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Vorsicht, wenn es klingelt Telefonabzocke geht munter weiter

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(Foto: imago/blickwinkel)

Das Gesetz ist eigentlich eindeutig: Verbraucher müssen in den Erhalt von Werbeanrufen zuvor ausdrücklich eingewilligt haben. So weit die Theorie. In der Praxis werden Verbraucher weiterhin durch Anrufe belästigt. Und die Zahlen steigen - drastisch.

Immer mehr Verbraucher beschweren sich über unerlaubte Werbeanrufe. Dabei sind solche sogenannten "Cold Calls" ohne vorherige Einwilligung des Verbrauchers bereits seit 2009 verboten. Bei der Bundesnetzagentur, die für die Ahndung der Gesetzesverstöße zuständig ist, gingen seit Jahresbeginn 4200 Beschwerden mehr ein - pro Monat. Dabei stören sich Betroffene vor allem an dem zum Teil aggressiven Ton der Anrufer sowie an automatischen Wahlmaschinen (die immer wieder bei demselben Verbraucher das Telefon klingeln lassen) und eben an Telefonwerbung ohne vorherige Zustimmung.

Da ist es wenig tröstlich, dass der Bundesrat erst kürzlich auf derartige Belästigungen reagiert hat und einen Gesetzentwurf zur Stärkung des Verbraucherschutzes bei Telefonwerbung beim Deutschen Bundestag einbringen möchte. Die Länder wollen damit lästigen Werbeanrufen durch Entzug des wirtschaftlichen Anreizes ein Ende setzen. Die nun auf den Weg gebrachte Gesetzesinitiative sieht vor, dass die bei Werbeanrufen geschlossenen Verträge nur wirksam sind, wenn Verbraucher das anschließend bereitgestellte Angebot in Textform, beispielsweise per Mail, genehmigen. Von Verbrauchern ausgehende telefonische Bestellungen wären weiterhin ohne eine solche Genehmigung möglich.

Aber auch die Bundesnetzagentur macht gegen den Telefonterror mobil und möchte eine Dokumentationspflicht für Call Center einführen, um im Streitfall etwaige Nachweise zur Verfügung zu haben. Der Branchenverband Deutscher Dialogmarketing Verband (DDV) lehnt das aber - wenig überraschend - ab und verweist stattdessen auf einen freiwilligen Branchenkodex, wonach die Zahl der Anrufe pro Kampagne und "Zielperson" auf 15 pro Woche begrenzt sei.

Bisher sind die meisten bei solchen Telefonaten mündlich geschlossenen Verträge aber trotzdem gültig. Das bestehende Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb besagt, dass Verbraucher in den Erhalt von Werbeanrufen zuvor ausdrücklich eingewilligt haben müssen. Fehlt diese Einwilligung, handelt es sich um einen unerlaubten Werbeanruf, einen sogenannten "Cold Call". Dabei muss die Einwilligung in die Telefonwerbung schon vor dem Anruf vorliegen. Die Einholung der Einwilligung zu Beginn des Telefonats ist unzulässig. Zudem darf die Rufnummer des Anrufers nicht unterdrückt werden. Ansonsten droht ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro.

Bis den unerwünschten Anrufern per Gesetz ihr Geschäftsmodell weiter erschwert wird, können belästigte Verbraucher nur bedingt auf die Werbeanrufe reagieren. So können sie beispielsweise bei ihrem Anbieter beantragen, dass Anrufe mit unterdrückter Nummer gar nicht erst durchgestellt werden. Eine weitere Möglichkeit, sich zu schützen, besteht darin, einfach aufzulegen. Oder aber den Anrufer offensiv zur Rede zu stellen. Dann sollte der Name des Anrufers und seines Unternehmens sowie der Grund des Anrufs erfragt werden. Die entsprechenden Daten (inklusive Telefonnummer) sollten dann an die Bundesnetzagentur zur Beschwerde weitergeleitet werden.

Quelle: n-tv.de

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