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Tenhagens Tipps Einmal PKV, immer PKV?

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(Foto: imago stock&people)

Wer als Angestellter im Jahr mehr als 54.899 Euro verdient oder selbständig ist, kann sich privat krankenversichern. Hier winken bessere medizinische Leistungen und  in jungen Jahren günstige Beiträge. Doch mit dem Alter steigen die Beiträge erheblich an. Ob es dann noch ein Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung gibt, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen. 

n-tv.de: Geringe Wartezeit beim Arzt, bessere Behandlung: PKV ist eine gute Sache, oder?

Hermann-Josef Tenhagen: Die private Krankenversicherung ist ein interessantes Konzept, weil sie erst einmal mehr Leistung bietet. Mehr Leistung kostet aber auch mehr Geld. Unter anderem deswegen, weil der Arzt besser bezahlt wird. Auch wenn es am Anfang so scheint, als ob die PKV preiswerter wäre.

Mit zunehmendem Alter wird es dann aber teuer?

Genau. Viele Leute stellen dann fest, dass sie sich die Versicherung mit Mitte/Ende 50 nicht mehr bezahlen können. Noch dazu müssen die hohen Beiträge auch während der Rente geleistet werden – die gehen auch während des Rentenbezuges nicht zurück.

Kann man denn zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln?

Ja. Allerdings nur, wenn man pro Jahr als Angestellter weniger als 54.900 Euro (Jahresarbeitsentgeltgrenze)  verdient.  Man kann dazu die Arbeitszeit verringern, ein Sabbatical einlegen oder, wenn der Bruttolohn nur wenig über der genannten Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt, auch in die betriebliche Altersvorsoge einzahlen.  Und auch eine Arbeitslosigkeit ermöglicht die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Unser Ratgeber dazu ist dieses Jahr schon 150.000 mal abgerufen worden.

Reicht es auch, wenn die Arbeitszeit nur vorübergehend reduziert wird?

Theoretisch ja. Allerdings darf im geänderten Arbeitsvertrag keine Befristung fixiert sein. Was tatsächlich mit dem Chef über eine spätere Wiederanhebung der Arbeitszeit vereinbart wurde, darf dort nicht stehen.

Welche Möglichkeit haben Selbständige?

Als Selbstständiger kann man sich nach Aufgabe der Selbständigkeit gegebenenfalls beim Ehepartner familienversichern lassen. Oder aber man meldet sich arbeitslos. Was aber natürlich auch eine Aufgabe der unternehmerischen Tätigkeit bedeutet. Wenn die Möglichkeit besteht, kann auch ein Wechsel ins Angestelltenverhältnis sinnvoll sein.

Gibt es für einen Wechsel eine Altersbeschränkung?

Ja, die gibt es. Wer älter als 55 Jahre ist, kann nur noch dann wechseln, wenn er oder sie in den letzten fünf Jahren wenigstens einen Tag lang in der GKV war.

Und Rentner?

Die hängen fest und haben keine Möglichkeit, wieder zurückzukommen. Kürzlich habe ich mit einem Ehepaar gesprochen, welches zusammen 2000 Euro Rente erhält. Denselben Betrag mussten sie für ihre PKV berappen. Nur ein Wechsel innerhalb der Versicherung auf einen Basistarif ließ die Belastung auf 750 Euro sinken – allerdings können noch Zuzahlungen dazukommen.

Wer setzt denn von vornerein besser auf die gesetzliche Krankenversicherung?

Alle, die im Alter über nicht viel Geld verfügen werden. Oder andersherum formuliert: Beamte sind in der PKV gut aufgehoben, sie würden in der GKV draufzahlen. Bei Angestellten und Selbständigen ist es so, dass wenn man eine Lebenszeitbilanz erstellen würde, in der PKV mehr Geld für bessere Leistungen bezahlt würde. Und das muss man sich insbesondere in späteren Jahren leisten können.  Und auch Familien mit Kindern sind normalerweise in der GKV besser aufgehoben, da diese ansonsten extra privat versichert werden müssen – was auch wieder leicht 150 Euro pro Monat und Kind ausmachen kann.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de, awi

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