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Komfortabel, aber träge Vor- und Nachteile von Flächenheizungen

Bei der Installation einer Fußbodenheizung werden Schläuche mit Hilfe eines Tackers auf Dämmplatten verlegt, darüber kommt Estrich. Foto: Nestor Bachmann

Bei der Installation einer Fußbodenheizung werden Schläuche mithilfe eines Tackers auf Dämmplatten verlegt, darüber kommt Estrich.

(Foto: dpa-tmn)

Flächenheizungen sind eine komfortable Alternative zu herkömmlichen Heizkörpern. Ob im Fußboden, in der Wand oder in der Decke eingebaut: Sie verströmen gleichmäßig eine angenehme Wärme. Doch gibt es auch einige Nachteile, die man vor dem Einbau kennen sollte.

Flächenheizungen lassen sich im Boden, in Wänden und Decken einbauen. Sie sind eine Alternative zu anderen Heizkörpern - für Bewohner unsichtbar geben sie eine behagliche Strahlungswärme ab. Und sie können effizienter sein als herkömmliche Heizsysteme, sagt Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentralen. Denn sie brauchen eine geringere Vorlauftemperatur - bei 30 bis 40 Grad arbeiten sie am effektivsten, während konventionelle Systeme 55 bis 70 Grad als Vorlauf benötigen.

Besonders rentabel kann man die Flächenheizung mit einer Wärmepumpe betreiben. "Die Verbindung ist ideal, denn Wärmepumpen arbeiten mit geringen Vorlauftemperaturen am effizientesten", erklärt Kerstin Vogt. Sie leitet die Geschäftsstelle des Spitzenverbandes der Gebäudetechnik (VdZ). "Grundsätzlich lassen sich Flächenheizungen aber mit allen Energiequellen betreiben, zum Beispiel mit einem Öl- oder Gas-Brennwertkessel."

Die Vor- und Nachteile von Flächenheizungen im Überblick:

1. Die Fußbodenheizung: Besonders behaglich, aber träge

Vorteil: "Warme Füße und ein behagliches Wohngefühl sind für viele Bauherren gute Gründe, sich für eine Fußbodenheizung zu entscheiden", erklärt Brandis. Die Heizrohre der Fußbodenheizung werden unter der gesamten Fläche eines Raumes verlegt und erwärmen so wesentlich größere Flächen als Heizkörper an der Wand. "Da sie keinen Platz im Raum benötigen, bieten sie eine große Freiheit für die Raumgestaltung", betont Vogt.

Zudem wärmen Fußbodenheizungen schon bei relativ niedrigen Temperaturen. Es kann bis zu zwei Grad kühler im Raum sein als bei einem Heizungskörper, und die Bewohner fühlen sich trotzdem wohl. "Das liegt an der Strahlungswärme, die für den Menschen sehr angenehm ist und schnell wahrgenommen wird", erklärt Thomas Weber, Leiter des Regionalbüros Fulda des Verbands Privater Bauherren (VPB).

Nachteil: Diese Heizung ist recht träge und reagiert relativ langsam auf Änderungen am Temperaturregler. "Sie braucht eine viel längere Zeit als Heizkörper, um hoch- oder runterzufahren", gibt Brandis zu bedenken. Das liegt an den Schichten, die über den Heizleitungen im Boden liegen und sich erst aufwärmen müssen - also Estrich, Bodenbeläge, Teppiche. So kann sie nur schwerfällig auf externe und interne Wärmequellen reagieren. "Scheint die Sonne durch die Fenster oder wird in der Küche gekocht, steigen die Temperaturen im Raum, weil die Fußbodenheizung so schnell nicht mitkommt."

Auch der Preis kann abschrecken. "Eine Fußbodenheizung ist beträchtlich teurer als ein herkömmliches Heizsystem", betont Weber. "Man muss sie sich leisten wollen." Ein vernünftiger Kompromiss sei es, die Fußbodenheizung nicht im gesamten Haus zu verlegen, sondern nur in Bereichen, wo sie besonders angenehm ist, zum Beispiel im Bad.

2. Die Wandheizung: Für Sanierer gut geeignet, aber planungsaufwendig

Vorteil: Sie besitzt ähnliche Eigenschaften wie die Heizung im Boden, da sie nach demselben Prinzip der Flächenheizung funktioniert. "Gipskartonplatten mit Kupferrohren werden an die Wände montiert", erklärt Weber. "Das Verfahren ist relativ unkompliziert und gut für die Sanierung älterer Gebäude geeignet. Weil der Fußboden nicht aufgerissen werden muss, lassen sich wertvolle Bodenbeläge wie Dielen oder Parkett erhalten." Die Wandheizung reagiert nicht ganz so träge wie eine Fußbodenheizung, denn sie muss weniger Masse aufheizen.

Nachteil: Belegt die Heizung die ganze Wand oder große Teile, lassen sich die Räume schwieriger gestalten. Denn Möbel oder Einrichtungsgegenstände sollten die Heizung nicht zustellen. "Das führt zu einem höheren planerischen Aufwand", sagt Brandis.

3. Die Deckenheizung: Kein Platzproblem, aber Wärmeoutput prüfen

Vorteil: Sie überzeugt ebenfalls mit ihrer Strahlungswärme und geringen Vorlauftemperaturen. An der Decke gibt es außerdem kein Platzproblem. Hier hängen höchstens Deckenleuchten, um Möbel oder Vorhänge müssen Bauherren sich aber keine Sorgen machen. Insofern bietet eine Deckenheizung viel Spielraum bei der Gestaltung. Sie ist auch weniger träge als eine Bodenheizung und lässt sich ebenso unkompliziert montieren wie die Wandheizung. Deshalb eignet sie sich bestens für die Sanierung von Bestandsbauten.

Nachteil: "In Decken darf aber nicht beliebig viel Wärme eingeleitet werden. Möglich sind 30 bis 40 Watt pro Quadratmeter", erklärt Weber. Es muss vor Ort geprüft werden, ob der Wärmeoutput der Deckenheizung für das persönliche Wärmeempfinden ausreicht. Allerdings sagt Weber: "Damit sollte aber eine angenehme Raumtemperatur möglich sein."

Fazit

Flächenheizungen sind flexibel einsetzbar und auch für Sanierer interessant. Bauherren können sie sogar miteinander kombinieren. Lohnen könne sich dies etwa bei Wand- und Fußbodenheizungen, meint Kerstin Vogt vom VdZ. "In Räumen mit geringer Bodenfläche wie zum Beispiel in einem kleinen Bad kann der gemeinsame Einsatz beider Systeme den Komfort erhöhen." Ob Flächenheizungen am Ende effizienter sind, hängt aber wie bei den meisten Heizarten von der konkreten Situation im Haus ab. Es könne durchaus sein, dass der Effizienzvorteil der Flächenheizung durch deren Trägheit schmilzt, warnt Martin Brandis.

Quelle: n-tv.de, Katja Fischer, dpa

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