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Beglaubigte Abschrift Siegel für maschinell erstellten Erbschein?

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Erstellt ein Nachlassgericht eine maschinelle Ausfertigung eines Erbscheins, gilt dieses als beglaubigte Abschrift.

Ein Erbschein ist für Hinterbliebene wichtig. Nur damit können sie sich als legitime Erben ausweisen. Eine einfache Kopie reicht dafür nicht aus. Gilt das auch für maschinelle Ausfertigungen des Gerichts?

Nach dem Tod eines Angehörigen ist rationales Handeln für viele Hinterbliebene vor allem in der Anfangsphase der Trauer alles andere als einfach. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, sich um den Nachlass zu kümmern. Dann müssen Angehörige Konten, die Wohnung sowie Verträge des Verstorbenen auflösen. Das dürfen selbstredend nur die Erben. Um sich als solche etwa gegenüber Banken, Behörden und Vermietern auszuweisen, benötigen Hinterbliebene oft einen Erbschein. In dem amtlichen Dokument steht, wer Erbe ist und wie groß sein Erbteil ist. Häufig sind es vor allem Banken, die einen Erbschein fordern.

Erstellt ein Nachlassgericht eine maschinelle Ausfertigung eines Erbscheins, gilt dieses als beglaubigte Abschrift. Ein Originalsiegel beziehungsweise eine Unterschrift sind hier nicht erforderlich, um die Echtheit des Dokuments zu belegen. Das berichtet die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mit Blick auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf (I-3 Wx 200/20).

Der Fall

Eine Frau wird von ihren beiden Kindern jeweils zur Hälfte beerbt. Die Tochter erhält vom Nachlassgericht eine Ausfertigung des entsprechenden Erbscheins. Kurze Zeit später bittet sie telefonisch um zwei beglaubigte Abschriften des Erbscheins, die ihr sogleich maschinell bearbeitet übersendet werden.

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Sie hält diese aber für völlig wertlos, da sie nicht beglaubigt seien. Die Rechtspflegerin teilte der Tochter mit, dass die Beglaubigungen formgerecht seien; es handele sich um elektronisch erzeugte Beglaubigungen, bei der die Wiedergabe der Namens- und Amtsbezeichnung der beglaubigenden Person verzichtbar sei. Die Tochter legte trotzdem Beschwerde ein, da der Erbschein so nicht anerkannt werde.

Das Urteil

Die Beteiligten eines Erbscheinverfahrens können durch die Geschäftsstelle des Nachlassgerichts Ausfertigungen, Auszüge und Abschriften erteilen lassen, stellte das Gericht noch einmal fest. Abschriften müssten auf Verlangen auch beglaubigt werden. Das Gericht bewertete die maschinelle Ausfertigung in diesem Punkt aber als ausreichend, da der Name hier maschinenschriftlich wiedergegeben wurde. Die siegelführende Stelle ergebe sich zudem aus dem Beglaubigungsvermerk. Das Vorgehen war daher nicht zu beanstanden.

Quelle: ntv.de, awi/dpa