Ratgeber

Nicht zu erkennen Können Motorradfahrer ungestraft rasen?

Vorne ist kein Kennzeichen und das Gesicht ist durch einen Helm unkenntlich gemacht - Motorradfahrer haben ziemlich gute Chancen, unerkannt an Radarfallen vorbei zu rauschen. Doch die Polizei hat durchaus Möglichkeiten, Raser zu schnappen.

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Bei Lasermessungen werden Verkehrssünder gleich rausgewunken.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Blitzerfotos sind meist recht aufschlussreich. Das Kennzeichen verrät den Halter und in der Regel lässt sich auch recht gut erkennen, wer zum fraglichen Zeitpunkt am Steuer saß. Doch was bei Autos meist gut funktioniert, ist bei Motorrädern oft nicht möglich. Denn sie haben nur ein Nummernschild, und das befindet sich hinten. Fest installierte Radarfallen lichten Fahrzeuge aber meistens nur von vorne ab. Haben Raser also freie Fahrt?

Nicht unbedingt. Sogenannte "Doppelblitzer" machen Bilder aus beiden Richtungen, sind aber nicht sehr verbreitet. Abgesehen davon können mobile Messungen Motorradfahrern zum Verhängnis werden. Meistens wird hier zwar auch nur von vorne fotografiert. Doch aufmerksame Polizisten können sich die Nummer der betreffenden Fahrzeuge einfach aufschreiben. Und bei aufwendigeren Messungen wird der Verkehr zusätzlich von hinten gefilmt.

Daneben gibt es noch die Möglichkeit, mit Videofahrzeugen auf Raserjagd zu gehen. Das können präparierte Autos sein, aber auch Motorräder mit Kamera. Im Dienstfahrzeug brauchen Polizisten nicht einmal ein Aufnahmegerät, um Verkehrssünder zu entlarven. Es reicht schon, wenn sie dem betreffenden Fahrzeug einige hundert Meter hinterherfahren und eine deutliche Geschwindigkeitsüberschreitung bestätigen können. Hier gelten aber recht großzügige Messtoleranzen.

Am höchsten ist das Risiko, als Motorradfahrer beim Rasen erwischt zu werden, bei Lasermessungen. Dabei werden die Fahrer gleich herausgewinkt, Ausreden greifen also nicht. Rauschen Biker regelmäßig an fest installierten Radarfallen vorbei, kann es übrigens durchaus sein, dass die Polizei den Wiederholungstätern per Laser auflauert.

Eine andere Möglichkeit, besonders hartnäckige oder dreiste Raser zu stellen, ist der Abgleich mit den gemeldeten Motorrädern im Zulassungsbezirk. Vielerorts ist die Anzahl der Maschinen überschaubar und die Chancen stehen gut, dass es nur wenige Bikes des gleichen Fabrikats und Modells gibt. Deren Halter können die Beamten dann gegebenenfalls persönlich aufsuchen, um den Übeltäter zu ermitteln. Die Methode ist natürlich sehr aufwendig und wird deshalb am ehesten bei besonders drastischen oder bei zahlreichen Geschwindigkeitsüberschreitungen angewendet.

Halter muss nicht der Fahrer sein

Lässt sich der Halter einer Maschine ermitteln, ist der Fall noch nicht gelöst. Haftbar ist nämlich nicht der Halter, sondern die Person, die zum fraglichen Zeitpunkt auf der Maschine saß. Bei Autofahrern lässt sich das relativ einfach klären – sofern man es nicht gerade mit Zwillingspaaren zu tun hat. Motorradfahrer tragen aber Helm, gerne auch mit dunklem Visier. Behauptet der Halter, er wisse nicht, wer gefahren sei, wird es schwierig. Manchmal lassen sich hinter dem Visier individuelle Merkmale erahnen, etwa ein Piercing. Das könnte den Fahrer belasten. Ein weiteres Erkennungszeichen kann die Schutzkleidung sein. Wenn es die Polizei drauf anlegt, kann sie eine Hausdurchsuchung veranlassen, um die Bikerkluft zu beschlagnahmen. Das ist durchaus schon vorgekommen.

Meistens greifen aber schon weniger aufwendige Maßnahmen. Lässt sich der Fahrer nicht ermitteln, können die Behörden ein Fahrtenbuch anordnen. So lassen sich zumindest zukünftige "Gedächtnislücken" verhindern. Und manchmal hilft schon allein die Androhung der lästigen Fahrtenbuchauflage dem Gedächtnis auf die Sprünge.   

Quelle: ntv.de, ino