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Freitag, 09. März 2018

GroKo wird für Sparer teuer: Bei Aktien bleibt es bei 25 Prozent Steuern

Ein Gastbeitrag von Michael Bormann

Die künftige Regierung sieht verschiedene steuerliche Änderungen vor. Zinsen unterliegen wieder der normalen Einkommensteuer, bei Aktien gilt weiter die Abgeltungssteuer. Der Soli fällt für zahlreiche Steuerzahler weg - aber erst ab 2021.

Setzt die neue Regierung ihre Beschlüsse aus dem Koalitionsvertrag um, wird es für viele Sparer künftig teurer. Denn vereinnahmte Zinsen sollen nicht mehr pauschal der 25-prozentigen Abgeltungssteuer unterliegen, sondern der individuellen Einkommensteuer. Damit werden die meisten Sparer in Zukunft von ihren Sparerträgen mehr an den Fiskus abliefern müssen als bisher. Denn ab einem jährlichen Einkommen von rund 15.000 Euro beläuft sich bei Ledigen der Grenzsteuersatz auf 25 Prozent oder mehr. In der Spitze sind das 45 Prozent. Das bedeutet, dass von einem zusätzlich verdienten Euro – in diesem Fall durch Zinseinnahmen – mindestens ein Viertel ans Finanzamt fließt.

Michael Bormann
Michael Bormann

Dabei geht es um nicht unerhebliche Summen. Denn die Deutschen bunkern rund 40 Prozent ihres Geldvermögens auf Spar- und Festgeldkonten. Nach Schätzungen der Deutschen Bundesbank und der DZ Bank summieren sich die entsprechenden Beträge in diesem Jahr auf insgesamt knapp 2,5 Billionen Euro – also auf 2.500.000.000.000 Euro. Zwar gibt es dafür derzeit kaum oder gar keine Zinsen. Dementsprechend gering fallen die Abgaben an die Finanzämter aus.

Doch die Zinsen steigen wieder. Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen liegen schon wieder im Bereich von 0,7 Prozent. Im Tief hatten sie bei minus 0,4 Prozent gelegen. Wenn die Zinsen wieder auf breiter Front zulegen, also auch bei Spar- und Festgeldkonten, wird diese steuerliche Änderung, die für viele Sparer eine Erhöhung bedeutet, voll durchschlagen.

Vorteil Aktien

Bei Dividendentiteln bleibt die steuerliche Behandlung dagegen unverändert. Für realisierte Kursgewinne und Dividenden gilt weiterhin die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent, auf die noch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag aufgeschlagen werden. Insgesamt ergibt das einen Steuersatz von 26,375 Prozent. Dazu kommt noch etwaige Kirchensteuer. Allerdings entfallen nur knapp 19 Prozent des Geldvermögens der Deutschen auf Aktien und Publikumsfonds, von denen nicht einmal alle Aktien enthalten. Trotz einer leichten Zunahme gab es im vergangenen Jahr laut Statista gerade einmal 4,9 Millionen Aktionäre.

Der steuerliche Vorteil von Aktien wird bei den meisten Steuerzahlern sogar noch zunehmen. Denn CDU, CSU und SPD haben sich darauf geeinigt, den Solidaritätszuschlag abschaffen zu wollen.

Soli ab 2021 weg

Diese Zusatzsteuer soll für die meisten Steuerzahler künftig entfallen. Nach den Berechnungen des Finanzministeriums kostet es den Staat rund zehn Milliarden Euro, um die unteren 90 Prozent der Steuerzahler von dieser Extraabgabe zu befreien. Der geplante Finanzrahmen deutet darauf hin, dass diese Steuerentlastung im Jahr 2021 kommt.

Nach den Berechnungen des Bundes der Steuerzahler greift die geplante Befreiung bei einem Ledigen ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 54.000 Euro. Da es sich hier um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag handelt, müssten Steuerzahler, die mehr als 54.000 Euro im Jahr verdienen, eigentlich den vollen Solidaritätszuschlag zahlen – und zwar für ihr komplettes Einkommen. Damit das nicht passiert, hat sich die Große Koalition auf eine Gleitzone verständigt.

Am 14. März soll Angela Merkel erneut zur Bundeskanzlerin gewählt werden. Wir dürfen gespannt sein, ob die künftige Regierung ihre Versprechen beziehungsweise Vereinbarungen tatsächlich umsetzt. In der Vergangenheit war das nicht immer der Fall – so zum Beispiel bei der Verringerung der "kalten Progression". Der Begriff beschreibt den Effekt, dass Steuerzahler schon bei einem reinen Inflationsausgleich mit ihrem Gehalt oder ihrem Lohn in einen höheren Steuertarif rutschen, obwohl sie netto nicht mehr verdienen als zuvor. Das wollte eigentlich schon die letzte Regierung korrigieren – hat sie aber nicht.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner www.bdp-team.de. Schwerpunkte seiner Tätigkeiten sind neben Steuern die Bereiche Finanzierungsberatung sowie das Sanierungs- und Krisenmanagement bei mittelständischen Firmen.

Quelle: n-tv.de