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Tenhagens Tipps Müssen Deutsche Bank-Kunden zittern?

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Im Ernstfall würde die Deutsche Bank wohl mit Steuergeldern gerettet.

(Foto: dpa)

Es steht nicht gut um die Deutsche Bank. Das größte Geldhaus des Landes hat eine ganze Reihe von Problemen. Unter anderem die ungeklärte Frage, womit man in Zukunft eigentlich Geld verdienen will. Finanztip-Chef Tenhagen sieht keine Gründe, warum Kunden der Bank die Treue halten sollten.

n-tv.de: Die Deutsche Bank kommt derzeit nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Woher kommen denn die Probleme?

Hermann-Josef Tenhagen: Ein wichtiges Problem ist, dass die Deutsche Bank wie viele andere Filialbanken aktuell nicht so genau weiß, wie sie in Deutschland Geld verdienen kann. Dazu kommen aber bei ihr jede Menge Altlasten, die keine andere Bank hierzulande hat. Etwa, dass sie über Jahre hinweg leitenden Mitarbeitern Boni in Milliardenhöhe gezahlt hat, und zwar trotz gefallener Aktienkurse ein Vielfaches dessen, was die Aktionäre an Dividende bekommen haben. Außerdem holen sie die Investmentbank-Geschäfte des vergangenen Jahrzehnts ein. Da sind noch jede Menge Klagen anhängig, unter anderem fordert das US-Justizministerium 14 Milliarden Dollar in einem Vergleich, in dem es um dubiose Hypothekengeschäfte geht. Man hat also auf der einen Seite Boni für Geschäfte gezahlt, die sich rückwirkend womöglich als nicht ganz legal entpuppen. Und hat auf der anderen Seite möglicherweise bald kein Geld mehr, um den normalen Betrieb am Laufen zu erhalten. Das alles schlägt ganz schön ins Kontor und sorgt dafür, dass es der Deutschen Bank schlechter geht, als es Banken gerade gehen müsste.

Der Absturz des einstigen Primus manifestiert sich auch im Börsenkurs.

Allerdings. Man muss sich nur mal klarmachen: Vor zehn Jahren lag der Börsenkurs noch bei über 100 Euro, jetzt ist er bei 10 Euro.

Ist die Schieflage der Deutschen Bank denn nur ein Problem für Aktionäre?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Es ist eins für die Aktionäre, aber auch für die Kunden, die jetzt anfangen, sich darüber Gedanken zu machen, ob ihr Geld bei der Deutschen Bank noch sicher ist. Da liegen insgesamt rund 130 Milliarden Euro auf tagesfälligen Konten. Und viele derjenigen, die mehr als 100.000 Euro dort geparkt haben, werden inzwischen nervös. Die fragen sich, ob es sie auch trifft, wenn die Bank ins Wanken gerät. Manche schichten sogar um in Fonds (auch ETFs), die sind Sondervermögen und von einer Schieflage der betreuenden Bank nicht betroffen.

Aber bei Summen unter 100.000 Euro hat man nichts zu befürchten, oder?

Bei Summen bis 100.000 Euro greift das europäische Einlagensicherungssystem. Darüber hinaus gibt es den Einlagensicherungsfonds der Deutschen Privatbanken. Der wird aber kaum ausreichen, um das größte Institut im Land zu retten. Wenn es wirklich hart auf hart kommt, würde wahrscheinlich auch der Staat eingreifen. Anders als kleine Institute wird die Deutsche Bank als systemrelevant angesehen. Ganz ungeschoren kämen Anleger in diesem Fall aber wohl kaum weg, schließlich geht es um den Einsatz von Steuergeldern.

Die Bank ist ja auch gut im Optionsschein- und Zertifikategeschäft unterwegs. Die Papiere gehören aber nicht zum Sondervermögen und würden bei einer möglichen Pleite für ihre Besitzer, sprich den Kunden, verloren sein, oder?

Ja, derart investiertes Geld wäre dann weg.

So weit muss es nicht kommen, die Bank verfügt ja auch über erhebliche Liquidität. Aber wo geht die Reise hin?

Ein grundsätzliches Problem ist eine gewisse Orientierungslosigkeit. Wo will die Deutsche Bank vorne sein? Das ist die entscheidende Frage für Investoren. Und derzeit gibt die Deutsche Bank keine Antwort. Sie zahlt nicht die meisten Zinsen, sie macht nicht die preiswertesten Kredite, die Aktionäre profitieren nicht, die Mitarbeiter sind unglücklich.

Wo ist das Modell für die Zukunft der Deutschen Bank?

Es gibt tatsächlich einen Bereich, in dem die Bank in den letzten Jahren ganz gut abgeschnitten hat, nämlich bei den Fonds. Aber oft hat sie die besten Produkte gar nicht verkaufen wollen. Ein Beispiel sind die Riester-Fonds. Die Deutsche Bank hat sehr früh die DWS Top-Rente angeboten, einen Fonds, den auch Verbraucherschützer super finden. In den Filialen hat man dann aber lieber eine Fondspolice von der Zürich verkauft, weil da mehr Provision geflossen ist. Das zeigt dann eben, dass die Deutsche Bank bislang wenig auf ihre Kunden fixiert war.

Wenn man denn nun schon bei der Deutschen Bank ist, sollte man da bleiben?

Im Moment haben Privatkunden wenig Spaß. Die eben erwähnten 130 Milliarden Euro liegen praktisch zu null Prozent Zinsen da. Die Leute, die der Deutschen Bank Geld leihen, verdienen also fast nichts daran. Will man sein Geld zu null Prozent Zinsen bei der Bank liegen haben? Eigentlich nicht. Gleichzeitig sind die Kredite bei der Deutschen Bank nicht gerade günstig. Es gibt also in jeder Hinsicht attraktivere Anbieter.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: ntv.de