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Montag, 18. Dezember 2017

Rechte von Arbeitnehmern : Das gilt für Überstunden

Die Deutschen arbeiten wie verrückt. Und machen nebenbei noch 1,7 Milliarden Überstunden. Was auf das Durchschnittseinkommen einen Betrag von etwa 34.000.000.000 Euro ergibt. Das sollten Beschäftigte wissen.

Die Grundregel für Überstunden lautet: Wer mehr arbeitet, bekommt auch mehr Geld. Nach neuesten Zahlen (Jahr 2016) der Bundesagentur für Arbeit machen Arbeitnehmer im Jahr 1,7 Milliarden Überstunden. Was, gemessen am Durchschnittseinkommen, Pi mal Daumen 800 Euro an Mehrarbeit pro Kopf ausmacht. Für über die Hälfte davon gab es kein Geld. Wann Arbeitnehmer Überstunden leisten müssen und wann diese auch bezahlt werden müssen, folgt hier:

Wann sind Arbeitnehmer zu Überstunden verpflichtet?

Grundsätzlich dürfen Arbeitgeber Überstunden anordnen - und Arbeitnehmer müssen dem zunächst folgen. Allerdings nur, wenn dies im Arbeits- oder Tarifvertrag steht oder in einer Betriebsvereinbarung festgelegt ist. Hier finden sich dann beispielsweise Formulierungen wie: "Sie sind im Bedarfsfall dazu verpflichtet, Überstunden zu leisten." Steht nichts im Vertrag, gilt die vereinbarte regelmäßige Arbeitszeit. Übersteigt die tägliche Arbeitszeit zehn Stunden, kann der Chef keine Mehrarbeit anordnen.

Ist die Mehrarbeit immer zulässig?

Nein, es müssen immer auch die Interessen des Arbeitnehmers berücksichtigt werden. Wer zum Beispiel sein Kind vom Kindergarten abholen muss oder einen Arzttermin hat, den kann der Arbeitnehmer nicht zu Überstunden verdonnern. Wer sich hingegen nur einer Freizeitaktivität widmen möchte, der muss bleiben.

Wann ist die Mehrarbeit zulässig?

Wenn sie im betrieblichen Interesse liegt - zum Beispiel bei einem vorübergehenden Personalengpass oder wenn ein wichtiges Projekt fertig gestellt werden muss. Der Chef muss allerdings darauf achten, dass die Obergrenzen des Arbeitszeitgesetzes beachtet werden. Demnach sind in der Regel pro Tag maximal acht, im Ausnahmefall zehn Stunden Arbeit erlaubt.

Was, wenn sich der Mitarbeiter weigert?

Werden Überstunden berechtigterweise verweigert, drohen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen - Stichwort: Maßregelungsverbot. Hier darf der Arbeitgeber niemanden bestrafen, weil er von seinen Rechten Gebrauch macht. Ist die Weisung jedoch zulässig, kann ein Zuwiderhandeln schlimmstenfalls mit einer Kündigung geahndet werden.

Müssen Überstunden bezahlt werden?

Ist im Arbeitvertrag nichts anderes festgeschrieben, ist der Arbeitgeber zur Zahlung verpflichtet. Dabei wird kein Unterschied zwischen regulärer Arbeitsstunde und der Mehrarbeit gemacht. 

Mitunter versuchen Arbeitgeber aber auch die Extrabezahlung zu umgehen, etwa mit Formulierungen im Vertrag wie: "Überstunden sind pauschal mit dem Entgelt abgegolten". Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) ist eine solche Formulierung nur zulässig, wenn sie begrenzt ist. Sie muss also eine konkrete Stundenzahl enthalten. Bis zu zehn Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit sind dabei laut DGB in etwa angemessen. Nur bei Beschäftigten in leitender Position oder mit überdurchschnittlich hoher Bezahlung ist demnach eine unbegrenzte Inklusiv-Vergütung möglich.  

Und wenn Arbeitnehmer von sich aus regelmäßig länger arbeiten?

Unterbindet der Arbeitgeber dies nicht, ist das eine stillschweigende Duldung von Überstunden. Und diese müssen dann auch vergütet werden.

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Quelle: n-tv.de