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Freiwillige vor! Bufdi werden, lohnt sich das?

Wo sind sie nur, die 35.000 Freiwilligen, die die wegfallenden Zivildienststellen ausfüllen sollen? Bislang sind gerade mal 3000 Verträge unterzeichnet. Liegt das mangelnde Interesse am mageren Taschengeld? Vom guten Gefühl, gebraucht zu werden, kann man schließlich keine Miete bezahlen.

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Eine Vollzeitstelle als "Bufdi" muss man sich leisten können.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden", versprechen die Plakate, die landauf, landab für den neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD) werben. Zum offiziellen Start am 1. Juli hielt sich das Interesse aber in Grenzen. Das Bundesfamilienministerium zählt 3000 abgeschlossene Verträge, und längst nicht alle gemeldeten Freiwilligen haben ihre Arbeit schon aufgenommen. An einer zu kleinen Zielgruppe dürfte es eigentlich nicht liegen.

Wer darf arbeiten und wie viel?

Der Bundesfreiwilligendienst eignet sich für Schul- und Uniabgänger in der Orientierungsphase ebenso wie für Hausfrauen, die ins Berufsleben zurückkehren wollen oder für Rentner, die nach einer zusätzlichen Aufgabe suchen. Anders als das freiwillige soziale oder ökologische Jahr (FsJ / FöJ), das sich ausschließlich an Menschen bis 27 Jahre richtet, gibt es für das BFD keine Altersbegrenzung nach oben oder unten. Einzige Bedingung: Die Vollzeitschulpflicht muss abgeschlossen sein. Auch die Arbeitszeit lässt sich flexiber gestalten als beim FSJ. Freiwillige über 27 Jahre können auch Teilzeit arbeiten – mindestens aber 20 Stunden die Woche, weitere Nebentätigkeiten sind genehmigungspflichtig.

Für wie lange muss man sich verpflichten?

In der Regel dauert der Freiwilligendienst zwölf Monate, mindestens aber ein halbes Jahr. Im Ausnahmefall lässt sich die Zeit auf 24 Monate ausdehnen. Möglich ist es auch, mehrere kürzere Dienste nacheinander abzuleisten, insgesamt aber nur 18 Monate lang. Der BFD ist eine freiwillige Dienstverpflichtung, und die kann grundsätzlich nicht gekündigt werden. Früher aufhören kann man nur aus einem wichtigen Grund, etwa wenn man einen Studien- oder Ausbildungsplatz bekommt.

Was bekommt man dafür?

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Bundesfreiwilligendienst und Freiwilliges soziales Jahr im Vergleich.

Vom guten Gefühl, gebraucht zu werden, kann niemand leben. Vom Einkommen aus dem Bundesfreiwilligendienst aber auch nicht unbedingt. Der Bund zahlt für jeden Freiwilligen 350 Euro an die Einsatzstelle, 250 Euro für "Bufdis" bis 25 Jahre. Die Einsatzstelle muss davon ein Taschengeld bezahlen. Dessen Höhe wird individuell vereinbart, mehr als 330 Euro dürfen es aber nicht sein. Gegebenenfalls können auch Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung gestellt werden. Zum Vergleich: Der Sold eines Zivildienstleistenden liegt bei mindestens 288 Euro im Monat, zuzüglich Verpflegungsgeld und weiteren Leistungen.

Darüber hinaus übernimmt die Einsatzstelle die kompletten Solzialversicherungsbeiträge, Bufdis sind also nicht nur gesetzlich kranken-, pflege- und unfallversichert, sondern erwerben auch Renten- und Arbeitslosengeldansprüche. Die halten sich allerdings in engen Grenzen, denn die Einzahlungen richten sich nach dem vereinbarten Taschengeld und den zusätzlichen Sachbezügen.

Lieber Bufdi als Hartz IV?

Grundsätzlich gilt der Freiwilligendienst nicht als Arbeitsverhältnis. Rechtlich spricht also nichts dagegen, dass ein ALG II-Bezieher sich als Freiwilliger meldet, von der Bundesregierung ist das sogar ausdrücklich erwünscht. Die Nebeneffekte sind aber eher ideeller Natur, finanziell lohnt sich die Sache kaum. Bis auf 60 Euro wird das Taschengeld auf die Grundsicherung angerechnet, darüber hinaus können volljährige Hartz-IV-Empfänger noch 30 Euro im Monat in private Versicherungen investieren. Während des Freiwilligendienstes müssen Arbeitslose keine neue Arbeit aufnehmen.

BFD als Rentner?

Für Rentner ist der Obolus, den sie als Bufdi erhalten, unproblematisch. Frührentner und Bezieher von Erwerbsminderungsrenten müssen allerdings Zuverdienstgrenzen beachten. Die sind bei Erwerbsminderung kompliziert geregelt, "normale" Frührentner dürfen höchstens 400 Euro zusätzlich verdienen, ansonsten gibt es weniger Rente. Angerechnet werden dabei nicht nur das Taschengeld, sondern auch Sachbezüge. Dazu gehören etwa freie Unterkunft und Verpflegung.

Wo kann man freiwillig arbeiten?

In vielen Bereichen, die vorher mit Zivildienstleistenden besetzt waren, werden Freiwillige jetzt händeringend gesucht. Rund 18.500 Plätze sind derzeit auf der Stellenbörse des Bundesfreiwilligendienstes ausgeschrieben. Viele davon im Pflegebereich, aber nicht nur dort. Das Spektrum reicht von Hausmeistertätigkeiten im Behindertenheim über Kochen im Kinderladen bis hin zu Hundehüten im Tierschutzverein.

Quelle: n-tv.de

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