Ratgeber

Pauschalbuchung oder individuellWie kommen Touristen günstiger weg?

06.08.2015, 20:17 Uhr
imageVon Isabell Noé

Ein Klick und der komplette Urlaub ist eingetütet: Pauschalreisen gelten zwar als etwas piefig, sind aber ziemlich bequem in vielerlei Hinsicht. Sind sie auch billiger als Individualbuchungen? Und warum kosten Pauschalreisen auf allen Portalen das gleiche?

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Gleiches Ziel, unterschiedliche Preise: Wer die Reisebestandteile selbst zusammensucht, ist meistens günstiger unterwegs. (Foto: imago stock&people)

Flug, Transfer, Unterbringung – alles aus einer Hand. Pauschalreisen haftet der Ruf der Spießigkeit an, sie sind aber unbestreitbar die bequemste Art, einen Urlaub zu buchen. Doch der Komfort hat seinen Preis. Bei der Einzelbuchung der jeweiligen Bestandteile kommt man meistens günstiger weg, hat das Magazin Vergleich.org festgestellt. Womöglich hat sich das auch schon herumgesprochen, jedenfalls nimmt die Bedeutung der Pauschalreisen ab. Im letzten Jahr waren nach Zahlen des Deutschen Reiseverbands nur noch 40 Prozent aller gebuchten Urlaube Pauschalreisen. 2009 machten sie noch die Hälfte aus.

Beispielhaft haben die Tester für die Stichprobe 15 Pauschalreisen bei fünf populären Buchungsportalen abgerufen. In 80 Prozent der Fälle war die Individualbuchung günstiger. Im Schnitt zahlten die Tester 13 Euro weniger, wenn sie die Leistungen individuell zusammenstellten. Bei welchem der fünf Portale die Reisen angefragt wurden, war übrigens egal. Angebote und Preise waren in der Regel identisch. Abweichungen ließen sich allenfalls dann feststellen, wenn eine angefragte Reise schon ausgebucht war und deshalb ein anderer Veranstalter gewählt wurde.

Der Grund für das Preis-Einerlei: Alle Portale setzen bei der Zusammenstellung der Reisen auf die Buchungssoftware TravelTainment und greifen dadurch auch auf die gleichen Reisedatenbanken zurück. Es gibt war noch weitere, kleinere Buchungssysteme, doch TravelTainment ist in Deutschland mit Abstand das verbreitetste. Expedia, Ebookers, Holidaycheck oder Check24 – sie alle und viele weitere nutzen das gleiche System. Die Folge: "Für die Verbraucher ist es letztendlich egal, bei wem sie ihre Reise buchen", so Vergleich.org-Reiseexperte Stefan Häusler. Der Preis sei "nicht das ausschlaggebende Argument für oder gegen eines der Portale."

Große Auswahl, schlechter Service

Wenn nicht der Preis entscheidet, was denn dann? Die Auswahl vielleicht, hier ließen sich im Test jedenfalls größere Unterschiede feststellen. Mit Abstand am meisten Optionen für dasselbe Reiseziel und denselben Reisezeitraum fanden sich bei Ab-in-den-Urlaub. Das liegt an zahlreichen Exklusiv-Reisen, die das Portal im Programm hat. Auch Holiday-Check steht im Vergleich ganz gut da. Hier bemängelten die Tester allerdings die etwas umständliche Nutzerführung. Dafür bleibe der Kunde dort vor aufdringlicher Werbung verschont. Bei Ab-in-den-Urlaub war nicht auf den ersten Blick ersichtlich, ob Zusatzleistungen wie der Flughafentransfer inklusive sind. Dafür gab es Minuspunkte.

Bei gleichen Preisen und ähnlichem Angebot macht vor allem der Service den Unterschied. Bei Check24, Holidaycheck und Weg.de wurden die Tester in einer akzeptablen Zeit gut beraten, bei Ab-in-den-Urlaub kam auf E-Mails hingegen keinerlei Antwort. Die Pressestelle rät dazu, Fragen am besten via Facebook zu stellen. Opodo verwies in einer Bestätigungsmail auf den überlasteten Kundendienst und meldete sich danach nie wieder.

Pauschalreisen sind sicherer

Da ist es fast beruhigend, dass man das Reiseportal im Zweifel nur bei Fragen zur Buchung behelligen muss. Um den weiteren Ablauf kümmert sich der Reiseveranstalter. Übrigens ein großer Vorteil gegenüber der Individualreise: Egal ob Flug, Transfer oder Unterbringung – wenn etwas schiefgeht, hat man einen Ansprechpartner, der dann auch haftet, wenn Leistungen nicht so ausfallen wie sie sollten. Hier gilt das Reisevertragsrecht. Wer die Bausteine hingegen selbst kombiniert, schließt mit jedem einzelnen Anbieter einen eigenen Vertrag ab und muss sein Recht dann jeweils selbst durchsetzen. Mehr Sicherheit gibt es auch beim Thema Insolvenz: Muss die Airline oder ein Hotelbetreiber Konkurs anmelden, kümmert sich der Veranstalter. Geht der wiederum pleite, bekommen die Kunden ihr Geld von der Versicherung zurück.

Auch wenn man den Urlaub doch nicht abtreten kann, hat man bei Pauschalreisen bessere Karten. Bei Individualreisen kann ein Reiserücktritt teuer werden, weil Hotels und Ferienhausanbieter oft hohe Stornopauschalen erheben und Fluggesellschaften meist nur einen Bruchteil der Preise zurückerstatten. Ob dabei alles mit rechten Dingen zugeht, lässt sich schwer überprüfen. Eigentlich dürfen die Airlines nur die Kosten berechnen, die ihnen durch den Rücktritt tatsächlich entstehen. In der Praxis bleiben Kunden aber oft auf einem Großteil der Kosten sitzen.

Bei Pauschalreisen gelten klare Stornobedingungen, je nachdem wie viel Zeit noch bis zum Reiseantritt bleibt. Manche Veranstalter behalten bei Stornierungen bis zu 30 Tage vor Reiseantritt 40 Prozent des Reisepreises ein. Damit bewegen sie sich allerdings auf dünnem Eis: Der BGH hat im letzten Jahr entschieden, dass Reiseveranstalter genaue Gründe angeben müssen, wenn sie hohe Stornogebühren verlangen. Viele Anbieter sind aber auch bescheidener und verlangen bei 30 Tagen Vorlauf nur 20 Prozent Stornogebühr. Wer sich noch nicht absolut sicher ist, dass er die Reise auch antreten kann, fährt hier im Zweifelsfall etwas besser als bei einer individuellen Buchung.

Quelle: ntv.de

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