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Private Vorsorge tut not Mit ETFs fürs Alter sparen - aber wie?

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Als armutsgefährdert gelten Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens leben müssen. 2019 lag die Schwelle bei 14.109 Euro Jahreseinkommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Über eine Million Menschen über 75 sind von Armut bedroht. Wer das verhindern und für das Alter vorsorgen will, für den führt an Wertpapieren kein Weg vorbei. Insbesondere mit ETFs lässt sich die eigene Rente gut aufbessern, egal ob für langjährige Anleger oder Neueinsteiger. Eine Anleitung in sechs Schritten.

Wer bei der Altersvorsorge nur auf die gesetzliche Rente vertraut, findet am Ende seines Arbeitslebens häufig nur einen überschaubaren Betrag vor. Um richtig für das Alter vorzusorgen, heißt es deshalb: privat vorsorgen. Angesichts der Minizinsen auf Fest- und Tagesgeldkonten sind Wertpapier-Anlagen dabei besonders attraktiv.

Wer sich nicht an Aktien und Anleihen herantraut, setzt dabei gerne auf Fonds. In den letzten Jahren haben dabei vor allem börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, an Beliebtheit gewonnen. Einer ihrer Vorteile: Weil ETFs ohne Fondsmanager auskommen, sind die Gebühren niedrig. Genau das macht sie auch für den langfristigen Vermögensaufbau, etwa für die Altersvorsorge, interessant.

Der Einstieg in den ETF-Markt lässt sich dabei in sechs Schritten zusammenfassen:

1. Risikobereitschaft klären

ETFs

Immer mehr Anleger entdecken ETFs für sich. Wie Sie von der Geldanlage mit börsengehandelten Indexfonds profitieren und was es bei den börsengehandelten Indexfonds zu beachten gilt, fasst Capital+ in einem sechsteiligen ETF-Dossier zusammen.

Menschen nähern sich dem Thema Geldanlage meist von der Seite des Risikos. Im Umgang mit ETFs sollten sich Anleger deshalb zwei Fragen beantworten: Behalte ich auch bei Kurstälern die Nerven? Und bin ich bereit, mich ein wenig in die komplex klingende ETF-Welt einzuarbeiten?

Für letzteres braucht man eigentlich nur ein bisschen Zeit. Wichtiger ist die Einschätzung der eigenen Nerven. Denn wer Verluste schlecht erträgt, weicht von seiner Strategie ab – und das kostet Rendite. Stattdessen muss man vorübergehende Tiefs aushalten können.

2. Das Produkt verstehen

Viele Anleger sitzen einem Irrtum auf, wenn sie glauben, Renditen und Risiken hingen vom konkreten Produkt ab. Das stimmt nämlich nicht. Entscheidend für die künftige Rendite ist, dass sich ein privater Investor überhaupt für einen Ort der Geldanlage entscheidet. Denn diese Vermögensverteilung ist, wenn sie durchgehalten wird, letztlich zentral für 80 bis 90 Prozent der langfristigen Rendite.

3. Suchen und finden

Haben Anleger eine grundlegende Idee, wie sie ihr Geld anlegen wollen - zum Beispiel: einmalig 5000 Euro oder je 50 Euro pro Monat als Sparplan -, steht der Kauf an. Niedrige Kosten und hohes Volumen sind dabei wünschenswert. Denn je höher das verwaltete Volumen, desto günstiger kann ein Anbieter das Produkt anbieten und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in einigen Jahren noch am Markt ist.

Entscheidend ist für Anleger aber, ob ein ETF seine Erträge ausschüttet oder wieder anlegt, in der Fachsprache Thesaurierung genannt. Wer die Erträge gern ausgezahlt hätte, wählt die ausschüttende Variante. Wer hingegen langfristig sein Geld mehren will zum Beispiel für die Altersvorsorge, wählt die thesaurierende Variante. Die Ertragsverwendung erhalten Anleger, sobald sie bei Banken und Brokern die Wertpapierkennnummer des ETFs eingeben.

4. Den Überblick behalten

Der ETF-Markt boomt - und das macht die Auswahl an Produkten nicht einfacher. Bei der Auswahl hilft daher eine simple Faustregel: Zum Vermögensaufbau sind besonders ETFs auf große, bekannte Indizes geeignet. Damit landen Käufer automatisch bei Fonds, die stark im Wettbewerb stehen und die auch viele Profianleger nutzen.

Schwieriger sind zumindest auf kurze Sicht Anleihe-ETFs: Durch die Niedrigzinsphase sind die möglichen Renditen mit diesen Fonds eher gering. Ein guter Kompromiss sind daher Portfolio-ETFs. Hier übernimmt zu geringen Gebühren ein fixer Mechanismus die Verteilung des Vermögens. So lässt sich ein Paket mit gutem Chance-Risiko-Profil schnüren.

5. Das Fachchinesisch durchblicken

Die typischen Informationen über ETFs enthalten eine Fülle von zunächst verwirrenden Details. Das gilt beispielsweise für die Art, mit der Anbieter einen Index nachbilden: Dazu können Fondsgesellschaften entweder für das Fondsvermögen die Wertpapiere eines Index kaufen. Dann spricht man von einer physischen Replikation. Bei einer selteneren Variante bilden Anbieter den Indexverlauf aber auch über Derivate ab, die im ETF liegen. Dann spricht man von einem Swap-basierten ETF.

Zwei weitere wichtige Fachtermini sind die Gesamtkostenquote und der Spread. Die Gesamtkostenquote gibt an, wie viel Gebühren dem Fondsvermögen maximal pro Jahr entnommen werden. Der Spread im Handel bildet die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs an der Börse ab und kommt ins Spiel, wenn Anleger ETFs nicht direkt mit ihrer Bank handeln. Beim Spread gilt: Je niedriger, desto besser.

6. Kaufen und halten

Lange wurden ETFs ausschließlich an der Börse gehandelt, was von Anlegern grundlegende Kenntnisse über die Aufgabe einer Wertpapierorder verlangt hat. Das ist mittlerweile vorbei: Wer sich nicht selbst einarbeiten möchte, für den übernimmt das die Bank. In den Ordermasken der Direktbanken lassen sich Sparpläne einrichten oder Einmalanlagen im Direkthandel tätigen. Dann ist der Handelspartner des Anlegers die Bank, er muss lediglich den ETF und die Summen auswählen. Nach dem Kauf gilt übrigens: Fünf Jahre sollte man die ETFs mindestens halten.

Mehr zum Thema finden Sie bei Capital.de.

Quelle: ntv.de