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Parship macht Widerruf teuer Gebühren statt heißer Küsse

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Bei Ärger mit der Partnervermittlung kann man sich an die Verbraucherzentralen wenden.

(Foto: imago/Westend61)

Eigentlich soll es ja innerhalb von 11 Minuten geknallt haben bei der Online-Partnervermittlung Parship. Wer am Angebot zweifelt und seinen Vertrag widerruft, soll trotzdem zahlen. Zum Ärger von Betroffenen und Verbraucherschützern.

Die Sehnsucht nach Liebe, Sex und Zärtlichkeit ist groß, auf die Schnelle aber kein geeigneter Partner zu Hand. Warum also nicht die Dienste eines Online-Partnervermittlers in Anspruch nehmen? Zum Beispiel Parship. Verspricht dieser doch in seiner Werbung, dass sich hier alle 11 Minuten ein Single verliebt. Dass dem wohl nicht so ist, ist eine andere Geschichte, aber aus welchen Gründen auch immer:  Kunden, denen das Angebot nicht zusagt,  können innerhalb von 14 Tagen von ihrem Vertrag zurücktreten. Dies ist ihr gutes (Widerrufs-)Recht. Natürlich kostenlos.

Parship sieht das allerdings anders und berechnet Verbrauchern, die ihren Vertrag fristgerecht widerrufen haben, gerne einen Wertersatz für genutzte Kontakte von bis zu drei Vierteln des Jahresabopreises, wie die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) berichtet. Sie hält das Vorgehen von Parship allerdings für unzulässig, da es geeignet ist, Verbraucher von der Ausübung ihres Widerrufsrechts abzuhalten. Die Verbraucherschützer halten die Forderungen für überhöht und nur einen weitaus geringeren Wertersatz für zulässig, etwa anteilig zur vereinbarten Dauer des Vertrags. Die vzhh hat das Unternehmen daher erst abgemahnt und dann verklagt. Ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg in zweiter Instanz wird Ende Februar ergehen.

Die vzhh rät ehemaligen Kunden ebenfalls zur Klage, denn wie sie berichtet, hat das Amtsgericht Hamburg mit zahlreichen Versäumnisurteilen den Partnervermittler in den vergangenen Monaten verpflichtet, Geld an ehemalige Kunden zurückzuzahlen. Die Spanne reicht von kleineren Beträgen um die 20 Euro bis hin zu höheren Summen von mehreren 100 Euro, die zuzüglich Zinsen in Höhe von fünf Prozent von der Partnervermittlung beglichen werden müssen. Darüber hinaus musste Parship die Anwalts- und Gerichtskosten für die Verfahren in diesen Fällen komplett tragen. 

"Auch wenn Parship ehemaligen Kunden zurzeit etwas anderes suggeriert, die Chancen, zu viel gezahltes Geld wiederzusehen, stehen vor Gericht gut", meint Julia Rehberg von vzhh. Dennoch und trotz des geringen finanziellen Risikos nähmen viele Betroffene die Forderungen einfach hin und ließen es nicht auf ein Gerichtsverfahren ankommen. "Das ist ärgerlich, denn jeder nicht geführte Prozess spült unrechtmäßig Geld in die Kassen von Parship", so Rehberg. 

Der Online-Partnervermittler sieht die Sache naturgemäß anders und legt Wert auf die nachfolgende Stellungnahme:

"Bei Parship gilt das 14-tägige Widerrufsrecht. Innerhalb dieser Frist können unsere Mitglieder ihren Vertrag ohne jegliche Begründung per Brief, Fax oder E-Mail widerrufen. Innerhalb der Widerrufsfrist erstatten wir unseren Kunden den Mitgliedsbeitrag für ihre Premium-Mitgliedschaft selbstverständlich zurück. Wir behalten uns jedoch Wertersatz vor. Das bedeutet: Wenn ein Kunde innerhalb der Widerrufsfrist Kontakt zu anderen Parship-Mitgliedern knüpft und sich dann entschließt, den Vertrag zu widerrufen, berechnen wir für diese Kontakte Wertersatz.

Diese Regelung dient in erster Linie dem Schutz und der Zufriedenheit der Mitglieder. Denn anders als bei anderen Anbietern geht es bei Parship nicht um kurzfristige Flirts und Affären, sondern um die Suche nach einer langfristigen, stabilen Partnerschaft. Bei Parship dient die Anzahl der geknüpften und garantierten Kontakte – also der Kern der Dienstleitung – als Basis für den Anspruch auf Wertersatz.

Eine laufzeitbezogene Berechnung des Wertersatzes, also basierend auf der Anzahl der Nutzungstagen im Rahmen der Widerrufsfrist, wie sie beispielsweise von der Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) gefordert wird, kann diesen Schutz nicht gewährleisten. Im Gegenteil: Sie würde all jenen Tür und Tor öffnen, die massenhaft E-Mails versenden, um binnen kürzester Zeit so viele Kontakte wie möglich zu knüpfen. Dies widerspricht nicht nur dem Anspruch und dem Geschäftsmodell von Parship, sondern untergräbt auch das Vertrauen all jener Mitglieder, die auf der Suche nach einer stabilen Beziehung und einem ernsthaften, langfristigen Austausch sind.

Klar ist: Der generelle Anspruch unseres Unternehmens auf Wertersatz ist – auch seitens der Verbraucherzentrale Hamburg – unstrittig.  Parship und die vzhh haben allerdings eine unterschiedliche Rechtsauffassung im Hinblick auf die Berechnungsgrundlage des individuellen Wertersatzes. Deshalb hat die Vzhh Klage eingereicht. Am 26. Januar 2017 ist im Verfahren vor dem OLG Hamburg das mündliche Urteil ergangen. Darin hat das OLG Hamburg deutlich gemacht, dass es eine Laufzeit abhängige Berechnung des Wertersatzes – wie sie die vzhh fordert – für nicht richtig hält.  Die vzhh hat die Möglichkeit gegen das Urteil Revision einzulegen. Damit ist es noch nicht rechtskräftig. So oder so bleibt die Rechtslage mit dem Urteil des OLG weiter unverändert und Parship kann und wird an seiner bestehenden Wertersatzregelung festhalten, wonach die Anzahl der Kontakte die Berechnungsgrundlage für die Höhe des Wertersatzes bildet. Entsprechend überrascht sind wir über die aktuelle Pressemitteilung der vzhh, die dieses Urteil mit keiner Silbe erwähnt."

Quelle: n-tv.de, awi

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