Ratgeber

Ziele erreichen So klappt Selbstmotivation am Arbeitsplatz

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(Foto: imago/Westend61)

Sicherlich kennen auch Sie Tage, an denen es Ihnen schwerfällt, Ihre Arbeit zu erledigen. Die Aufgaben erscheinen zäh und anstrengend, Kurz: Ihre Motivation hat sich eine Auszeit genommen. Aber das kann man ändern.

Motivation am Arbeitsplatz ist ein entscheidender Faktor, wenn Sie nicht nur im Job, sondern auch im Privatleben zufrieden und ausgeglichen sein wollen. Motivierte Mitarbeiter steigern ihre Leistung, erzielen bessere Ergebnisse und tragen zu einer positiven Arbeitsatmosphäre bei. Das ist nicht nur gut für Ihren Chef, sondern auch für Sie selbst. Denn mit guter Laune und einer positiven Einstellung zur Arbeit erreichen Sie leichter Ihre beruflichen Ziele, tun etwas für Ihre Karriere und Ihr Wohlbefinden.

Vonseiten des Unternehmens fördern eine gute Kommunikation, eine offene Unternehmenskultur und Anerkennung für die Leistungen der Mitarbeiter die Motivation am Arbeitsplatz. Das monetäre Gehalt allein reicht dabei als Motivationsfaktor nicht aus. Viel wichtiger ist das sogenannte emotionale Gehalt: Wertschätzung und Anerkennung der eigenen Person und Leistung. Gerade für das Engagement höherqualifizierter Mitarbeiter und Führungskräfte ist die Anerkennung der wichtigste Faktor weit vor Gehalt und Boni - das fand die US-amerikanische Gesellschaft für Human Ressource Management in einer aktuellen Studie heraus.

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Prof. Dr. Norbert Rohleder ist  Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Dabei geht es nicht nur um die Anerkennung, die Ihnen Ihr Vorgesetzter zollt. Es sind vor allem die Mitarbeiter selbst, die sich und ihre Leistungen gegenseitig wertschätzen sollten.

Doch Sie als Mitarbeiter können die Arbeit anderer nur dann anerkennen, wenn Sie nicht selbst in einem Motivationstief stecken. Um solche Motivationslöcher zu vermeiden, mit sich und Ihrer Arbeit zufrieden zu sein und Ihre Ziele zu erreichen, benötigen Sie hin und wieder ein Quäntchen Selbstmotivation.

Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, Ihre Selbstmotivation zu steigern und die Freude an der Arbeit zurückzugewinnen.

Führen Sie sich den Sinn Ihrer Arbeit vor Augen

Fehlt Ihnen Motivation, dann sehen Sie vielleicht aktuell keinen Sinn in Ihrer Arbeit. Für unsere Motivation ist es aber entscheidend, diesen Sinn in dem, was wir tun, klar vor Augen zu haben. Wenn Sie wissen, was Ihnen wirklich wichtig ist, wenn Sie Ihre Arbeit als sinnvoll empfinden, stellen sich Freude, Engagement und Kreativität häufig von ganz allein ein.

Treten Sie innerlich einen Schritt zurück und überlegen Sie, welchen Zweck Ihre Tätigkeit im Unternehmen erfüllt. Was tun Sie, um das Unternehmen am Laufen zu halten? Was würde fehlen, wenn weder Sie noch sonst jemand Ihre Arbeit erledigt? Und was würde Ihnen fehlen, wenn Sie diese Arbeit nicht mehr ausüben würden? Die Antworten auf diese Fragen können Ihnen zeigen, wie wichtig Ihre Tätigkeit ist, nicht nur für Sie, sondern auch für andere.

Fördern Sie Ihre gute Laune

Gute Laune ist der Schlüssel zur Motivation. Statt uns daran zu erinnern, was uns an unserer Arbeit Freude bereitet, konzentrieren wir uns häufig auf das, was nicht läuft, auf Ärger und Fehler. Eine Kundenbeschwerde, die wir als ungerechtfertigt empfinden, oder die patzige Antwort eines Kollegen kann uns den ganzen Tag vermiesen. Einen Dank am Ende eines Kundengespräches oder das Lächeln unseres Gegenübers übersehen wir gerne und vergessen es gleich wieder.

Erinnern Sie sich daran, was Ihnen an Ihrer Arbeit Spaß macht. Vergegenwärtigen Sie sich das Hochgefühl, das Sie empfinden, wenn Sie eine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen und Ihr Ziel erreicht haben. Und genießen Sie auch kleine Momente der Freude. Drucken Sie sich das Dankeschön in der letzten Kunden-E-Mail aus und heften Sie es sich an den Monitor. Freuen Sie sich bewusst über den Schokokeks, den Ihnen Ihre Kollegin auf den Tisch gestellt hat. Ihre gute Laune wird sich auch auf Ihre Kollegen übertragen und für eine positive Stimmung sorgen - denn auch am Arbeitsplatz ist Freude ansteckend.

Gewinnen Sie den Spaß an Ihrer Tätigkeit zurück

Manchmal sind die Momente, in denen wir Spaß bei der Arbeit empfinden, sehr rar. Dann hilft es, gezielt nach freudvollen Tätigkeiten zu suchen. Überlegen Sie, was Ihnen besonders Spaß macht, und bemühen Sie sich darum, mehr von diesen Arbeiten zu übernehmen. Wenn Sie feststellen, dass Sie das Gros der anfallenden Aufgaben in Ihrem Tätigkeitsbereich nicht befriedigt, sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten über eine mögliche Veränderung Ihres Tätigkeitsfeldes. Versuchen Sie, Ihren Beruf zur Berufung zu machen. Nicht nur die Ziele, auch der Weg dorthin sollte für Sie Befriedigung bringen. Wenn Sie in Ihrer Tätigkeit aufgehen, gesellt sich die Motivation von selbst an Ihre Seite.

Ist eine Veränderung nicht möglich, dann achten Sie darauf, dass sich spannende, herausfordernde Aufgaben und Routinearbeiten die Waage halten und Sie jeden Tag wenigstens eine Aufgabe bearbeiten können, auf die Sie sich freuen.

Finden Sie Ihre persönlichen Motivatoren

Jeder Mensch hat seine individuellen Motivatoren - das sind Rahmenbedingungen, die ihm die Arbeit erleichtern. Forscher fanden insgesamt 14 solcher Rahmenbedingungen, die Menschen motivieren können. Doch welche dieser Motivatoren tatsächlich motivieren, ist individuell verschieden. Den einen treibt Konkurrenz zu Höchstleistungen, der andere arbeitet am besten in einem kooperativen Team. Der eine kann mit dem Arbeiten kaum anfangen, wenn auf seinem Schreibtisch Chaos herrscht, für den anderen ist die Arbeitsumgebung unwichtig, solange er in der Arbeit seine Ideale leben kann. Die einen wollen permanent etwas tun, lieben schwierige Aufgaben, die anderen benötigen vor allen Dingen Ruhe und eine klare Struktur.

Beobachten Sie sich eine Woche lang: Was motiviert Sie? Wann arbeiten Sie besonders gut? Was brauchen Sie, um anfangen zu können und eine Aufgabe zu Ende zu bringen? Setzen Sie so viele Ihrer persönlichen Motivatoren in Ihrer Arbeit um, wie es geht.

Bauen Sie Demotivatoren ab

Es gibt nicht nur Bedingungen, die uns motivieren, sondern auch solche, die uns demotivieren. Finden Sie heraus, was Ihnen den Spaß an der Arbeit raubt. Ist es der Chef, der Sie ständig kritisiert? Ist es die Routine und der Mangel an fordernden Aufgaben? Oder werden Sie ständig beim Arbeiten unterbrochen? Funktioniert die Technik nicht und der Computer stürzt ständig ab?

Legen Sie eine Liste Ihrer Demotivatoren an und entwickeln Sie Strategien, diese Motivatoren abzubauen. Suchen Sie das Gespräch mit den Kollegen, sprechen Sie mit der IT-Abteilung über die Technik oder mit Ihrem Chef über eine Veränderung Ihres Tätigkeitsbereichs. Wenn Sie alleine keine Möglichkeiten für Veränderungen sehen, suchen Sie sich Mitstreiter oder auch die Unterstützung eines professionellen Coachs.

Setzen Sie sich selbst Ziele

Das, was uns im Leben am meisten motiviert, sind unsere persönlichen Ziele. Überlegen Sie sich, was Ihre privaten und beruflichen Ziele sind. Was möchten Sie erreichen? Werden Sie dabei konkret - träumen Sie nicht von einem Wenn-ich-einmal-reich-bin, sondern fragen Sie sich, was Sie in diesem Jahr umsetzen wollen. Wo wollen Sie im nächsten Jahr stehen? Wo in zehn Jahren? Achten Sie darauf, dass Sie aktiv für diese Ziele arbeiten können und sie auch realistisch sind: Für einen Lottogewinn können Sie nur einen Tippschein abgeben, der Rest ist Glück, aber auf eine Beförderung können Sie gezielt hinarbeiten - gute Leistungen erbringen, sich fortbilden, Engagement zeigen, mit dem Chef sprechen. Setzen Sie sich selbst einen Termin für Ihr Ziel, sonst laufen Sie Gefahr, die Umsetzung Ihrer Pläne auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben. Stellen Sie sich vor, wie Sie sich fühlen, wenn Sie das Ziel erreicht haben – und starten Sie motiviert in die Umsetzung.

Entwickeln Sie einen Ablaufplan für Ihre Aufgaben

Häufig sinkt unsere Motivation in den Keller, weil die vor uns liegende Aufgabe (oder das Ziel, das wir erreichen wollen) zu groß, zu komplex, zu unübersehbar oder zu weit weg erscheint. Hier hilft es, das große Projekt in kleine Schritte zu unterteilen. Erstellen Sie eine To-do-Liste, ordnen Sie die anfallenden Arbeiten nach Wichtigkeit und setzen Sie sich Termine für deren Erledigung.

Bringen Sie die Arbeiten nun in eine chronologische Reihenfolge und entwickeln Sie daraus einen Ablaufplan. Dieser hilft Ihnen, Ihren Fortschritt zu überprüfen und die Arbeit zu strukturieren.

Achten Sie darauf, dass die Teilschritte Ihres Ablaufplans nicht mehr als einen Tag umfassen, besser sind ein bis zwei Stunden. Wenn Sie einen Arbeitsschritt erledigt haben, streichen Sie diesen in der Liste durch. So haben Sie auch optisch Ihren Fortschritt vor Augen - für viele Menschen ist das ein Motivator (siehe oben).

Steht Ihr Ablaufplan fest, gehen Sie die Arbeitsschritte im Kopf durch. Stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn Sie den jeweiligen Arbeitsschritt erledigt haben. Freuen Sie sich auf das Gefühl von Stolz und Zufriedenheit, wenn Sie eine Aufgabe abgeschlossen haben.

Bestimmen Sie einen Zeitrahmen

Auch wenn es für die Erledigung Ihrer Aufgaben keinen äußeren Termin gibt, kann es hilfreich sein, wenn Sie sich selbst eine Deadline setzen. Der zeitliche Rahmen hilft Ihnen in zweierlei Hinsicht: In vielen Fällen fördert ein gewisser Zeitdruck die Motivation – wir beginnen unsere Arbeit konzentriert und ohne Zögern, wenn wir wissen, in drei Tagen muss die Aufgabe erledigt sein. Aber gerade bei ungeliebten Aufgaben bedeutet die Deadline auch: nach Tag X ist alles erledigt, Sie müssen sich mit der Aufgabe nicht mehr beschäftigen.

Gibt es bereits eine Deadline von außen, setzen Sie Ihren eigenen Zeitraum so, dass Sie zum Ende hin noch ein bisschen Luft haben. Und bei größeren Aufgaben versehen Sie auch jede Teilaufgabe mit einer Deadline. Das hilft Ihnen, den zeitlichen Aufwand realistisch einzuschätzen und rechtzeitig mit allem fertig zu werden.

Legen Sie Pausen ein

Selbst die engagiertesten Menschen können sich nur über eine bestimmte Zeitspanne voll konzentrieren. Irgendwann sind die Energiespeicher leer und Motivation, Kreativität und das analytische Denken lassen nach. Achten Sie deshalb auf regelmäßige Pausen. Trinken Sie einen Kaffee oder Tee, wechseln Sie ein paar Worte mit den Kollegen oder gehen Sie kurz an die frische Luft. Häufig reichen schon fünf oder zehn Minuten, um den inneren Akku aufzuladen.

Wichtig: wenn Sie am Computer arbeiten, stehen Sie auf, verlassen Sie Ihren Arbeitsplatz, statt in der Pause schnell die E-Mails zu checken. Denn auch Ihre Augen benötigen eine Erholung.

Belohnen Sie sich selbst

Wenn Sie eine wichtige, schwierige oder auch eine besonders langweilige Aufgabe abgeschlossen haben, belohnen Sie sich selbst. Gerade wenn Ihre Kollegen und Vorgesetzten mit dem eingangs erwähnten emotionalen Gehalt knausern, geben Sie sich selbst die Anerkennung, die Sie verdienen. Überlegen Sie sich bereits im Vorfeld eine Belohnung, wenn Sie eine Aufgabe erfolgreich und pünktlich abschließen - zum Beispiel ein Restaurantbesuch, ein Buch oder Konzertkarten. Wichtig: Gönnen Sie sich die Belohnung auch wirklich, wenn Sie erfolgreich waren! Besuchen Sie das Fußballspiel, das Sie sich versprochen haben, auch wenn Sie glauben, keine Zeit dafür zu haben. Denn leere Versprechungen, auch sich selbst gegenüber, zerstören die motivierende Wirkung von Belohnungen. Verzichten Sie auf die Belohnung, wenn Sie die Aufgabe nicht pünktlich und erfolgreich beendet haben.

Machen Sie aus Ihrer Selbstbelohnung eine Routine, keine Ausnahme. Denn wenn Sie erfolgreich arbeiten, sollten Sie Ihre Erfolge auch feiern – Sie haben es sich verdient!

Bleiben Sie bei Rückschlägen gelassen

Wir entwickeln uns ständig weiter – dazu gehören nicht nur Erfolge und Fortschritte, sondern auch Fehler. Niemand ist von Anfang an perfekt. Akzeptieren Sie Rückschritte, überlegen Sie, was schiefgelaufen ist und was Sie in Zukunft anders machen können. Lassen Sie sich nicht entmutigen, sondern denken Sie an Henry Fords Ausspruch: Ein Misserfolg ist die Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Belassen Sie Ihre Arbeit am Arbeitsplatz

Damit Sie nicht die Lust an Ihrer Arbeit verlieren, ist es wichtig, auch die Freizeit zu genießen. Das kann Ihnen nur gelingen, wenn Sie Ihre Arbeit dort lassen, wo sie hingehört: am Arbeitsplatz. Auch wenn es Ihnen schwerfällt: Nehmen Sie sich keine Arbeit mit nach Hause, stellen Sie, wenn es geht, Ihr Diensthandy aus und lesen Sie nach Feierabend keine beruflichen E-Mails mehr. Um am nächsten Tag motiviert zu arbeiten, benötigen Sie eine Auszeit, in der Sie nicht an all das denken, was noch zu tun ist, sondern in der Sie Zeit mit Ihrer Familie oder Freunden verbringen und Ihren Interessen nachgehen können.

Und wenn alles nichts hilft ...

Manchmal motivieren weder Pläne, Belohnungen noch Zeitdruck oder Lob. Es hilft nicht einmal, die aktuelle Aufgabe beiseitezulegen und sich einer Arbeit zu widmen, die Ihnen üblicherweise Spaß macht. Sie starren auf das Blatt Papier vor sich oder auf den PC-Monitor, schieben Stifte von links nach rechts oder gehen schon zum vierten Mal innerhalb der letzten Stunde zum Kaffeeautomaten in der Hoffnung, dass Koffein Ihren müden Geist in Schwung bringt. Meist spüren wir ganz genau, ob wir nur einen Motivationskick brauchen oder an diesem Tag wirklich nichts mehr geht. Wenn Letzteres der Fall ist, machen Sie, wenn möglich, früher Schluss, nutzen Sie die Gleitzeit oder angefallene Überstunden und erlauben Sie sich eine Auszeit. Machen Sie das Beste aus dem Tag und genießen Sie die freie Zeit.

Prof. Dr. Norbert Rohleder ist  Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Quelle: n-tv.de

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