Ratgeber

Zusatzbeitrag gestiegen Diese Krankenkassen sind jetzt teurer

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Die Zusatzbeiträge liegen zwischen 0,3 und 1,8 Prozent.

(Foto: imago/Eibner)

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Krankenkassen ist in diesem Jahr konstant geblieben. Das heißt aber nicht, dass es keine Veränderungen gegeben hätte. Wo zahlen die Versicherten jetzt mehr? Und welche Kassen sind noch günstig?

Die Nachrichten, die Ende Oktober aus dem Bundesgesundheitsministerium kamen, klangen nicht schlecht: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen bleibe 2017 konstant bei 1,1 Prozent, hieß es damals. Im Vorjahr war er noch um 0,2 Prozentpunkte geklettert. Damals hatten rund zwei Drittel aller Kassen ihren Zusatzbeitrag angehoben. Und nun? Alles beim Alten?

Dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag nicht gestiegen ist, bedeutet keineswegs, dass es bei den einzelnen Kassen keine Veränderung geben würde. Basis für die Ermittlung sind nämlich nicht die tatsächlichen Werte, sondern Schätzungen. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ergibt sich aus der Differenz der prognostizierten Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Finanzreserven der einzelnen Kassen spielen bei der Berechnung keine Rolle.  

Es geht nur rauf, nicht runter

Und so gibt es auch in diesem Jahr durchaus einige Kassen, die an ihren Beiträgen geschraubt haben – wenn auch längst nicht so viele wie in der letzten Runde. Inzwischen haben sich alle 113 Anbieter festgelegt: 27 von ihnen  verlangen etwas mehr, günstiger ist keiner geworden. Ganz ohne Zusatzbeitrag kommt keine Kasse mehr aus. Auch die Metzinger BKK schlägt ab diesem Jahr 0,3 Prozent auf den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent auf. Damit ist sie aber immer noch eine der beiden günstigsten Kassen. Außer bei der AOK Sachsen-Anhalt liegt der Gesamtbeitrag sonst nirgends unter 15 Prozent.

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Die Kassen mit den größten Steigerungen sind nicht automatisch die teuersten.

Den deutlichsten Sprung nach oben machte die BKK RWE, sie hat den Zusatzbeitrag um 0,6 Prozent auf jetzt 1,3 Prozent angehoben. Die BKK Vital legte um 0,5 Prozent zu und sichert sich damit den unbeliebten Titel "teuerste Krankenkasse". Hier liegt der Gesamtbeitrag jetzt bei 16,4 Prozent. Mit 16,3 Prozent kaum günstiger: Die VIACTIV Krankenkasse, die früher unter dem Namen BKK vor Ort bekannt war, und die Merck BKK. Letztere ist um 0,25 Prozent teurer geworden.  

Spürbar mehr zahlen jetzt auch die Mitglieder der BKK Deutsche Bank AG, der Siemag AG, der BKK VDN und der BKK Henschel Plus. Alle Kassen haben zum neuen Jahr 0,4 Prozent auf den Zusatzbeitrag aufgeschlagen. Bei einem Bruttogehalt von 3000 Euro sind das immerhin 12 Euro mehr, die der Arbeitnehmer alleine tragen muss. Den allgemeinen Beitragssatz teilen sich die Versicherten dagegen mit dem Arbeitgeber. 

Nur zwei bleiben unter 15 Prozent

Und bei welchen Kassen kommen die Versicherten nun am günstigsten weg? Nur bei zwei Anbietern liegt der Zusatzbeitrag bei 0,3 Prozent, womit der Gesamtbeitrag unter 15 Prozent bleibt. Beide sind allerdings nicht bundesweit zugänglich. Die Metzinger BKK steht nur Mitgliedern in Baden-Württemberg offen, die AOK Sachsen-Anhalt – der Name lässt es vermuten – nur Mitgliedern in Sachsen-Anhalt.  Für Kunden aus Rheinland-Pfalz könnte die BKK Pfaff eine Alternative sein, hier liegt der Zusatzbeitrag bei 0,4 Prozent. So viel nimmt auch die BKK Scheufelen, die allerdings ebenfalls nur Versicherte aus Baden-Württemberg aufnimmt. Obwohl sie minimal teurer ist als die Metzinger BKK könnte sie die bessere Wahl sein. Sie bietet nämlich deutlich mehr Extras, etwa Gesundheitskurse, Vorsorgeuntersuchungen oder Schutzimpfungen.

Die günstigste bundesweit geöffnete Krankenkasse ist mit einem Zusatzbeitrag von 0,59 Prozent die HKK Erste Gesundheit, dicht gefolgt von der Firmus BKK mit 0,6 Prozent. Und die Lieblingskrankenkassen der Deutschen? Die Techniker hält den Zusatzbeitrag für ihre  rund 9,7 Millionen Versicherten konstant bei 1,0 Prozent. Die gut 9,4 Millionen Barmer-Versicherten zahlen weiterhin 1,1 Prozent und für die gut 5,9 Millionen Kunden der DAK-Gesundheit bleibt es bei 1,5 Prozent.

Wer sparen will, kann wechseln

Die meisten Kassen haben ihre Zusatzbeiträge im Dezember festgelegt und anschließend die Versicherten informiert. Wer die Erhöhung nicht mitmachen will, hat ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist läuft bis zum Ende des Monats, in dem der neue Beitrag erstmals erhoben wird. In aller Regel ist das der Januar. Ein Risiko gehen die Mitglieder bei der Kündigung nicht ein, schließlich herrscht in der gesetzlichen Krankenversicherung Aufnahmezwang. Es muss also keiner befürchten, plötzlich ohne Schutz dazustehen. Auch wenn die Kasse ihren Zusatzbeitrag nicht angetastet hat, kann man kündigen. Einzige Voraussetzung: Man war vorher mindestens 18 Monate dort versichert.

Wer bei einer etwas teureren Kasse ist, hat auf jeden Fall Sparpotential. Und muss dafür nicht einmal zum günstigsten Anbieter wechseln. Schon wenn der Zusatzbeitrag um 0,5 Prozent geringer ausfällt, merkt man das im Geldbeutel. Bei einem Bruttoeinkommen von 1500 Euro bringt das eine Entlastung von 7,50 Euro im Monat, bei 2500 Euro sind es 12,50 Euro. Und wer die Beitragsbemessungsgrenze von 4350 Euro überschreitet, spart gut 21 Euro, über 250 Euro im Jahr.

Versicherte, die ihrer bisherigen Versicherung zufrieden sind, sollten sich den Wechsel aber dennoch gut überlegen. Denn auch wenn der Leistungskatalog in weiten Teilen übereinstimmt, gibt es doch auch Unterschiede. So gibt es Kassen, die sportmedizinische Untersuchungen oder Vorsorgeuntersuchungen sponsern, andere beteiligen sich am Yogakurs und manche tun sich mit besonderen Leistungen für Schwangere und Kinder hervor. Dann kann sich ein etwas höherer Zusatzbeitrag schon wieder rechnen.

Quelle: ntv.de