Ratgeber

Krankenkassen im Vergleich Manche leisten jetzt weniger

Viele Krankenkassen haben zum Jahresbeginn an ihren Beitragssätzen geschraubt. Was dabei etwas unterging: Auch der Leistungskatalog hat sich bei einigen Anbietern verändert. So dürfte sich beispielsweise der günstigere Beitrag der Techniker nicht für jeden bezahlt machen.

Seit Jahresbeginn herrscht wieder mehr Vielfalt in der gesetzlichen Krankenversicherung. Zusätzlich zum Einheitsbeitrag von 14,5 Prozent dürfen die Kassen beliebig hohe Zusatzbeiträge erheben. Den neuen Spielraum haben viele Anbieter genutzt, um ihre Preise zu senken oder zu erhöhen. Einige haben aber auch an ihren Leistungen geschraubt. Die Stiftung Warentest hat sich die Neuerungen in der neuen "Finanztest"-Ausgabe näher angesehen.

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Seit Anfang des Jahres liegt der Beitragssatz einheitlich bei 14,5 Prozent. Fast alle Kassen verlangen Zusatzbeiträge.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Die meisten Kassen haben ihre Beiträge seit dem 1. Januar nicht mehr verändert. Nur die Securvita BKK ist zum 1. Juli um 0,2 Prozentpunkte teurer geworden und nimmt jetzt 15,7 Prozent, die IKK Nord hat gleich 0,4 Prozentpunkte draufgeschlagen und ist nun mit 15,9 Prozent neben der Brandenburgischen BKK die teuerste Kasse. Die meisten der zehn größten Anbieter haben es dagegen schon zum Jahresbeginn beim vorherigen Beitragssatz von 15,5 Prozent belassen. Nur die AOK Plus nutzte die Gelegenheit für eine deutliche Absenkung auf 14,9 Prozent, die TK setzte den Beitrag bei 15,4 Prozent fest. 

Techniker zahlt weniger für Osteopathie

Allerdings hat die mitgliederstärkste Kasse Deutschlands nicht nur ihren Beitrag heruntergesetzt, sondern auch ihre Leistungen. Der einstmals großzügige Zuschuss für Osteopathiebehandlungen wurde von 360 auf 120 Euro gekürzt. Für Patienten, die regelmäßig zum Osteopathen gehen, ist die TK damit deutlich unattraktiver geworden, viele andere Kassen übernehmen weiterhin 360 Euro oder sogar mehr. Am großzügigsten ist die BKK Technoform, sie bezahlt bis zu 480 Euro. Allerdings nimmt die Kasse nur Mitglieder aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz auf. Den Zuschuss zur professionellen Zahnreinigung hat die TK gleich ganz gestrichen, allerdings war das Angebot auch vorher nicht wirklich überzeugend, weil nur Behandlungen in wenigen Partnerpraxen subventioniert wurden.

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Die Zuschüsse zu osteopathischen Behandlungen variieren stark. Manche Kassen zahlen gar nichts.

(Foto: imago/UIG)

Auch die Barmer GEK spart bei der Zahnreinigung. Gab es vormals noch 20 Euro Zuschuss für Zahnreinigungen, die im Partner-Netzwerk durchgeführt wurden, müssen die Versicherten heute die Kosten alleine tragen. Osteopathie bezuschusst die Barmer nun gar nicht mehr, die Versicherten können sich lediglich bis zu 50 Euro pro Jahr über ein Bonusprogramm gutschreiben lassen. Auch die DAK Gesundheit hat in Sachen Osteopathie zurückgeschraubt, übernimmt aber noch bis zu 120 Euro im Jahr. Für verheiratete Paare mit unerfülltem Kinderwunsch könnte die Kasse jedoch eine neue Anlaufstelle sein. Wenn beide Partner bei der Kasse versichert sind, übernimmt die DAK schon seit September letzten Jahres die vollen Kosten für eine künstliche Befruchtung. Gesetzlich vorgeschrieben sind nur 50 Prozent.      

Zugelegt hat auch die AOK Baden-Württemberg. Sie zahlt jetzt bis zu 50 Euro für Reiseimpfungen und 80 Euro für alternative Heilmittel. Den Osteopathiezuschuss von 120 Euro gibt es jetzt nicht mehr nur für Säuglinge, sondern für alle Versicherten. Werdende Mütter können außerdem bis zu 120 Euro für die Hebammenrufbereitschaft geltend machen. Viele andere Kassen übernehmen aber auch mehr als doppelt so viel. Insgesamt dürfen die Versicherten für die verschiedenen Leistungen nicht mehr als 150 Euro in Anspruch nehmen, Schwangere haben ein Limit von 250 Euro. Auch die AOK Bayern setzt auf dieses Gesundheitskonto-Modell. Sie hat bei Reiseimpfungen und alternativen Arzneien zugelegt und übernimmt nun auch alle zwei Jahre 40 Euro für eine Zahnreinigung. Diese und weitere Extras sind allerdings auf 100 Euro im Jahr limitiert.

Dass ein niedriger Beitragssatz nicht unbedingt mit Leistungseinschränkungen einhergeht, zeigt die AOK Plus. Die 14,9-Prozent-Kasse hat ihr Bonusprogramm gekürzt, bei den Extras ist aber alles beim Alten geblieben. Die Kasse nimmt allerdings nur Versicherte aus Sachsen und Thüringen auf.

Manche Kassen sind kulant

Reiseimpfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Zahnreinigung, Homöopathie, Künstliche Befruchtung oder Haushaltshilfen – Versicherte in unterschiedlichen Lebenssituationen haben auch unterschiedliche Ansprüche und kaum eine Kasse kann alle erfüllen. Vergleichsmöglichkeiten zu den Zusatzleistungen findet man bei der Stiftung Warentest, aber auch auf Vergleichsportalen wie gesetzlichekrankenkassen.de

Wer wechseln möchte, kann das mit zwei Monaten Vorlauf tun, sofern er mindestens 18 Monate beim bisherigen Anbieter versichert war. Bevor man wegen einer einzelnen Extraleistung kündigt, empfiehlt es sich aber, mit der Krankenkasse zu reden, rät "Finanztest". Kassen möchten ungern Versicherte verlieren und zeigen sich bisweilen kulant, so dass man doch noch das bekommt, was man möchte.

Quelle: ntv.de, ino

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