Ratgeber

Sexuelle Belästigung Darf man das Penis-Foto weiterleiten?

60097617.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist die Kehrseite der modernen Selbstdarstellung: Statt netter Kommentare für ihren Auftritt in sozialen Netzwerken erhält Frau ein Genitalfoto eines vermeintlichen Bewunderers. Geduldet werden sollte dies keinesfalls, arglos geteilt werden aber auch nicht.

Das Internet ist eine Spielwiese, die manchmal auch mit kleinen Jungs und übergriffigen Männern geteilt werden muss. Insbesondere in sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten meinen diese ihre wahlweise unüberlegten Handlungen oder berechnenden Taten ausleben zu können. Und so kommt der eine oder andere Herr auf die Idee, statt lobender Worte, sachlicher Kritik oder geistloser Plauderei der netzsozialen Frau ein Penis-Foto zukommen zu lassen.

Was verständlicherweise nicht selten für Verdruss bei der Empfängerin sorgt. Auch Ekel, Heiterkeit und Entsetzen können die Folge sein. Wer nun allerdings meint, derartige Belästigung an den öffentlichen Pranger zu stellen und seinen Ärger über so viel ungefragte Intimität kundzutun und entsprechende Bilder weiterzuleiten und damit publik zu machen, sollte innehalten.

Denn wird ungefragt ein fremdes Foto oder auch Textmaterial verwendet, werden oft Urheberrechte verletzt. Und dies kann eine teure Abmahnung zur Folge haben. Es sei denn, die verwendeten Daten sind zur freien Verwendung freigegeben. Grundsätzlich gilt: Der Schöpfer oder aber jener, der die Rechte besitzt, kann bestimmen, wer seine "Werke" nutzen darf. Und nur weil man der Empfänger eines intimes Bildes ist, bedeutet dies nicht auch, dass eine Einwilligung zur Veröffentlichung des Urhebers vorliegt.    

Wird also die Verwendung fremden Eigentums missachtet, beispielsweise indem ein via Messengerdienst übermitteltes Penis-Foto kurzerhand an den gesamten Freundeskreis weitergeleitet wird, dann kann der Pimmel-Eigentümer Unterlassung und gegebenfalls Schadensersatz verlangen. Verkehrte Welt - aber das Kunst-Urheberschutzgesetz, welches das Recht am eigenen Bild regelt, setzt keine qualitativen oder inhaltlichen Einschränkungen. Dies ist bedauerlich, aber leider nicht zu ändern.

Zumal es sich beim Verschicken solcher Bilder um sexuelle Belästigung handelt. Daneben kann auch noch der Tatbestand eines herabwürdigen Verhaltens und der Beleidigung  erfüllt sein. Dies wird zwar in den seltensten Fällen als Straftat geahndet, kann dem Täter aber dennoch Ärger einbringen und Opfer können zumindest Grenzen ziehen und Zeichen setzen. Vorausgesetzt, die Empfängerin der Geschmacklosigkeit zeigt die Tat bei der Polizei an. Und/oder meldet den Vorfall bei Facebook, Twitter, Whatsapp und Co.

Kleiner Schwenk: Der Straftatbestand des Exhibitionismus dürfte beim Versenden eines Penis-Bildes nicht erfüllt sein. Als Trost mag für belästigte Damen der Umstand herhalten, dass dieser im deutschen Sexualstrafrecht aber ansonsten nur Männern vorbehalten ist. Das Vorzeigen der Vulva in der Öffentlichkeit - auch einhergehend mit eindeutigen sexuellen Handlungen - wird vom Gesetzgeber nicht geahndet.    

Ungeachtet der beschriebenen Problematiken ist es Nutzern selbstverständlich nicht verboten, Nacktbilder an ihre Partner zu schicken. Mit dem Unterschied, dass sich diese dann aber über den Empfang freuen. Hoffentlich. Bei Ex-Partnern ist bei der Verwendung von entsprechenden Bildern oder Filmchen hingegen wieder erhöhte Vorsicht geboten.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema