Ratgeber
Wer schon ahnt, dass das eigene Gebiss zur Großbaustelle werden könnte, sollte über eine Zahnzusatzversicherung nachdenken.
Wer schon ahnt, dass das eigene Gebiss zur Großbaustelle werden könnte, sollte über eine Zahnzusatzversicherung nachdenken.(Foto: imago/wolterfoto)
Mittwoch, 29. August 2018

Tenhagens Tipps: Wer bezahlt den Zahnersatz?

Schlechte Zähne zu haben ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch teuer. Zumindest dann, wenn man sich nicht mit der medizinisch notwendigen Regelversorgung zufrieden geben will. Finanztip-Chef Tenhagen erklärt, wann eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll ist und welche Alternativen es gibt.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

n-tv.de: Früher oder später trifft es fast jeden: Ein Zahn muss raus, der Zahnarzt empfiehlt eine Brücke oder besser noch ein Implantat. Was kann der Patient von der Krankenkasse erwarten?

Hermann-Josef Tenhagen: Zunächst einmal die Hälfte der Kosten für eine Regelversorgung. Das ist der Standardsatz für den medizinisch notwendigen Zahnersatz. Bei einer Krone sind das zum Beispiel gut 300 Euro. Davon zahlt die Krankenkasse die Hälfte. Wenn man in den letzten fünf Jahren regelmäßig beim Zahnarzt gewesen ist und das Bonusheft ordentlich geführt hat, dann übernimmt die Kasse 60 Prozent, bei zehn Jahren 65 Prozent, also rund zwei Drittel. Wenn die Behandlung laut Regelversorgung insgesamt über 300 Euro kostet, gibt es also 150 bis gut 200 Euro von der Kasse.

Nun will der Patient aber wenigstens eine Keramikverblendung, vielleicht lieber ein Implantat. Die Krone mit Verblendung kann 600 Euro, das Implantat mit allen drum und dran bis zu 3500 Euro kosten. Auch da schießt die Kasse zur Krone die maximal 200 Euro zu, zum Implantat vielleicht etwas mehr. Egal welche Lösung er wählt: Der Patient zahlt immer noch eine Menge dazu. Entweder den Restbetrag oder den Mehraufwand.

Was, wenn der Patient sich den Eigenanteil nicht leisten kann?

Es gibt eine Härtefallregelung. Bei Leuten, die unter 1218 Euro verdienen, übernimmt die Krankenkasse die gesamte Regelleistung. Ansonsten kann man mit den meisten Zahnärzten Ratenzahlung vereinbaren.

Man kann aber auch dafür sorgen, dass der Zahnersatz günstiger wird. Zum Beispiel, indem man ins EU-Ausland geht, klassischerweise nach Polen oder Tschechien oder auch auf die Balearen. Da gibt es eine ganze Reihe von Zahnarztpraxen, die sich auf deutsche Kundschaft spezialisiert haben. Zum Teil haben die auch Verträge mit deutschen Krankenkassen.

Es geht sogar hierzulande günstiger. In Deutschland gibt es den Zahnärztezusammenschluss Dent-Net. 1150 von den etwa 40.000 Zahnarztpraxen in Deutschland machen da mit. Diese Praxen bieten die Regelversorgung so günstig an, dass sich die Krankenkassen-Kunden mit topgepflegten Bonusheft den Eigenanteil sparen können. Und auch bei aufwendigerem Zahnersatz sind sie deutlich günstiger. Das können die sich auch leisten, weil sie einen Teil der Zahntechnikerleistung beispielsweise in Südostasien einkaufen. Die Dent-Net-Zahnärzte haben einen ganz guten Ruf, weil sie mit Kassen kooperieren. Das muss man sich ähnlich vorstellen wie beim Auto die Vertragswerkstatt. Der fachliche Standard ist da in jedem Fall gesichert.

Ist eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll?

Die kann sinnvoll sein, gerade wenn in der Familie schlechte Zähne verbreitet sind. Aber die Versicherung sollte man natürlich schon abgeschlossen haben, bevor die Diagnose da ist. Bei vielen Tarifen gibt es in den ersten acht Monaten gar keinen Zahnersatz. Und wenn das Gebiss in schlechtem Zustand ist, wird man vielleicht gar keine oder nur eine sehr teure Versicherung bekommen.

Es gibt eine ganze Reihe von Zahnzusatzversicherungen und auch eine ganze Reihe gute. Die Frage ist, wie viel Geld man dafür ausgeben will. Bei Finanztip haben wir kürzlich nach leistungsstarken Tarifen gesucht, die auch bezahlbar sind. Wir haben ein halbes Dutzend solcher Verträge gefunden, bei denen man 20 bis 30 Euro im Monat bezahlt. Das waren Tarife von der DKV, der Halleschen, der Gothaer, Inter und Janitos. Wichtig ist aber: die zahlen in den ersten Jahren auch nicht alles. Die volle Leistung bekommt man normalerweise erst nach drei bis fünf Jahren.

30 Euro im Monat sind ja auch nicht gerade wenig. Sollte man das Geld nicht besser einfach sparen?

Wenn man früh genug damit anfängt, ist das naheliegend. Später haben viele Leute ja ohnehin ein paar Ersparnisse. Wenn man 20.000 Euro mit 0,01 Prozent verzinst auf dem Tagesgeldkonto liegen hat, ist es vielleicht besser, das Geld für Zahnersatz einzuplanen, als jahrelang 30 Euro im Monat an die Versicherung zu zahlen, von er man noch gar nicht weiß, wann und in welchem Umfang man sie braucht.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de