Ratgeber

DLRG befürchtet mehr Tote Das sollten Sie beim Baden beachten

imago0101936368h.jpg

Wegen der Corona-Auflagen könnte es 2020 laut DLRG mehr Badeunfälle in Deutschland geben, weil es Menschen mehr an unbeaufsichtigte Flüsse ziehe.

(Foto: imago images/Die Videomanufaktur)

Die Badesaison 2020 könnte wegen der Corona-Auflagen gefährlicher sein als zuvor. Das befürchtet die DLRG und warnt vorm Schwimmen ohne Badeaufsicht. Wo das Risiko am höchsten ist und welche Ursachen am häufigsten für Badeunfälle sorgen, lesen Sie hier.

Mit der Sommer- und Feriensaison häufen sich die tödlichen Badeunfälle. Ein 30-Jähriger ertrinkt in der Donau, ein 32-Jähriger in der Ostsee, nachdem er zwei zehnjährige Kinder aus der Strömung gerettet hat. Eine Elfjährige stirbt bei einem Badeunfall im Adolphosee im Kreis Heinsberg und in Hannover stirbt eine Fünfjährige bei einem Unfall in einem See.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) befürchtet wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr sogar mehr Notfälle, weil es mehr Menschen statt ins Ausland an die heimischen Gewässer zieht. Und zwar vor allem dahin, wo man unter sich ist.

Dabei sei es ein generelles Problem, dass Menschen an unbewachten Gewässern baden gehen, wo es keine Rettungsschwimmer gebe. Etwa 80 Prozent aller jährlichen Badeunfälle in Deutschland passieren genau dort, wo es keine Badeaufsicht gebe. "Wegen Corona könnte das mehr werden", warnte DLRG-Sprecher Achim Wiese. Erste Zahlen für dieses Jahr will die DLRG Anfang August veröffentlichen. Derzeit sei aber "noch keine absolute Spitze" an Badeunfällen zu beobachten.

Zu befürchten sei, dass es die Menschen auch wegen der Corona-Auflagen in den Freibädern vermehrt an die Flüsse ziehe, wo es in diesem Jahr bereits mehrere tödliche Badeunfälle gab. "Wer beispielsweise in den Rhein mit einer Fließgeschwindigkeit von teilweise zehn Kilometern pro Stunde gerät, hat vor allem als ungeübter Schwimmer keine Chance", sagte Wiese.

Auch Strudel seien eine große Gefahr - ähnlich wie die Strömungen in Nord- und Ostsee. "Die Unterströmung im Meer ist teilweise so stark, dass es einen Menschen wie mit einem Staubsauger aufs offene Meer zieht", sagte Wiese. Er riet daher, unbedingt Stellen mit Badeverboten und die Flaggen zu beachten. Eine gelbe Flagge bedeute eine extreme Gefahr für Kinder und Nichtschwimmer, eine rote heiße Badeverbot. "Das wird oft missachtet."

Hier nun acht Fragen und Antworten rund ums Baden in heimischen Gewässern:

Wie viele Menschen ertrinken in Deutschland?

Im Jahr 2019 ertranken nach DLRG-Angaben mindestens 417 Menschen, mehr als die Hälfte davon in den Sommermonaten Juni, Juli und August. Das waren etwa 17 Prozent weniger als im Jahr davor.

Wo ist das Risiko am höchsten?

An Seen, Teichen und Flüssen - dort starben auch 2019 die meisten Menschen, insgesamt 362. An den Binnengewässern werden nur vergleichsweise wenige Badestellen von Rettungsschwimmern bewacht. An den bewachten Badestellen und in Schwimmbädern ist es sicherer. So starben in Schwimmbädern elf Menschen.

Was sind die häufigsten Ursachen für Badeunfälle?

Übermut, mangelnde Schwimmfähigkeiten, Selbstüberschätzung, Alkohol und die Unkenntnis möglicher Gefahren führen der DLRG zufolge am häufigsten zum Ertrinken - vor allem bei Männern. Vier von fünf Todesopfern sind männlich.

Darf ich erhitzt ins Wasser springen?

Das sollte vermieden werden. Manche Gewässer sind recht kühl. Ein Sprung ins Nass kann zu Unterkühlung und Krämpfen führen. Der Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser kann auch den Kreislauf belasten und vor allem für ältere Menschen und solche mit geschwächtem Herz-Kreislauf-System gefährlich sein. Schwimmer sollten langsam ins Wasser gehen und den Körper ans kalte Wasser gewöhnen. Sobald man friert, heißt es: raus.

Was ist bei der Wahl der Badestelle zu beachten?

Unbekannte Gewässer bergen Gefahren. Deshalb nie übermütig in einen See springen. Die DLRG empfiehlt, nur an bewachten Badestellen schwimmen zu gehen und die Warnhinweise zu beachten. Eine rote Flagge am Meer beispielsweise bedeutet Badeverbot - im Sommer wird dies immer wieder ignoriert. Bei Wellengang entsteht eine Strömung, die staubsaugerartig ins offene Meer zurückzieht. Dies ist vor allem für Kinder im flachen Wasser gefährlich, weil sie leicht umgerissen werden können.

Kann auch in Flüssen gebadet werden?

Generell ja - in vielen deutschen Flüssen reicht die Wasserqualität zum Baden aus. Dies gilt auch für große Abschnitte der Elbe oder des Rheins. Vorsicht ist aber bei Niedrigwasser geboten, weil die Wasserqualität dann erheblich sinken kann. Gefahr entsteht zudem durch gefährliche Strömungen, die an der Wasseroberfläche oft kaum erkennbar sind, sowie durch den Schiffsverkehr, Brückenpfeiler und Unterwasserhindernisse.

Was ist insbesondere bei Kindern zu beachten?

Wasser zieht Kinder magisch an. Eltern sollten sie an Gewässern daher nie aus den Augen lassen - das gilt übrigens auch für den flachen Gartenteich. Kleine Kinder können bereits in wenige Zentimeter tiefem Wasser ertrinken. Auch Luftmatratzen, Schlauchboote und Gummitiere bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken. Wenn ein Kind im Wasser in Not gerät, ist das für Außenstehende mitunter schwer zu erkennen, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder. Kinder ertrinken "leise".

Wie leiste ich Erste Hilfe?

Bei Atemstillstand ist sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung zu beginnen, bei Herzstillstand sollte gleichzeitig eine Herzmassage erfolgen. Auf keinen Fall sollte versucht werden, Wasser aus Lungen oder Magen zu entfernen. Das bringt nichts und kostet wertvolle Zeit.

Quelle: ntv.de, ysc/AFP