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Odyssee in Hellas? Griechenland-Urlauber können cool bleiben

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Traumstrände, malerische Bergdörfer und Kulturdenkmäler noch und nöcher - auch in der Krise ist Griechenland ein Traum für Urlauber.

(Foto: imago/Anka Agency International)

Griechenland droht der Staatsbankrott, wenn es sich nicht bis zum 30. Juni mit seinen Geldgebern einigt. Ist die unsichere Situation ein Grund, Reisepläne aufzugeben? Nicht unbedingt. Kostenlose Stornierungen wären ohnehin nicht drin.

Endlose Sandstrände mit kristallklarem Wasser, karge Gebirgsketten, unterbrochen von atemberaubenden Schluchten, eine Fülle von Kulturschätzen, abwechslungsreiche Küche – Griechenlands Wirtschaft mag am Boden liegen, doch für sonnenhungrige Reisende hat Hellas nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Im Gegenteil: 22 Millionen Touristen verbrachten 2014 ihren Urlaub auf dem Festland oder einer der zahllosen Inseln, weitere 2,5 Millionen machten mit Kreuzfahrtschiffen Station. Der Rekordwert sollte in diesem Jahr noch überboten werden, der Verband der griechischen Tourismusindustrie SETE rechnete zunächst mit 25 Millionen Besuchern. Doch daraus wird womöglich nichts. "In den letzten beiden Monaten verzeichnen wir einen gewissen Buchungsrückgang, auch und gerade in Deutschland", sagte SETE-Chef Andreas Andreadis Ende Mai gegen über der Deutschen Welle. Die ungewisse Zukunft beeinträchtige das Tourismusgeschäft.

Fragt man bei den Reiseveranstaltern nach, hört sich das anders an: "Griechenland ist auch in diesem Sommer wieder stark nachgefragt – es ist bei uns das viertbeliebteste Reiseziel", sagt Isabell Partasides von der Thomas Cook AG n-tv.de. Auch Tui meldet eine ungebrochen gute Nachfrage. L'Tur-Sprecher Thomas Plünnecke kann ebenfalls keinen Buchungsrückgang bestätigen: "Mit Rhodos und Kreta gehören aktuell beispielsweise gleich zwei griechische Destinationen zu den zehn beliebtesten Urlaubszielen unserer Kunden." Kleinere Anbieter würde ein Nachfrageeinbruch besonders hart treffen, doch auch dort gibt es aktuell noch keinen Grund zur Beunruhigung. "Bei uns läuft das Jahr 2015 genauso wie 2014: sehr gut", freut sich Panagiotis Vonikakis von Voni-Reisen, einem Hamburger Griechenland-Spezialisten.

Pauschalreisende haben nichts zu befürchten

Vonikakis hält einen Grexit, also den Ausstieg Griechenlands aus dem Euro, für unrealistisch. Doch was, wenn sich Griechenland bis zum 30. Juni nicht mit seinen Geldgebern auf eine zufriedenstellende Lösung einigen kann? Schon vor drei Jahren stand das Land am Rande eines Staatsbankrotts, die Touristen – zumindest die auf den Inseln - bekamen davon allerdings wenig mit. Auch heute hätten Pauschalreisende wenig zu befürchten, wenn es zum Äußersten käme. "Die touristischen Leistungen wie Flüge, Hotelübernachtungen oder Bustransfers sind eingekauft und vertraglich abgesichert", sagt Anja Braun von der Tui Group. Sprich: Wer gebucht hat, kann sich darauf verlassen, dass er Leistungen zum vereinbarten Preis auch bekommt. Das gilt auch für Versicherungen wie den Reiseschutz. Nebenkosten könnten für Urlauber im Falle einer Währungsumstellung sogar "deutlich preiswerter" ausfallen, so Isabella Partasides.

Wer auf eigene Faust reist, zahlt die Unterbringung meist direkt vor Ort. Das dürfte auch künftig in Euro gehen, denn mit dem Grexit würde das bisherige Zahlungsmittel wohl nicht sofort ungültig. Im unwahrscheinlichen Fall, dass es so weit kommt, ist es wahrscheinlicher, dass der Euro eine ganze Weile als Parallelwährung weiter akzeptiert würde. Auf jeden Fall kann es nicht schaden, sich mit ausreichend Bargeld einzudecken. Ist der Staatsbankrott offiziell, würde das Land sehr wahrscheinlich Kapitalverkehrskontrollen einführen. Am Geldautomaten könnte man dann nur noch sehr begrenzte Beträge abheben. Und falls die Banken schließen, wird die EC-Karte als bargeldloses Zahlungsmittel unbrauchbar. Dann hilft einem nur noch eine Kreditkarte weiter.

Im Vergleich ist Griechenland günstig

Würde tatsächlich die Drachme wieder eingeführt, könnten Urlauber womöglich von billigeren Preisen vor Ort profitieren, denn die Währung würde wohl abgewertet. Schon jetzt ist das Leben in Griechenland relativ preiswert, wie der gerade veröffentlichte Kaufkraftvergleich des Deutschen Bankenverbandes zeigt. Waren und Dienstleistungen, für die man in Deutschland 1,18 Euro zahlt, bekommt man in Griechenland für einen Euro. Portugal ist noch ein gutes Stück günstiger, Italien liegt mit Deutschland gleichauf, in Frankreich ist das Preisniveau etwas höher.

Das größte Risiko für Urlauber dürften derzeit wohl Streiks sein. Diese drohen, sollte das bankrotte Land keine Gehälter mehr bezahlen können. Ein landesweiter Generalstreik könnte auch für Pauschaltouristen unangenehm werden, wenn beispielsweise am Flughafen nichts mehr geht. Bislang ist es aber nie soweit gekommen. Reiseveranstalter dürfen und müssen zudem einiges dafür unternehmen, ihren Kunden einen unbesorgten Urlaub zu ermöglichen, wie Anja Braun von Tui bekräftigt: "Wir haben für unsere Gäste eine große touristische Organisation vor Ort und arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich mit vielen Partnern und Behörden zusammen." Wer auf eigene Faust unterwegs ist, muss sich im Ernstfall selbst kümmern. Von Vorteil dürfte es dabei sein, wenn man mit einer etablierten Airline mit deutscher Servicehotline unterwegs ist.

Und wenn man schon gebucht hat und jetzt dennoch kalte Füße bekommt? Solange in Griechenland keine bürgerkriegsähnlichen Zustände ausbrechen, wird ein Reiserücktritt teuer. "Kostenlose Umbuchungen und Stornos setzen eine objektive Gefährdung der Sicherheit oder der Gesundheit voraus", so Partasides. "Dies ist in Griechenland nicht der Fall."

Quelle: n-tv.de

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