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EU-Verordnung zum Streaming Fallen jetzt die Ländersperren?

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Lizenzen werden nach dem Territorialprinzip vergeben. Deshalb sind in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Inhalte verfügbar.

(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Die Lieblingsserie im Ausland streamen? Klappt nicht immer - auch nicht, wenn man dafür bezahlt hat. Nun schränkt die EU das lästige Geoblocking ein. Was heißt das für die Nutzer?

Es ist schon nervig. Da nimmt man extra das Tablet mit auf die Reise, um Filme, Serien oder Musik zu streamen. Doch statt des gewünschten Programms erscheint auf dem Display nur die Meldung, dass der Inhalt im jeweiligen Land nicht verfügbar ist. Nicht nur kostenlose Mediatheken und Videoportale sperren bestimmte Sendungen oder Videos wegen fehlender Lizenzrechte. Auch kostenpflichtige Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime Instant Video oder iTunes geben ihre Inhalte nicht in allen Ländern frei. Zum Ärger derjenigen, die dafür bezahlen: In einer Umfrage des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wünschten sich 64 Prozent der zahlenden Streaming-Kunden, dass sie die Angebote zumindest in allen EU-Ländern abrufen können. Ab 2018 werden sie diesen Ansprüchen ein gutes Stück näher kommen. Das Europäische Parlament hat kürzlich die sogenannte Portabilitätsverordnung verabschiedet. Die Hintergründe:

Warum gibt es überhaupt Ländersperren?

Eigentlich sollten alle Verbraucher in der EU gleichberechtigten Zugang zu Waren und Dienstleistungen haben, so schreibt es jedenfalls die EU-Dienstleistungsrichtlinie vor. Aber es gibt Ausnahmen. Unter anderem dann, wenn Rechte am geistigen Eigentum verletzt werden. Genau das ist das Problem bei den Ländersperren. Derzeit gilt im Urheberrecht das sogenannte Territorialprinzip: Lizenzen für Inhalte werden für jedes Land einzeln vergeben, was im Sinne der Produzenten, insbesondere der Filmwirtschaft, ist. Wenn ein Anbieter wie Netflix beispielsweise die Lizenzrechte an einer Serie für Deutschland erwirbt, aber nicht für Spanien, kann man die Serie im Spanienurlaub eben nicht sehen, obwohl man bezahlt hat.   

Lassen sich die Sperren umgehen?

Voraussetzung der Ländersperren ist eine sogenannte Geo-IP-Filterung. Über die IP-Adresse lässt sich zurückverfolgen, aus welchen Land der Nutzer auf die Seite zugreift. Hält er sich an einem Ort auf, an dem der Inhalt nicht freigegeben ist, wird er nicht angezeigt. Findige Nutzer umgehen die Sperren durch Proxy-Server, die in einem anderen Land stehen. Die Performance kann dann allerdings wacklig sein und nicht immer wird die User-IP verschleiert. Praktischer sind Virtual Private Networks (VPN), die Server auf der ganzen Welt unterhalten. Sie ermöglichen anonymes Surfen weltweit, allerdings kostet das ein paar Euro im Monat.    

Was hat das EU-Parlament nun beschlossen?

Das Parlament hat eine Verordnung zur "Gewährleistung der grenzüberschreitenden Portabilität von Online-Inhaltediensten im Binnenmarkt" verabschiedet. Die EU-Kommission hatte die Neuregelung bereits 2015 auf den Weg gebracht. Ziel: Wer für Streaming-Dienste bezahlt, soll sie überall in der EU nutzen können – und zwar im gleichen Umfang und in der gleichen Qualität wie im Heimatland. Wer ein Familienabo abgeschlossen hat, muss also auch im Ausland über mehrere Geräte Zugriff haben.

Eine Einschränkung gibt es aber: Die Regelung bezieht sich ausdrücklich auf vorübergehende Auslandsaufenthalte, etwa Urlaube oder Geschäftsreisen. Wie lange "vorübergehend" ist, lässt die Verordnung offen. Ein mehrwöchiger Urlaub dürfte kein Problem sein, ein Auslandssemester möglicherweise schon. Es bleibt abzuwarten, wie die Anbieter die Vorgabe interpretieren.

Wann wird die Verordnung wirksam?

Im Frühjahr 2018 tritt die Neuregelung in Kraft, neun Monate nach der Veröffentlichung im Amtsblatt. Die Streaming-Betreiber haben zugesichert, die Vorgaben so bald wie möglich umzusetzen.

Kann man jetzt ein günstigeres Streaming-Abo oder Pay-TV-Angebot im Ausland abschließen und in Deutschland nutzen?

Nein. Zum einen spricht die zeitliche Befristung dagegen. Zum anderen geht das nur, wenn man den Hauptwohnsitz tatsächlich in dem jeweiligen Land hat. Um das zu verifizieren, können die Anbieter etwa beim Abschluss des Abos den Ausweis überprüfen. Daneben können sie andere Informationen nutzen, um die Herkunft zu klären, etwa die Kontonummer oder die Rechnungsanschrift, aber auch öffentlich einsehbare Steuerdaten. Die Anmeldung könnte künftig also komplizierter werden.

Lassen sich dann wirklich alle Inhalte im Ausland streamen?

Nein. Die Regelung bezieht sich auf kostenpflichtige Onlinedienste, die Filme, Serien, Musik oder Spiele anbieten. Werbefinanzierte Angebote, also beispielsweise Basis-Konten bei Spotify oder Google Music, sind davon ausgenommen. Die öffentlich-rechtlichen Sender können ihre Live-Streams oder Mediatheken also weiterhin auf Deutschland beschränken, um Lizenzrechte nicht zu verletzen. Das passiert insbesondere bei Sportübertragungen oder Filmen.

Quelle: n-tv.de

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