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Hauptsache weg? Auslandsaufenhalte nach dem Abi

Im Ausland studieren? Mithilfe von Auslands-Bafög kann der Wunsch in Erfüllung gehen. Foto: Andrea Warnecke

Mit Work & Travel lässt sich der Auslandaufenthalt finanzieren.

dpa-tmn

Die letzte Klausur ist geschrieben, der letzte Schultag geschafft. Und jetzt gleich wieder an die Uni? Bloß nicht, denken viele Abiturienten, und gehen erstmal für ein Jahr ins Ausland. Doch das Angebot dafür ist unübersichtlich - und die Vorbereitung aufwendig.

Wer den Dschungel hautnah erleben will, muss nach dem Abi nicht unbedingt nach Südamerika oder Ostasien reisen. Es reicht schon, den klassischen Auslandsaufenthalt organisieren zu wollen. Denn da erweist sich das Durcheinander aus Veranstaltern, Aufenthaltsarten und Finanzierungsmöglichkeiten schnell als schier undurchdringliches Dickicht.

"Der Markt für Auslandsaufenthalte nach dem Abitur ist sehr groß - da kann man schnell den Überblick verlieren", sagt Natascha Schmitt. Sie ist Projektkoordinatorin bei Eurodesk Deutschland, einem europäischen Informationsnetzwerk für Auslandsaufenthalte von Jugendlichen, gefördert unter anderem vom Bundesfamilienministerium.

Ein Grund für das große Angebot an Auslandsaufenthalten ist das riesige Interesse der Abiturienten. Laut dem Schülerbarometer 2017 des Marktforschers Trendence wollen 28 Prozent der Schüler in Deutschland nach dem Abschluss ins Ausland. Die Motive sind dabei unterschiedlich: Die eine will möglichst viel von Land und Leuten sehen, der nächste sich sozial engagieren, und seine ehemalige Klassenkameradin sucht schon erste Erfahrungen für das Studium. Entsprechend groß ist die Zahl verschiedener Varianten.

Work & Travel ist gefragt 

Wachsender Popularität erfreuen sich dabei vor allem Work & Travel sowie die verschiedenen Freiwilligendienste, sagt Jane Jordan von der Initiative Auslandszeit. Die Initiative betreibt verschiedene Webseiten, auf denen es genauere Infos zu den verschiedenen Arten des Auslandsaufenthalts gibt.

Work & Travel ist aufwendig zu planen, das Grundprinzip aber simpel. Es funktioniert unabhängig vom Zielland meistens ähnlich. Bei den Freiwilligendiensten herrscht dagegen ein echtes Durcheinander: So gibt es erstens diverse öffentlich geförderte Programme - den Internationalen Jugendfreiwilligendienst, den Europäischen Freiwilligendienst, Programme wie Weltwärts oder Kulturweit oder das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr, das sich auch im Ausland absolvieren lässt.

Weil solche Angebote öffentlich gefördert sind, ist die Teilnahme vergleichsweise günstig. "Dazu gibt es eine pädagogische Begleitung, mit Vorbereitungsseminaren zum Beispiel", sagt Schmitt. Es gibt aber auch private Anbieter für Freiwilligendienste. Die Chance auf eine Teilnahme in solchen Programmen ist teils deutlich höher, zudem sind sie zeitlich flexibler - allerdings kosten sie dafür auch mehr.

Hinzu kommen die Klassiker: das Au-pair-Jahr oder die deutlich kürzere Sprachreise etwa. Wer neben einer neuen Sprache auch noch etwas anderes lernen will, kann sich zudem als Abiturient bei den sogenannten Summer Schools verschiedener Unis in aller Welt anmelden. Auch ein Praktikum ist möglich - davon rät Natascha Schmitt aber eher ab. "Wir empfehlen, die erst im Rahmen von Berufsausbildung oder Studium zu machen. Nur mit Abitur fehlt den jungen Leuten eben noch das Fachwissen, um irgendwo richtig mitarbeiten zu können."

Vertrauenswürdigen Anbieter finden

So unterschiedlich die möglichen Auslandsaufenthalte, so unterschiedlich sind auch die Vorbereitungs-Hausaufgaben, die es zu erledigen gilt. Wer zum Beispiel Work & Travel macht, muss organisatorisch vorher vieles auf eigene Faust klären. Wer dagegen Au Pair macht, dem nimmt die Organisation im Idealfall viel Laufarbeit ab - rund um persönliche Referenzen und ausführliche Bewerbungen gibt es aber trotzdem noch viel zu tun.

Manche Fragen tauchen aber auch immer wieder auf: Wie finde ich zum Beispiel einen vertrauenswürdigen Anbieter? Eurodesk hat dafür eine Reihe von Kriterien aufgestellt. Ist die Organisation zum Beispiel Mitglied in einem Dachverband? Trägt sie ein Gütesiegel? Und woher kommt das? Auch das Alter der Organisation kann ein Anhaltspunkt sein, so Schmitt: Wer schon lange dabei ist, weiß vermutlich, was er tut. "Das heißt nicht, dass 'junge' Anbieter automatisch unseriös sind, es besteht aber beispielsweise nicht die Möglichkeit Erfahrungsberichte von Ehemaligen einzuholen."

Jane Jordan empfiehlt reiselustigen Abiturienten sogar, eine Art Checkliste für die Anbieter zu erstellen, mit allen wichtigen Fragen - und die dann zum Beispiel telefonisch oder per Mail zu stellen. So sammelt man nicht nur wichtige Infos, sondern fühlt der Organisation auch gleich auf den Zahn. "Da kann man auch nach dem Bauchgefühl gehen und zum Beispiel schauen, wie freundlich die Leute sind."

Ansonsten gibt es Listen mit allen wichtigen Aufgaben und unzähligen Tipps natürlich auch im Internet - bei Eurodesk, auf den Portalen von Initiative Auslandszeit, auch andere Organisationen wie der DAAD haben entsprechende Seiten. Eurodesk hat zudem lokale Partner, die eine Vor-Ort-Beratung anbieten. Zudem sind die meisten Jugendlichen nicht auf sich allein gestellt. "Es ist natürlich immer wichtig, dass Eltern Jugendliche bei der Organisation unterstützen", sagt Schmitt. "Sich selbst darum zu kümmern gehört hier natürlich aber auch dazu."

Mehr Hilfe von den Eltern braucht vor allem, wer zum Zeitpunkt des geplanten Auslandsaufenthalts noch minderjährig sein wird: Viele Verträge kann er dann alleine nicht unterschreiben. Allerdings wird die ganz große Reise dann ohnehin schwierig, warnt Jordan: Work & Travel geht dann zum Beispiel gar nicht. "Generell machen es viele Jüngere so, dass sie den Auslandsaufenthalt erst nach dem Studium oder der Ausbildung nachholen."

Alle anderen brauchen einen Plan, sagt Jordan, am besten eine gute To-do-Liste - und Zeit. "Als Faustregel würde ich immer empfehlen, für ein Work & Travel oder Au Pair ein Jahr vorher mit der Organisation zu beginnen", sagt die Expertin. Etwas schneller geht es natürlich bei Sprachreisen und anderen Kurzzeit-Aufenthalten. Generell gilt aber: lieber etwas früher als etwas später. "So läuft man als Abiturient auch nicht in Gefahr, dass man sich parallel zu den Prüfungen um alles kümmern muss."

Quelle: n-tv.de, Tobias Hanraths, dpa

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