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Letzter Wille mal anders Ist Testament auf Tischplatte unwirksam?

Formulierungen im Testament

Hoffentlich fehlt nicht die Unterschrift.

(Foto: dpa-tmn)

Testamente müssen wenigen Formvorschriften genügen. Daher ist es im Prinzip auch egal, ob ein Erblasser seinen letzten Willen auf ein Blatt Papier oder einen Tisch schreibt. Eines darf aber nicht fehlen.

Wo ein Testament niedergeschrieben wird, hat keinen Einfluss auf seine Wirksamkeit. Der letzte Wille ist auch dann gültig, wenn der Erblasser ihn mit Filzstift auf eine Tischplatte geschrieben hat, heißt es in der Zeitschrift "NJW Spezial" (Heft 21, 2020) mit Blick auf ein Urteil des Amtsgerichts Köln (Az.: 30 VI 92/20). Allerdings muss auch in diesem Fall das Testament unterschrieben werden.

Der Fall

Ein Erblasser schrieb vor seinem Tod sein Testament mit Filzstift auf die Platte eines Holztisches. Darin setzte er eine Frau als Alleinerbin für sein ganzes Vermögen ein. Dem Text auf der Tischplatte fehlte allerdings die Unterschrift.

Der Erblasser hatte auch einen Bruder, der zwischenzeitlich in einem handschriftlichen Testament ebenfalls zum Alleinerben erklärt worden war. Diese Erbeinsetzung hatte der Verstorbene allerdings handschriftlich widerrufen und die entsprechenden Papiere auf den Holztisch mit dem Testament gelegt. Die Frau beantragte nun einen Alleinerbschein.

Das Urteil

Die Richter wiesen den Antrag ab. Dem Testament auf dem Holztisch fehle ein entscheidendes Merkmal: die Unterschrift. Daher sei das Holztischtestament hier unwirksam. Grundsätzlich sei es aber zulässig, seinen letzten Willen auf eine Tischplatte zu schreiben, betonte das Gericht. Denn die Verwendung ungewöhnlicher Materialien und nicht alltäglicher Schreibmaterialien sei gesetzlich nicht untersagt. Zwingend notwendig sei aber die Signatur.

Drei grundsätzliche Tipps zum Verfassen eines Testaments:

1. Die richtige Form

Füller oder Kugelschreiber benutzen viele im Alltag immer seltener. Wer sein Testament verfassen möchte, sollte sich aber nicht an den Computer setzen. Denn wenn man es selbst verfasst, ist ein Testament nur in der handschriftlichen Form auch wirksam. Ein ausgedrucktes Dokument hat keine Gültigkeit. Wichtig ist auch, dass die Unterschrift nicht fehlen darf. Die Alternative ist ein notarielles Testament. Das kann sich bei großen Vermögen oder vielen Erben lohnen.

2. Die richtige Verteilung

Bevor das Testament geschrieben wird, sollten sich Erblasser einen Überblick darüber verschaffen, was sie hinterlassen möchten. Wichtig: Zum Erbe gehören im Zweifel auch Schulden, zum Beispiel ein Immobilienkredit. Hilfreich für die Erben ist eine Auflistung der Vermögenswerte. Festgelegt werden sollte auch, wer erben soll. Gut ist es, wenn im Testament steht, wie das Erbe aufgeteilt und wer welche Teile des Nachlasses bekommen soll.

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3. Die richtigen Worte

Bei Testamenten kommt es auf jedes Wort an. Bleibt etwas unklar, müssen nach dem Tod im Zweifel Gerichte die Worte auslegen. Die Tücke liegt dabei im Detail. Beispiel Geld: In Testamenten ist oft von Barvermögen die Rede. Für Juristen ist damit in der Regel nicht nur Bargeld in der Geldbörse oder im Sparschwein gemeint, erklärt das Deutsche Forum für Erbrecht. Der Begriff kann so ausgelegt werden, dass damit Vermögen gemeint ist, das kurzfristig verflüssigt werden kann - zum Beispiel Wertpapiere im Depot. Hier sollten also im Testament möglichst genaue Angaben gemacht werden.

Quelle: ntv.de, awi/dpa