswerten.

Schufa kritisiert Aktion

Die Schufa erklärte, die Kampagne "OpenSchufa" sei "irreführend und gegen Sicherheit und Datenschutz in Deutschland". Ihr Verfahren zur Score-Berechnung lege sie bereits seit 2010 gegenüber den Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder offen, sei "wissenschaftlich überprüft und aussagekräftig". Die Schufa trage zur Verhinderung von Betrug und Identitätsmissbrauch bei und helfe, die Überschuldung privater Verbraucher zu vermeiden.

Wer die Score-Formel gegenüber der Allgemeinheit offenlegen wolle, der leiste Vorschub für Missbrauch und Betrug und führe die Allgemeinheit unter dem Deckmantel der Transparenz in die Irre, hieß es von der Schufa weiter. Nur wer seinen Score "manipulativ verbessern möchte", habe ein Interesse daran, die Details des Berechnungsverfahrens zu kennen.

Auskunfteien speichern Personendaten wie Name, Geburtsdatum, Geburtsort und Anschrift sowie die "Kredithistorie" mit Anzahl der Konten, Kredite, Handy- und Leasing-Verträge, unbezahlte Rechnungen oder Insolvenzen. Mit Hilfe dieser Daten und einem jeweils eigenen mathematisch-statistischen Verfahren (Scoring) schätzen sie das Zahlungsverhalten eines Verbrauchers ein.

Ihre Scoring-Werte verkaufen die Auskunfteien an Banken, Telefonanbieter oder Versandhändler. Die wiederum nutzen die Angabe, um einen Kunden vor Vertragsabschluss einzustufen - je nach Wert muss ein Kunde etwa Vorkasse leisten oder darf auf Rechnung zahlen, bekommt einen günstigen Kredit oder muss dafür mehr Zinsen aufbringen. Die größte Auskunftei ist die Schufa. Im Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen gibt es aber mehr als hundert Firmen, die Risikodaten ermitteln, darunter etwa Creditreform, Deltavista und Bürgel.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP

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