Keine guten Nachrichten Die günstigste Krankenkasse ist nicht mehr bundesweit zu haben

Die gesetzlichen Krankenkassen stehen finanziell unter Druck, was sich in steigenden Zusatzbeiträgen bemerkbar macht. Doch damit nicht genug: Die in den letzten Jahren günstigste Kasse steht nun nicht mehr allen Versicherten offen.
Der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung ist in diesem Jahr von 2,5 auf 2,9 Prozent gestiegen. Beim Zusatzbeitrag können die Kassen auch darüber oder darunter liegen, denn jede entscheidet individuell über die Beitragshöhe. Das bietet für Versicherte bei einem Wechsel Einsparpotenzial.
Die bisher günstigste bundesweit geöffnete Krankenkasse war die BKK Firmus mit einem Gesamtbeitrag von 16,78 Prozent (Zusatzbeitrag 2,18 Prozent). Doch seit April ist sie nicht mehr bundesweit, sondern nur noch in zehn Bundesländern vertreten, wie die Stiftung Warentest berichtet.
In sechs Bundesländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen) ist die BKK Firmus nicht mehr aktiv. Das heißt konkret: Wer gesetzlich versichert ist und in einem der genannten Länder lebt, kann nicht mehr zu ihr wechseln. Ausnahme: Versicherte arbeiten dort, wo die Kasse noch aktiv ist. Gesetzlich Versicherte, die bereits Mitglied sind, können weiterhin in der BKK Firmus versichert bleiben - unabhängig von ihrem Wohn- oder Arbeitsort.
Die BKK Firmus ist eine Betriebskrankenkasse mit mehr als einer Million Mitgliedern. Diese Art von Krankenkassen unterliegt bestimmten Vorschriften. So darf die Kasse nur in den Bundesländern wählbar sein, in denen die zugehörigen Trägerunternehmen auch eine Betriebsstätte betreiben. Dies sei jetzt nicht mehr bundesweit gegeben, weil es bei den Stammunternehmen organisatorische und strukturelle Änderungen gegeben habe, so die BKK Firmus. Einfluss darauf habe sie nicht.
BKK Firmus bedauert die Entwicklung
Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Bundesamt für Soziale Sicherung, überprüft solche Voraussetzungen in regelmäßigen Abständen und hat jetzt die Beschränkung auf zehn Bundesländer bei der Kasse durchgesetzt. Die BKK Firmus selbst bedauert die Entwicklung und kritisiert, dass es für die verschiedenen Kassenarten unterschiedliche Spielregeln gebe. Sie fordert daher, dass dies im Sinne der Versicherten reformiert werden sollte, um allen ein uneingeschränktes Wahlrecht zu ermöglichen.
Die unterschiedlichen Kassenarten in Deutschland sind historisch bedingt. Betriebskrankenkassen (BKK) etwa standen ursprünglich nur den Mitarbeitenden eines bestimmten Betriebes offen. Von diesen sogenannten geschlossenen BKK gibt es heute noch 20.
Die nun günstigste bundesweit geöffnete Krankenkasse ist die HKK mit einem Gesamtbeitrag von 17,19 (Zusatzbeitrag 2,59 Prozent). Die mit rund 12 Millionen Versicherten größte Krankenkasse - die Techniker - liegt im neuen Jahr bei 17,29 Prozent (Zusatzbeitrag 2,69 Prozent). Die zweitgrößte Kasse, die Barmer, ließ ihren Beitragssatz stabil bei den bisherigen 17,89 Prozent.
Der Krankenkassenbeitrag setzt sich aus dem für alle Kassen gleichen allgemeinen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent und dem individuell zu bestimmenden Zusatzbeitrag zusammen. Sowohl der allgemeine Beitragssatz als auch der Zusatzbeitrag werden zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und -gebern beziehungsweise von Rentnern und der Rentenversicherung getragen.