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Angriff auf "Tiger" Wenn der Polizeihund durchdreht

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Tausende Hunde sind bei der Polizei "angestellt".

Auch den professionellsten Mitarbeitern gehen einmal die Nerven durch. Auch tierischen. Dann wird die Auseinandersetzung meist körperlich. Doch wer haftet, wenn das Opfer ein argloser Kater ist?

Rund elf Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten. Und ein paar arbeiten bei der Polizei. Besonders von solchen Mitarbeitern wird ein Höchstmaß an Disziplin verlangt. Grundsätzlich haften ja ohnehin Herrchen und Frauchen für ihre Vierbeiner, etwa wenn diese einen Sach- oder Personenschaden verursachen. Mitunter stellt letzteres sogar den Straftatbestand der Körperverletzung dar. Dann hat das Opfer Anspruch auf Schmerzensgeld.

Darüber, wie es sich mit der Haftung verhält, wenn ein Polizeihund einen arglosen Kater attackiert und verletzt, hatte das Landgericht Hildesheim zu urteilen (Az.: 7 S 144/16 ).

Folgendes war vorgefallen: die Ehefrau eines Polizeibeamten ging mit dessen Diensthund "Chuck" spazieren. In der Nähe des Grundstücks der späteren Klägerin witterte der Hund den dort ansässigen Familien-Kater "Tiger". Und war nicht mehr zu halten. "Chuck" überwand die Mauer zum Grundstück und ging zum Angriff über. Durch Bisse erlitt der Kater diverse Verletzungen, unter anderem eine Rippenfraktur sowie eine Öffnung der Bauchdecke mit Austritt von Darmschlingen. Mehrere Operationen in einer Kleintierklinik wurden erforderlich um dem Attackierten das Leben zu rettten. Insgesamt liefen Kosten in Höhe von über 4000 Euro auf.

Das daraufhin zur Rechenschaft gezogene Land Niedersachsen zahlte nur rund die Hälfte des Betrages mit dem Argument, die Kosten seien im Hinblick auf Alter und Wert des Katers zu hoch. Was aber "Tigers" Eigentümer so nicht stehenlassen wollten und klagten.

Mit Erfolg. Den Haltern des Katers wurde der volle Schadensersatzbetrag zugesprochen. Demnach gelte im Fall der Verletzung eines Tieres angesichts der herausgehobenen Anerkennung des Tierschutzes durch das Grundgesetz, dass die aus der Heilbehandlung des Tieres entstandenen Aufwendungen nicht bereits dann unverhältnismäßig seien, wenn sie dessen Wert erheblich überstiegen. Es verbiete sich eine streng wirtschaftliche Betrachtungsweise. Das Risiko dafür, dass die Behandlungskosten vorab nicht genau zu bestimmen seien, muss dann auch der Verursacher tragen. Zumal bei "Tiger" auch von keinem Mitverschulden ausgegangen werden konnte. 

Quelle: n-tv.de, awi

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