Ratgeber

Schneller als erlaubt unterwegs Kleine Temposünde nur Kavaliersdelikt?

Wer die Geschwindigkeitsbegrenzung überschreitet, dem droht nicht immer ein Entzug der Fahrerlaubnis. Zum Beispiel, wenn nachweislich festgestellt werden kann, dass die Tachoanzeige defekt ist. Foto: Patrick Pleul

10 km/h zu schnell können über Leben und Tod entscheiden.

(Foto: dpa)

Wer immer etwas schneller fährt als erlaubt, riskiert doch höchstens ein kleines Bußgeld, heißt es oft. Sonst gibt es kein Risiko. Ob das stimmen kann?

Sie kennen doch bestimmt auch jemanden, der grundsätzlich 10 km/h schneller fährt als erlaubt? "Kann ja nichts passieren, innerorts kostet das nur 15 Euro", kommt dann oft als Erklärung.

Kann wirklich nichts passieren? Doch - die 10 km/h können über Leben und Tod entscheiden, erläutern Sachverständige von Dekra. Als Beispiel dient eine Tempo-30-Zone. Hier entscheidet die Differenz darüber, ob im Ernstfall gar kein Unfall passiert oder aber ein Zusammenprall mit Schwerverletzten oder Toten zu erwarten ist.

Besser langsam fahren

In der Beispielrechnung rennt ein Kind etwa 13 Meter vor einem Auto auf die Straße. Fährt dessen Fahrer genau 30 km/h, kann er noch mit einer Vollbremsung reagieren und vor dem Kind anhalten. Mit 40 km/h verlängert sich die Anhaltestrecke auf 19,3 Meter. Dann prallt das Auto noch mit rund 35 km/h gegen das Kind. Bei diesen Geschwindigkeiten sind schwerste bis tödliche Verletzungen nicht selten, so Dekra.

Fährt der Fahrer sogar 20 km/h schneller als erlaubt, kommt es noch innerhalb der Reaktionszeit des Fahrers zum Aufprall - also mit der vollen Wucht von 50 km/h. "Für Autofahrer ist es wichtig, die zulässige Geschwindigkeit einzuhalten und in Straßen mit schwer einsehbaren Bereichen gegebenenfalls langsamer als maximal zulässig zu fahren", rät Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf.

Tempomat nur ein Hilfsmittel

Übrigens: Auch ein Tempomat schützt bei einer Geschwindigkeitsübertretung nicht vor Strafe, wie ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Köln (Az.: III-1 RBs 213/1) zeigt. In den verhandelten Fall war ein Fahrer in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten. Sein Fahrzeug hatte außerhalb das zulässige Tempo um 22 Kilometer pro Stunde überschritten. Der Fahrer sollte nun eine Geldbuße von 100 Euro bezahlen.

Gegen den Bußgeldbescheid legte der Fahrer Einspruch ein. Denn er bezweifelte, dass die Messung richtig war. Er argumentierte, sein Auto sei mit einem Tempomat und Verkehrszeichenerkennung ausgerüstet. Sein Wagen werde dadurch automatisch heruntergebremst, wenn er ein Tempolimit passiert. Das Amtsgericht Aachen verurteilte den Fahrer dennoch, woraufhin der Mann eine Rechtsbeschwerde einlegte.

Die OLG-Richter lehnten dies jedoch ab. Das Urteil des Amtsgerichtes sei korrekt. Denn es sei allgemein anerkannt und ausgeurteilt, dass derartige Systeme lediglich Hilfsmittel darstellten. Der Autofahrer sei jederzeit verpflichtet, selber zu überwachen, ob seine Fahrweise den Verkehrsregeln entspricht. Eine Berufung auf Assistenzsysteme sei daher nicht erfolgversprechend, und andere Anhaltspunkte für eine Fehlmessung habe es nicht gegeben.

Quelle: ntv.de, awi/dpa