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Nach dem dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit, also an Tag vier, muss die Bescheinigung beim Arbeitgeber sein - laut Gesetz. Der Arbeitsvertrag kann das anders regeln.
Nach dem dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit, also an Tag vier, muss die Bescheinigung beim Arbeitgeber sein - laut Gesetz. Der Arbeitsvertrag kann das anders regeln.(Foto: dpa)
Dienstag, 09. Januar 2018

Geht schon wieder: Darf man trotz Krankschreibung zur Arbeit?

Von Axel Witte

Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben. Doch manchmal ist die Maläse schneller vorbei als vom Arzt gedacht. Darf der Arbeitnehmer dann trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wieder bei der Arbeit antanzen oder braucht es dafür eine "Gesundschreibung"?

Manchmal vergeht ein Unwohlsein so schnell, wie es gekommen ist. In anderen Fällen ist der Besuch beim Arzt fällig. Nicht nur um die belastenden Symptome abzuklären, sondern auch, weil ans Arbeiten einfach nicht zu denken ist. Sprich, der Arbeitnehmer ist malade und benötigt für seinen Job eine Krankschreibung. Oder genauer: eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Diese muss per Gesetz nach dem dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit - also am vierten Tag - dem Chef vorliegen. Wobei das Wochenende bei dieser Frist mitzählt. Doch darüber hinaus darf der Arbeitgeber von der gesetzlichen Regelung abweichen und von seinem Mitarbeiter beispielsweise auch schon ab dem ersten Tag eine Bescheinigung verlangen. Woran der Arbeitnehmer leidet, muss hingegen nicht aus dem ärztlichen Attest hervorgehen.

Trifft die Krankschreibung verspätet ein, darf der Arbeitgeber in diesem Zeitraum die Fortzahlung des Lohns verweigern. Aber ungeachtet dessen muss dieser auch bereits am ersten Tag des krankheitsbedingten Fernbleibens formlos informiert werden. Ansonsten droht eine Abmahnung. Und im Wiederholungsfall eine Kündigung.

Auch Ärzte können irren

Ist der Arbeitnehmer bereits wieder nach ein oder zwei Tagen fit und liegt auch gar keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor, geht er dann meistens auch wieder seiner bezahlten Tätigkeit nach. Er ist sozusagen sein eigener Doktor und attestiert sich die Arbeitsfähigkeit selbst. Doch wie verhält es sich, wenn der Patient beispielsweise zehn Tage vom Arzt krankeschrieben wurde, der Spuk aber bereits nach sechs Tagen vorbei ist? Muss sich der Arbeitnehmer dann vom behandelten Arzt "gesund schreiben" lassen oder kann er auch einfach selbst entscheiden, wann er wieder einsatzfähig ist und wieder bei der Arbeit antanzen kann?

Natürlich ist der Arbeitnehmer im eigenen Interesse gut beraten auf seinen Körper und den Arzt zu hören und keinesfalls krank seinem Job nachzugehen. Aber um es kurz zu machen: Eine "Gesundschreibung", um vor dem Ende der Krankschreibung wieder arbeiten zu gehen, ist nicht notwendig. Und es gibt sie auch gar nicht. Denn ein Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist kein Arbeitsverbot. Sie ist lediglich eine Prognose des Mediziners darüber, wie lange der Arbeitnehmer voraussichtlich nicht arbeiten kann. Und auch Ärzte können irren.

Zweifelt jedoch der Arbeitgeber objektiv an der Arbeitsfähigkeit seines Mitarbeiters, kann und muss er - insbesondere bei einer Beschäftigung in einem sicherheitsrelevanten Bereich - eine betriebsärztliche Untersuchung anordnen, bevor der Arbeitnehmer zurück an den Arbeitsplatz kommen darf.

Hat der Chef hingegen an einer wirklichen Erkrankung seines Mitarbeiters Zweifel - insbesondere wenn dieser sich besonders häufig krankmeldet - kann er vom vermeintlichen Blaumacher verlangen, dass dieser beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen vorstellig wird, um sich dort untersuchen zu lassen. Entpuppt sich dort die Krankschreibung als nicht zutreffend, kann der Arbeitgeber vom Arzt, der zuvor den gelben Schein ausgefüllt hat, Schadenersatz verlangen.

Quelle: n-tv.de