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Ratenkredit ade So bauen Sie entspannt Ihre Schulden ab

Niemand hat gerne Schulden. Dennoch sollten Verbraucher ihre Ratenkredite eher gemächlich abstottern. Allzu ehrgeizige Tilgungspläne bergen erhebliche Risiken.

Wer über ein verlockendes Angebot für ein Girokonto stolpert, sollte sich nicht blenden lassen. Foto: Daniel Reinhardt

Die Laufzeit von Ratenkrediten sollte die Lebensdauer des erworbenen Wirtschaftsgutes normalerweise nicht übersteigen.

(Foto: dpa)

So sieht die gesetzlich verordnete Flexibilität aus: Seit einigen Jahren dürfen die Anbieter von Ratenkrediten bei einer vorzeitigen Tilgung (ganz oder in Teilbeträgen) nur maximal ein Prozent des verfrüht zurückgezahlten Betrages als Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Bei einer Summe von 5000 Euro sind das gerade einmal 50 Euro. Einige Banken sind inzwischen sogar besonders  kundenfreundlich und verzichten ganz noch auf Entschädigungszahlungen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollten Kunden lieber längere Laufzeiten (plus Sondertilgung) wählen, statt beim Abschluss des Kreditvertrages auf eine möglichst schnelle Entschuldung zu setzen. Das gilt vor allem für jene, die ihren Ratenkredit dazu verwenden, ihr überzogenes Konto auszugleichen.

Eile mit Weile

Wie eine gemächliche Entschuldung wirken kann, beweist das Beispiel eines Kunden, der einen Ratenkredit über 5000 Euro aufgenommen hat, um seinen Dispo auszulösen. In der ersten Variante hat sein Darlehen eine Laufzeit von zwei Jahren. Die Zinsen entsprechen dem Durchschnitt und liegen bei effektiv 4,5 Prozent. Die Gesamt-Zinskosten liegen in diesem Fall bei schlanken 232 Euro – dafür aber ist die Rate vergleichsweise hoch: Für einen Verbraucher, der einen Dispo von 5000 Euro genutzt hat, dürfte eine Extrabelastung von 218 Euro pro Monat mit schmerzhaften Liquiditätseinbußen verbunden sein – wenn er überhaupt stemmen kann, ohne erneut ins Minus zu rutschen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Wählt der gleiche Kreditkunde hingegen eine Kredit-Laufzeit von 72 Monaten, sinkt seine monatliche Rate (bei gleichem Zinssatz) auf 79 Euro. Die Zinssumme steigt in dieser Konstellation zwar auf beachtliche 700 Euro. Dennoch ist ein solches Vorgehen vorzugswürdig. Der Grund: Die Wahrscheinlichkeit, in Zukunft ohne teuren Dispo auszukommen, ist bei der langen Laufzeit deutlich höher als bei dem ambitionierten Plan, binnen kürzester Zeit (und mit grenzwertig hohen Raten) schuldenfrei zu sein. Das gilt umso mehr, als der Kunde  seine Zinsbelastung durch gelegentliche Sondertilgungen deutlich senken könnte. Mit dem Kreditrechner der FMH lassen sich verschiedene Kreditüberlegungen leicht durchspielen.

Besser lange Laufzeiten

Auch wer ein Auto finanzieren möchte, kann gut daran tun,  die Kreditlaufzeit großzügig anzusetzen. Beispiel hierzu: Ein Kunde finanziert einen Wagen für 30.000 Euro. Nun kann er das Darlehen entweder innerhalb von 36 Monaten abzahlen – für eine monatlich Durchschnittsrate von 898 Euro und Zinskosten von insgesamt 2310 Euro. Oder er unterstellt, dass er das Auto die nächsten sechs Jahre fahren wird und passt die Kreditlaufzeit entsprechend an. In diesem Fall reduziert sich seine Rate auf rund 490 Euro pro Monat – bei Zinskosten von insgesamt 5290 Euro. Nach 36 Monaten wäre er dann allerdings nicht schuldenfrei, sondern müsste noch eine Restschuld  von 16.200 Euro bedienen.  

Tipp

Die Zinsunterschiede für kurze und lange Laufzeiten sind derzeit zwar sehr überschaubar: Der Mittelwert im FMH-Ratenkredit Vergleich beträgt bei 24 Monaten 5,04 Prozent; bei 84 Monaten sind es 5,88 Prozent. Das beste Angebot (der PSD Bank Nürnberg) liegt sogar durchgehend bei effektiv 2,93 Prozent. Dennoch gilt auch weiterhin die goldene Regel, dass die Laufzeit von Ratenkrediten die Lebensdauer des erworbenen Wirtschaftsgutes normalerweise nicht übersteigen sollte. Niemand will schließlich noch Raten für Sachen abstottern, die er gar nicht mehr verwendet.

Quelle: n-tv.de

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