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Ein Käufer kann bei einem Privatverkauf nicht immer davon ausgehen, dass der Verkäufer den Tachostand auf seine Richtigkeit überprüft hat.
Ein Käufer kann bei einem Privatverkauf nicht immer davon ausgehen, dass der Verkäufer den Tachostand auf seine Richtigkeit überprüft hat.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 10. Juli 2017

222.000 Kilometer statt 160.000: Wenn beim Tachostand getrickst wird

Gebrauchtwagenkauf ist Vertrauenssache. Blöd nur, wenn das Vertrauen missbraucht wird. Zum Beispiel derart, wenn der Tacho manipuliert wurde - trotz anderslautender Zusicherungen des Verkäufers.

Mogelpackung Gebrachtwagen? Nach Berechnungen von Polizei und Automobilclubs müssen private Käufer und Verkäufer davon ausgehen, dass bei knapp einem Drittel aller Gebrauchtfahrzeuge der Kilometerstand zurückgedreht wurde. Hersteller und Händlerverbände halten diese Zahl für zu hoch gegriffen. So oder so, Ziel der illegalen Manipulation ist es, einen höheren Verkaufspreis für das Auto zu erzielen.

Ein gewagtes Unterfangen, denn bei derartigen Tricksereien handelt es sich um eine Straftat. Aber auch wer unwissentlich ein solches Fahrzeug weiterverkauft und gleichzeitig eine Garantie für das Auto übernimmt, muss mit Unbill rechnen, wie ein Urteil des Oberlandesgerichtes (OLG) Oldenburg zeigt (Az.: 1 U 65/16).

Hier hatte ein Käufer einen gebrauchten Mercedes für 8000 Euro von einem privaten Verkäufer erworben. Nach kurzer Zeit wollte er das Auto jedoch wegen eines angeblich falschen Tachostandes zurückgeben. Der Verkäufer verweigerte die Rücknahme. Auf die Klage des Käufers hin hat der gerichtliche Sachverständige im Verfahren festgestellt, dass das Fahrzeug bereits Jahre vor dem Kauf eine tatsächliche Laufleistung von über 222.000 Kilometern aufgewiesen hatte. Verkauft wurde er aber fünf Jahre später mit einem Tachostand von 160.000 Kilometern. Der Verkäufer berief sich darauf, dass er selbst keine eigene Kenntnis von der tatsächlichen Laufleistung gehabt habe, weil er den Wagen selbst gebraucht gekauft hatte. Doch die Behauptung ließ das Gericht unbeeindruckt.

Zwar könne der Käufer bei einem Privatverkauf nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass der Verkäufer den Tachostand auf seine Richtigkeit überprüft hat. Aber im vorliegenden Fall hatte der Verkäufer die Laufleistung im Kaufvertrag unter der Rubrik "Zusicherungen des Verkäufers" eigenhändig eingetragen. Er habe damit ausdrücklich eine Garantie übernommen, an der er sich auch messen lassen muss, befand das OLG.

Quelle: n-tv.de

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